Barby. "Schön, dass es jetzt so einen würdigen Ort gibt, an dem diese Dinge aufbewahrt werden", sagt Rüdiger Frenzel. Damit meint er das "DDR-Museum" von Simone und Axel Schäfer auf dem Markt.

Frenzel vermachte der Sammlung ein Firmenschild seines Stiefvaters Ernst Ruthe, der im Stadtgraben bis Ende der 1970er Jahre einen privaten Gemischtwarenladen betrieb. Er war nicht viel größer als ein Wohnzimmer - die Kundschaft kam aus der Nachbarschaft.

Besonders in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verschwanden zahlreiche kleine Läden von der Bildfläche, deren Inhaber zumeist aus Altersgründen aufgaben. Allein im benachbarten Magdeburger Tor gab es auf knapp hundert Metern Straßenlänge einen Bäcker, einen Fleischer, drei Lebensmittelläden, einen Fotografen und eine Kneipe. Letztere war das "Schützenhaus", in dem sich heute ein kleiner NP-Supermarkt befindet.

Auch bei Kaufleuten wie Ernst Ruthe - er arbeitete nebenbei als Fleischbeschauer - gab es keine großen Umsätze. Aber man kam zurecht, weil man bescheiden war. Bier und Brause wurden flaschenweise gekauft, Mehl und Zucker aus großen Säcken in Ein-Kilogramm-Abpackungen konfektioniert. Dabei stand der Kaufmann nach Feierabend an der Waage und wog die Packungen dutzendfach ab.

Auch Sauerkraut oder saure Gurken gab es nicht fertig verpackt. Im Keller des Hauses standen Fässer, deren Inhalt je nach Kundenwunsch tütenweise verkauft wurde. So manches Kind holte sich zum Naschen 250 Gramm Sauerkraut und spazierte mit tropfender Papiertüte zum Spielplatz.

Das Ruthe-Schild und andere DDR-Alltagsgegenstände werden in Schäfers Sammlung an unregelmäßigen Öffnungstagen gezeigt. Zum Vormerken: Nächster Termin ist am Pfingstsonntag von 13.30 bis 17.30 Uhr.