Wenn in Schönebeck die Polizei mit Laserpistole am Straßenrand steht, macht sie das manchmal auf Order aus London. Denn das Polizeinetzwerk TISPOL mit Sitz in England koordiniert europaweit Aktionen zur Durchsetzung von Straßenverkehrs-Vorschriften. Die Volksstimme war bei einer dieser Aktionen dabei.

Schönebeck. "Da isser!" Polizeihauptmeisterin Brigitte Horn drückt den Auslöser. 45 Stundenkilometer., sagt die rote Anzeige auf dem Laser-Messgerät. Erlaubt sind hier am Malzmühlenfeld 30. Sofort tritt ihr Kollege auf die Straße, hebt mit dem rechten Arm die Polizeikelle, weist mit dem linken einen Nissan auf die freie Fläche neben sich. Auf den ersten Blick eine ganz normale Geschwindigkeitskontrolle, zu der das Team vom Revierkommissariat Schönebeck rausgefahren ist. Doch es gibt eine Besonderheit: Die Order, die Kontrolle zu diesem Zeitpunkt anzusetzen, kam aus London, vom europäischen Verkehrspolizei-Netzwerk TISPOL (Traffic Information System Police). Es hat den Status eines gemeinnützigen Vereins.

"Ziel dieser Organisation ist es, die Zahlen von Verkehrsunfall-Opfern zu senken", erklärt Ingo Reupsch, Polizeihauptkommissar und Leiter des Einsatzdienstes Revierkommissariat. Deshalb koordiniert die Nicht-Regierungsorganisation für die Mitgliedsländer der Europäischen Union Aktionen, die Verkehrsteilnehmer dazu bewegen sollen, die Regeln im Straßenverkehr einzuhalten. Dazu gehören Kontrollen mit je einem von vier Schwerpunkt-Themen: Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen, Telefonieren am Steuer und Anschnallen oder Güter- und Personenverkehr.

Nicht nur die Umsetzung ist die gleiche wie bei den üblichen Laser-Kontrollen in Schönebeck. Auch die Ahndung ist es. So muss der Nissan-Fahrer für\'s Gasgeben in einer 30er-Zone 25 Euro berappen. Seine Strafe akzeptiert der junge Mann ohne zu murren. "Wenn ich so doof war, zahl\' ich auch gleich", sagt er einsichtig und zückt sein Leder-Portemonnaie. Dass er in eine besondere Kontrolle geraten ist, weiß er nicht.

Auch wenn es eine nette Vorstellung sein mag: Die Vorgaben der Zeiträume für die einzelnen TISPOL-Einsätze werden natürlich nicht direkt von London nach Schönebeck durchgegeben. "Die Organisation teilt sie dem Bundesinnenministerium mit, und das leitet sie wiederum weiter", erklärt Ingo Reupsch.

Die Schönebecker sind bereits seit zehn Jahren bei den Kontrollen dabei. Für das laufende Jahr sind insgesamt neun Stück angesetzt.

Auch unabhängig von dem europäischen Netzwerk fahren die Beanten des Revierkommissariats ständig zu Geschwindigkeitskontrollen raus. "Irgendwo wird jeden Tag gemessen", sagt Brigitte Horn und bezieht sich damit auf den Altkreis Schönebeck. Allein am Malzmühlenfeld war das Team in diesem Jahr bereits zwölfmal im Einsatz.

Dabei betont sie: "Es geht dabei nicht darum, so viel Geld wie möglich einzunehmen." Im Vordergrund stünde etwas anderes: "Wir wollen die Fahrer disziplinieren." Der Londoner Gedanke eben.