Die Zahl der touristischen Veröffentlichungen wächst. So gibt der Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide in einem gut gestalteten Faltblatt Tipps zum "Radwandern, Wasserwandern, Wandern". Doch bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass der Flyer einige Schwächen aufweist, die sogar touristisch kontraproduktiv sind.

Barby. Frank Czewczyk aus Berlin übernachtet im "Rautenkranz". Der Radwanderer sitzt abends beim Bier und guckt sich interessiert verschiedene Werbeflyer an, die in dem Gasthaus ausliegen. Dabei fällt sein Blick auf einen attraktiven hochformatigen Druck, der beim Auseinanderfalten zur touristischen Landkarte wird. Der Berliner richtet sein Augenmerk besonders auf den Elberadweg, auf dem er am kommenden Tag weiter strampeln möchte. Der 52-Jährige hatte einen Abstecher via Fähre nach Barby gemacht, um dann in Richtung Magdeburg weiter zu fahren.

In Barby gab man ihm den Tipp, "ja nicht die Chaussee nach Schönebeck" zu benutzen. Die sei hektisch und gefährlich. Also will Frank Czewczyk über die Barbyer Eisenbahnbrücke und dann auf den Elberadweg zurück. Doch als er sich in die taufrische Karte des Tourismusverbandes vertieft, findet er nördlich von Barby keine Elbbrücke ...

Bei näherer Betrachtung werden weitere Unkorrektheiten sichtbar. Die gesamte Bahnstrecke vom Abzweig Seehof nach Barby ist nicht eingezeichnet, obwohl sie noch in Betrieb ist. Die stillgelegte Weiterführung in Richtung Güterglück-Wiesenburg fehlt auch. Und damit nicht genug: Sogar den "Seepark", das mit Landesmitteln geförderte und viel beworbene Barbyer Naturbad, verschweigt die Karte vollkommen.

Irene Mihlan, Geschäftsführerin des Herausgebers Magdeburger Tourismusverband Elbe-Börde-Heide, verweist darauf, dass man auf die Zuarbeit der "regionalen Partner vor Ort" angewiesen sei, die Veröffentlichungen redaktionell abstimmen. In diesem Fall ist es der Tourismusverband des Salzlandkreises. "Dort ist Frau Beyer zuständig. Sie sitzt bei uns im Marketingausschuss und prüft die Gegebenheiten vor Ort", erklärt Irene Mihlan.

Zuarbeit der Partner vor Ort

Sie versucht aber das Fehlen der Brücke zu begründen: "Die Eisenbahnbrücke ist baulich mit Vorsicht zu genießen. Deswegen haben wir sie meist nicht veröffentlicht." Soll heißen: Radler und Fußgänger würden sich in eine Gefahr begeben.

Dass der 780 Meter lange Brückenüberweg 2006 mit großem Aufwand und Finanzkraft saniert und in einen guten Zustand versetzt wurde, ist Irene Mihlan unbekannt. Lediglich ihr Argument sticht, dass die beiden Auffahrten radlerunfreundlich sind. Sie gesteht allerdings, in diesem Fall "nicht sehr involviert" zu sein.

Die Elbe-Börde-Heide-Chefin macht zudem keinen Hehl daraus, über "die Schaffung von solchen Unterorganisationen wie den Tourismusverband des Salzland- kreises" nicht sonderlich glücklich zu sein und reicht den Schwarzen Peter dorthin weiter.

Birgit Beyer, Marketing-Agentin des Tourismusverbandes Salzlandkreis e.V. in Bernburg, staunt über diese Fehler. "In unserer Karte sind Bahnstrecke und Brücke eingezeichnet", verweist sie auf ein eigenes touristisches Werbemittel. Womit sie recht hat, aber die Frage aufwirft, warum man beide Karten nicht nebeneinander legte und verglich.

"Was wollen wir da lange diskutieren. Dass muss ich jetzt auf meine Kappe nehmen", zeigt Birgit Beyer Größe. Sie verspricht, künftige Veröffentlichungen besser vorzubereiten und die Korrekturen aufzunehmen.

Bis zur Neuauflage werden etliche Radtouristen um Barby, seine Altstadt, die Beherbergungsstätten und den Seepark, einen Bogen machen ...

 

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