Pretzien. Einfach mit dem Zweirad an Schönebeck vorbeifahren, das soll unmöglich sein. Dafür hat die Stadt vor fünf Jahren in Pretzien die ehemalige Poststelle in einen Infopunkt umgewandelt. Täglich stehen hier Broschüren, Flyer und Infotafeln zur Verfügung, ein freundliches Wort gehört selbstverständlich auch dazu. Dafür sind täglich Gabriele Gräf und Ilona Gorda vor Ort. Von Mitte April bis September, wenn die Hochzeit der Radtouristen ist, sind die beiden Damen an ihrem Arbeitsplatz.

"Wir machen die Gäste auf unser Angebot aufmerksam", fasst Ilona Gorda das zusammen, was sich dem Touristen bietet, betritt er erst einmal das kleine Gebäude. "Seit dem vergangenen Jahr bieten wir sogar einen Internetanschluss", ergänzt Gabriele Gräf. Ob die E-Mails von unterwegs aus checken oder der Blick nach dem Wetter, das Zusatzangebot wird genutzt, sind sich die zwei Damen vom Info-Punkt einig. Trotz der modernen Technik geht aber nichts über das persönliche Gespräch. Und so können Gabriele Gräf und Ilona Gorda so manch\' Episode berichten. "Ich habe hier auf dem Boden schon einen Biber gespielt, weil ich das englische Wort nicht wusste", plaudert Gabriele Gräf munter drauf los. Ein anderes Mal habe der Weltenbummler Randolph Westphal mit seinen drei Husky-Hunden einen Zwischenstopp in Pretzien eingelegt. Ab und an laufen die Damen vom Info-Punkt sogar den Radlern hinterher. "Was bleibt mir anderes übrig, wenn ich sehe, dass sie in die falsche Richtung fahren", sagt Gabriele Gräf schulterzuckend. Das nennt man wohl voller Einsatz.

"Wir wollen die Verweildauer der Touristen verlängern", nennt Sven Ellert vom Amt für Wirtschaftsförderung das Ziel. Er weiß, "die Radfahrer können wir so nicht einfach von ihrer geplanten Tour zu uns locken." Daher soll der Info-Punkt auch eher Appetit auf mehr machen, so dass die Touristen ein anderes Mal wiederkehren und dann die Schönebecker Region mehr für sich entdecken.

Die Statistik gibt Sven Ellert recht. Allein in der Saison 2010 wurden 8096 Radfahrer in Pretzien gezählt. Neben den deutschen Radlern sind vor allem Niederländer und Schweizer in dieser Region unterwegs. "Sie fragen meist nach Einkaufsmöglichkeiten sowie zur Fahrradreparatur", liest Ellert aus der Statistik ab. Neben der Pretziener Kirche und dem Wehr wird Magdeburg stark nachgefragt.