Mit einem Planspiel im Gepäck sind gestern drei junge Frauen vom Europäischen Jugend Kompetenz Zentrum Sachsen-Anhalt in das Carl-Hermann-Gymnasium Schönebeck gekommen. Simuliert wurde die Vergabe von 50 Millionen Euro. Schüler der 8. Klassen teilten sich in verschiedene Lobbygruppen und einen Vergabeausschuss auf. Alles erfolgte so, wie es im wahren Leben, also etwa in einem Parlament, auch vonstatten gehen würde.

Schönebeck. Über die Vergabe von 50 Millionen Euro konnten gestern Achtklässler des hiesigen Carl-Hermann-Gymnasiums befinden. Freilich stand das Geld nur virtuell zur Verfügung. Gestritten wurde trotzdem heiß und sachlich. Doch von vorn.

Das Carl-Hermann-Gymnasium hatte drei ehrenamtlich engagierte junge Damen von "GoEurope", einem Projekt des Europäischen Jugend Kompetenz Zentrums Sachsen-Anhalt aus Magdeburg, eingeladen. Jessica Grape, Maren Marx und die Ungarin Zsuzsanna Jakab hatten ein Planspiel im Gepäck. Die Simulation: Der Arbeitgeberverband, der Verband der Chemieunternehmen, die Aktionsgemeinschaft Erneuerbare Energien, die Arbeitsgruppe Europa als Schulfach und eine Europäische Initiative für Schüleraustausch bewerben sich um die in einem Fördertopf zur Verfügung stehenden 50 Millionen Euro. Ein Ausschuss muss letztendlich befinden, wer den Zuschlag erhält.

Der Projekttag begann um 8 Uhr damit, dass sämtliche Gremien mit Schülern der 8. Klassen besetzt wurden. "Die Gruppen haben sich zuerst mit der jeweiligen Materie vertraut gemacht. Dann erfolgte das Vorstellen der Ziele und Anliegen", erläuterte Jessica Grape gegenüber der Volksstimme. Es galt also für jede der Lobbygruppen, die Ausschussmitglieder für sich einzunehmen, sie von der Wichtigkeit des eigenen Projektes zu überzeugen. Der Ausschuss vergab Punkte und bewertete dabei auch die Fähigkeit und den Willen, Angebote an andere Gruppen zu unterbreiten und mit ihnen zusammen zu arbeiten.

Das Rennen machte schließlich die Initiative Schüleraustausch: 30 Millionen für sie, allerdings mit der Bedingung, für das Erreichen ihrer Ziele mit anderen Interessensgruppen zusammen zu arbeiten. Zufrieden sein konnten auch die Mitglieder der Aktionsgemeinschaft Erneuerbare Energien, die 20 Millionen Euro zugesprochen bekam. "Gute Argumentation. Das ist eine wichtige Sache", begründete Ausschuss-Chefin Anna Brandt die Entscheidung. Leer ging der Verband der Chemieunternehmen aus, der eine Entbürokratisierung staatlicher Vorschriften für seine Branche forderte. "Ihr habt uns nicht überzeugt", schmetterte Anna Brandt den Antrag auf finanzielle Unterstützung ab. Beifall und Buh-Rufe im Plenum.

Lehrerin Dr. Gudrun Lange begrüßte in Jessica Grape übrigens eine ehemalige Schülerin. "Im Unterricht hören wir von Schülern oft, dass sie Europa und die Europäische Union als sehr weit weg empfinden. Spätentens in der 11. und 12. Klasse sind sie dann aber sehr froh über alle Informationen, die sie über Europa gehört haben", schätzte Dr. Lange ein. Schließlich gehe es bei Schülern und Studenten irgendwann auch um Studien- und Arbeitsmöglichkeiten in der EU oder sogar weltweit. Das Planspiel mit den achten Klassen ist als Einstieg in das große Thema Europa gedacht.

"GoEurope" unterbreitet Projektangebote wie das hier geschilderte Planspiel an allen Schulen Sachsen-Anhalts. Für die Bildungsstätten entstehen dabei keine Kosten. Unterstützt wird diese Bildungsarbeit unter anderem von der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung und der Europäischen Union.