Das Technikum-Gebäude am Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen trägt ab sofort den Namen "Nikolaj Tschalamoff". Tschalamoff ist im Altkreis Schönebeck gut bekannt. Der 2008 verstorbene einstige Mitarbeiter des Landeswirtschaftsministeriums hat sich in vielerlei Hinsicht karitativ engagiert. Britta Duschek von der Bürgerstiftung Salzland bezeichnet den Schönebecker als "offenherzig und menschenliebend".

Schönebeck. Wer von diesem Mann spricht, spricht in lobenden Tönen: Nikolaj Tschalamoff. Er war zu seinen Lebzeiten vieles: Referatsleiter für Forschung und Technologieförderung im Landeswirtschaftsministerium, Vorstandsvor- sitzender der Bürgerstiftung Salzland, Mandatsträger im Kreistag, engagiertes Mitglied einer christlichen Gemeinde, Träger des Bundesverdienstkreuzes und vor allem ein helfender Mensch. Sein Ruf geht weit über die Grenzen Schönebecks hinaus. Das Technikum am Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Bitterfeld-Wolfen hat jetzt den Namen "Nikolaj Tschalamoff" verliehen bekommen. Eine Gedenktafel erinnert fortan an den Mann, "der Forschung und Entwicklung in Sachsen-Anhalt vorangetrieben hat", wie die Mitteldeutsche Zeitung Bitterfeld in ihrer Ausgabe vom Donnerstag berichtet.

Der Standort Bitterfeld-Wolfen und speziell das TGZ haben von Tschalamoffs Visionen, seiner Mission und seinem Engagement profitiert, betonte der Sprecher der Geschäftsleitung der Investitionsbank Sachsen-Anhalt, Manfred Maaß, in seinem Grußwort. Maaß war viele Jahre Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Zu seinen engsten Mitarbeitern zählte Nikolaj Tschalamoff. "Er hat Probleme in Kauf genommen ohne Angst, dass er sich selbst versengt", würdigte der heutige Landesbank-Chef. Er erinnert sich gut daran, dass sich der Schönebecker sogar gegen ministerielle Widerstände durchsetzte.

Von Manfred Maaß kam der Vorschlag, das Technikum nach Tschalamoff zu benennen. "Er hat den Stein ins Rollen gebracht", sagt der Geschäftsführer des TGZ, Kurt Lausch, gegenüber der Volksstimme. Er fügt hinzu: "Herr Tschalamoff hat einer Reihe von Firmen zum Leben verholfen. Das ist in den Grußworten auch hervorgehoben worden." Ein Verdienst des Schönebeckers war, dass er ein Drei-Mann-Unternehmen aus Berlin in Thalheim bei Bitterfeld ansiedelte: Q-Cells.

Zum TGZ gehören drei Gebäude, darunter das Technikum. Hier sind derzeit neun Firmen untergebracht, 70 Frauen und Männer stehen in Lohn und Brot. Tschalamoff war von 2004 bis zu seinem Tod im Jahr 2008 Aufsichtsratsvorsitzender des TGZ - noch so eine Auf- gabe.

Zu den vielen Personen, die mit Tschalamoff zusammen gearbeitet haben, gehört Britta Duschek. Im Vorfeld der Gründung der Bürgerstiftung Salzland trat sie an den damals bereits im Ruhestand lebenden Schönebecker heran und bat ihn um sein Mitwirken. "Mit seinem Ruf konnte er als Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung dieses Gremium positiv nach außen vertreten", so Britta Duschek. Sie erzählt von einem außergewöhnlichen Menschen, dem sie zahlreiche Charaktereigenschaften zuordnet. Tschalamoff sei eine angenehme, warmherzige, menschenliebende Person gewesen. Jeder konnte erwarten, von ihm ohne jegliche Voreingenommenheit empfangen zu werden. Er sei immer bereit gewesen zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. "Und diese Philosophie des unvoreingenommenen Gebens wollte er immer auch anderen vermitteln", ist die Mitbegründerin der Bürgerstiftung überzeugt.

Sehr beeindruckt habe sie, wie Tschalamoff an einem kalten Tag einem frierenden Obdachlosen die eigene Jacke um die Schultern hing und den Mann in das christliche Schalom-Haus in der Republikstraße einlud. "Ich freue mich, ihn wenigstens ein paar Jahre gekannt zu haben. Nikolaj Tschalamoff war immer dankbar für das, was er in seinem Leben bekam. Selbst im Sterben war er anderen ein Vorbild. Er klagte nie. Sein tiefer christlicher Glaube half ihm wohl auch über eigene Probleme hinweg." Seine Lebenseinstellung und seine Ideen, sagt Britta Duschek, leben weiter. Das Bitterfelder Beispiel ist der beste Beweis für diesen Satz.

Im Nachruf von IHK-Präsident Klaus Olbricht über Nikolaj Tschalamoff heißt es: "Die Unterstützung der Schwächsten der Gesellschaft in Schönebeck war für ihn Herzenssache und eine Aufgabe, die ihn als gläubigen Menschen auszeichneten."