Hannelore Otto wohnt im Wohnblock Gribehner Weg 2 bis 4 und fühlt sich dort als Mieterin wohl. Umso weniger versteht sie, dass die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG) das Mietshaus abreißen will. Die Volksstimme hat bei CWG-Geschäftsführerin Kornelia Eichel nachgefragt.

Calbe. "Ich verstehe nicht, dass der Block dem Erdboden gleich gemacht werden soll", sagt Hannelore Otto gegenüber der Volksstimme. Einen Grund dafür kann die Calbenserin nicht erkennen. Das gesamte Wohnhaus im Gribehner Weg sei schließlich in einem guten Zustand: Dach, Isolierung oder beispielsweise Fenster seien tadellos in Ordnung. "Man kann doch nicht sanieren und dann abreißen", sagt Hannelore Otto kopfschüttelnd.

"Die Mieter haben wir schon lange darüber informiert"

Auf die Frage nach dem Abriss antwortet Kornelia Eichel, die vor acht Monaten die Nachfolge von Hans-Holger Jürgens als CWG-Geschäftsführerin antrat: "Der Abriss des Wohnblocks ist schon seit längerem vorgesehen. Das ist wahrlich kein Geheimnis mehr und die Mieter wurden darüber vor längerem schon informiert". Zudem habe es bereits persönliche Gespräche in der Geschäftsstelle in der Karl-Marx-Straße darüber gegeben. "Wie viele weitere Wohnblöcke wurde auch dieser nach der Wende umfassend saniert."

Ein genauer Zeitpunkt für den Abriss steht jedoch noch nicht fest, unterstreicht Kornelia Eichel. "Zum Jahresende werden wir uns verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen. Selbstverständlich wird kein Mieter auf der Straße stehen."

"Abriss ist Bestandteil des Stadtentwicklungskonzeptes"

Angebote seien bereits unterbreitet worden. "Theoretisch stehen mehr als 400 leere Wohneinheiten zur Verfügung", sagt Eichel.

Die Maßnahme ist in das 2008 fortgeschriebene Stadtentwicklungskonzept von Calbe einzuordnen. Fakt ist: Die Einwohnerzahl der Rolandstadt nimmt laut der darin enthaltenen Prognose bis 2020 stetig bis auf einen Wert von rund 8500 Einwohnern ab. Dem steht ein wachsender Wohnungsleerstand gegenüber. Laut Stadtentwicklungskonzept mit einem Zeithorizont bis zum Jahr 2020 muss einer "drohenden baustrukturellen und sozialen Auseinanderentwicklung der Stadtteile entgegengewirkt" werden. Ein Rückbau wie in der Großen Mühlenbreite oder ein Abriss von Wohngebäuden ist daher für die Entwicklung der Rolandstadt perspektivisch unausweichlich.