Die Sperrung der Breiten Straße erregt derzeit in Barby die Gemüter. Weil ein Haus einzustürzen droht, um das sich der Eigentümer seit Jahren nicht kümmert, machte der Landkreis eine wichtige Landesstraße dicht. Darunter zu leiden hat die Allgemeinheit.

Von Thomas Linßner

Barby. Die Einfahrt zur Breiten Straße aus Richtung Post wird voll gesperrt. Grund ist der Zustand des ehemaligen Textil-Geschäftshauses an der Ecke Breite/Postgasse, das seit Jahren als Ruine da steht und zunehmend verfällt.

Gutachter schlägt Alarm

Wie die Barbyer Stadtverwaltung mitteilte, liegt dem Bauordnungsamt des Salzlandkreises - der Gefahrenabwehrbehörde für bauliche Anlagen - ein statisches Gutachten zur Standsicherheit des Objektes Breite Straße 1 vor.

Das Gebäude ist demnach akut gefährdet und droht bei einem Einsturz auf die Breite Straße zu fallen. Die öffentliche Sicherheit und Ordnung sind somit stark gefährdet, was die sofortige Vollsperrung der Breiten Straße zur Folge hat. Die Umleitungsstrecke führt über den Ziegeleiweg/Schulzenstraße.

Das Bauordnungsamt wird im Rahmen seiner Aufgabe als Gefahrenabwehrbehörde den Abbruch des Gebäudes veranlassen. Dazu wurde Kontakt mit dem in einem anderen Bundesland lebenden Besitzer aufgenommen. Bis zur Beseitigung der Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung müsse die Vollsperrung der Landesstraße aufrechterhalten bleiben, teilte die Verwaltung mit.

Das ehemalige Kaufhaus zählt zu einer Reihe innerstädtischer Gebäude, die das Stadtbild verschandeln. Seit Jahren werden die allesamt nicht in Barby lebenden Eigentümer von der Stadt aufgefordert zu handeln. So lange wie keine Gefahr von dem jeweiligen Gebäude ausgehe, seien der Verwaltung die Hände gebunden. Man könne nur moralisch auf die Besitzer einwirken, hieß es aus dem Rathaus.

Der Verein "Tourismusprojekt Grafschaft Barby" ist sich über die Notwendigkeit der Sperrung vollkommen bewusst, kritisiert jedoch den Vorgang. Die Umleitung führe über den kostenaufwändig sanierten Abschnitt der Breiten Straße, der bisher für 7,5 Tonnen zugelassen war. "Zukünftig wird er freigegeben, als Umleitung für den schweren Verkehr", sagte ein Vereinssprecher. Damit werde nicht nur die Straße strapaziert, sondern das gerade installierte Tourismusleitsystem auf den Kopf gestellt.

Zeichenwettbewerb: "Das hässlichste Haus"

Wie lange die Sperrung andauern wird, konnte bei der Stadtverwaltung noch niemand sagen.

In der Arbeitsgruppe Demografie wurde schon vor Monaten ein origineller Vorschlag gemacht, der bei Umsetzung einige Wirkung entfalten dürfte. Die Knirpse des Kindergartens wollen bis zur 1050-Jahrfeier "die hässlichsten Häuser der Innenstadt" abmalen. Die Zeichnungen sollen dann beim Stadtjubiläum ausgestellt werden.

Wenn der Eigentümer des Hauses Glück hat, ist es verschwunden, ehe die Kinder mit den Zeichenblock kommen ...