Im Burgmuseum Klein Rosenburg ist am vergangenen Sonnabend eine Sonderausstellung eröffnet worden, die sich mit dem Thema "Errichtung und Nutzung der Mehrzweckhalle über mehr als vier Jahrzehnte" beschäftigt. Initiator ist Vereinsmitglied Bernd Wehling.

Groß Rosenburg. Was macht eine Gemeinde, die eine Kulturhalle bauen möchte, Geld hat, einen starken "Sponsor" an ihrer Seite, aber von amtswegen keine Baugenehmigung erhält? Einen Schwarzbau!

So jedenfalls deichselten den Bau der heutigen Mehrzweckhalle 1969 Gemeindeverwaltung und LPG Groß Rosenburg. Da letztere besonders in den 1970er Jahren ein Muster- und Vorzeigebetrieb war, traute man sich, die real existierenden Gesetzlichkeiten zu umschiffen.

Vater Staat "bilanzierte" nämlich öffentliche, ja sogar private Neubauten, weil das Material knapp war. Soll heißen: Baustoffe wurden nur dem zugeteilt, dem eine "Bilanz" zugeteilt wurde. Wozu die Rosenburger nicht zählten, weil Kulturhallenbauten in Dörfern nicht auf der Hitliste staatlicher Bemühungen standen.

Zur Ausstellungseröffnung kam am vergangenen Sonnabend auch der ehemalige Technische LPG-Leiter Gerhard Waldeck (80). Er unterstrich, dass man damals den Antrag zum Bau einer Heu-Lagerhalle gestellt hatte (nicht einer Kartoffelhalle, wie heute irrtümlich vermutet wird). "Im Hinterkopf hatten wir von Anfang an natürlich eine Sporthalle. Die hätte man uns aber nie und nimmer genehmigt", so Waldeck. Wie er sagt, projektierte man das "Objekt Heuhalle" so, dass es internationalen Wettkampfmaßen entsprach. Die LPG stellte mit Unterstützung der Baufirma Ulrich den Rohbau fertig, übergab ihn zur weiteren Nutzung an die Gemeinde.

Spätestens an diesem Punkt war klar, dass nicht Heu und Stroh, sondern quicklebendige Menschen das Bauwerk fortan nutzen sollten. "Wir haben dann argumentiert, dass es wohl doch nicht so günstig sei, "mitten im Dorf eine so große Lagerhalle zu bauen", erinnert sich Gerhard Waldeck. Dabei grinst er noch heute über den gelungenen Streich in schwejkscher Manier.

Eine besondere Rolle bei dieser Geschichte kommt dem umtriebigen und respektierten Bürgermeister Willi Eberhardt zu, der den Plan mit ausgeklügelt hatte. "Nachdem die Sache mit dem Schwarzbau beim Rat des Kreises bekannt geworden war, bekam der Bürgermeister ziemlich viel Dresche", weiß Gerhard Waldeck. Auch Edith Eberhardt, die unter den Ausstellungsbesuchern war, erinnert sich an "schwere Stunden" ihres Schwiegervaters. "Den hätten sie damals beinahe eingesperrt."

Fakt ist, dass der renommierte LPG-Status und das hohe Ansehen des pragmatischen Ortschefs ihn davor bewahrten. "Nach ein paar Monaten hat er dann sogar eine hohe staatliche Auszeichnung bekommen", erinnert sich Ausstellungs-Initiator Berd Wehling.

Fortan wurde die Mehrzweckhalle für Sport- und Kulturveranstaltungen genutzt. Besonders bei den opulenten LPG-Vergnügen wehte ein Hauch von "Palast der Republik", bogen sich die Tische unter edlen Leckerein, stand eine Schar Köche und Kellner bereit (worüber in einer der folgenden Volksstimme-Ausgaben berichtet werden soll).

Wie sich der Ex-Ortsbürgermeister Hagen Meiling erinnert, "dachte man in den 90er Jahren im Gemeinderat sogar laut darüber nach, die Mehrzweckhalle in Willi-Eberhardt-Halle umzubenennen." Wozu es jedoch nicht kam.

 

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