Unfassbar: Der Schönebecker Sportclub und der Wassersportclub "Delphin" sind das Ziel von dreisten Dieben geworden. Die bisher unbekannten Täter führten in der Nacht auf den 3. Mai einen regelrechten Raubzug durch, stahlen ein Boot und Motoren. Zum Ärger über die entstandenen Schäden und Sachwertverluste kommt bei den Vereinsleuten die Sorge dazu, die Sportausbildung nicht mehr adäquat durchführen zu können. Denn für Neuanschaffungen fehlt das Geld. Und das am Beginn der Wettkampfsaison.

Schönebeck. Der Schock bei den Kanuten und Ruderern des Sportclubs sitzt tief: Als am Dienstagmorgen Vereinsmitglieder zum Steg am Buschhaus kamen, fehlte an einem der Trainerboote ein Außenbordmotor, ein weiteres war komplett verschwunden. Dreiste Diebe hatten sich an Booten und Antriebsgeräten zu schaffen gemacht. "Die Diebe müssen vom Wasser her an die Boote herangegangen sein", vermutet Joachim Schulke, Leiter der Abteilung Rudern im Sportclub der Elbestadt. Denn die Boote seien vom Land aus schwer zu erreichen. Der Steg ist verschlossen, der Zugang mit einem Schloss verriegelt. "Hier ist nichts aufgebrochen worden", erklärt Schulke.

Die Diebe müssen trotzdem mit brachialer Gewalt vorgegangen sein. Denn im Fall des Trainingsbootes der Abteilung Rudern wurde der Motor einfach aus seiner Halterung gerissen. Normalerweise, so Schulke, sei er ebenfalls mit einem Schloss gesichert arretiert. Das Trainerboot der Abteilung Kanu war komplett verschwunden. Nach der Anzeige des Diebstahls machte sich die Wasserschutzpolizei auf die Suche nach dem Wassergefährt und fand es wenige Kilometer elbabwärts in Richtung Magdeburg. Nach Schulkes Angaben wurde es bereits zum Steg zurückgeschleppt. Doch auch hier fehle der Außenborder, berichtet der Abteilungsleiter. Er ist fassungslos, zum zweiten Mal sei der Club von Dieben heimgesucht worden.

Nicht nur der SC, sondern auch der Wassersportclub "Delphin" wurde zum Ziel des Raubzugs der bisher unbekannten Täter. Die Diebe stahlen hier ebenfalls Außenbordmotoren. Die Geräte sind in allen Fällen rund 50 Kilogramm schwer.

Für beide Sportgruppen ein herber Schlag, den Joachim Schulke für den SC und seine rund 120 aktiven Wassersportler konkretisiert. "Wir können das Training nicht mehr in der Qualität durchführen, wie wir es bisher gewohnt waren." Denn die intakten Boote fehlen an allem Ecken und Enden. Sie dienen den Ruderern nämlich nicht nur als Begleitung, sondern auch als Sicherheitsgarant im Training. Wenn es zu Unfällen komme, dann erreiche man mit Hilfe der Fahrzeuge schnell die Betroffenen in der stark strömenden Elbe. Im Motorboot könne durch die Übungsleiter dafür Sorge getragen werden, dass das Wassertraining für den Kinder- und Jungendbereich abgesichert sei. Das ist derzeit nicht möglich. Aus diesem Grund, so Schulke, müssten Trainingsarbeit und technikausbildung komplett umgestellt werden. "Wir halten uns lediglich in Stegnähe auf. Kleinbootklassen fahren wir nicht. Mit den Mannschaftsbooten können wir raus, hier gibt es nicht so ein hohes Gefährdungspotenzial." Als "umfassend und attraktiv" würde der Abteilungsleiter Übungsstunden dieser Art nicht bezeichnen.

Nicht nur das treibt den Vereinsmitgliedern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Denn die Neuanschaffung der Motoren und die Reparaturarbeiten an den Booten kosten Geld. Geld, das der SC nicht hat. Der ohnehin mit einem hohen materiellen Aufwand verbundene Sport lässt eine ungeplante, kurzfris-tige Neubeschaffung derzeit nicht zu. "Und das alles zu einem Zeitpunkt, wo die Wettkampfsaison so richtig beginnt." Einen preiswerten Ersatz zu kaufen, sei auch nicht sinnvoll, so Schulke mit dem Hinweis auf die beschriebenen Aufgaben der Boote bei Training und Gefahrenlagen. "Das verlangt eine gewisse Qualität." Der Vereinsvorstand will sich zusammensetzen und über die Bereitstellung finanzieller Mittel zum Kauf eines neuen Motors beraten. Vielleicht, so die Hoffnung beim SC, fühlen sich auch mögliche Unterstützer zur Mitfinanzierung angesprochen.