Das kam punktgenau: Der 60. Geburtstag von Kita-Erzieherin Marianne Küstermann war auch ihr letzter Arbeitstag. Die Barbyerin arbeitete seit 1970 durchgängig in der elbestädtischen Kindereinrichtung.

Von Thomas Linßner

Barby. "So was kriegt man nicht nochmal!", lobt Marianne Küstermanns ehemalige Kollegin Inge Bergmann. Die Rentnerin war selbst jahrzehntelang als Kindergartenerzieherin tätig und muss es wissen.

Nachdem Marianne Küstermann offiziell vom Arbeitgeber Stadtverwaltung verabschiedet worden ist, sitzt man am "letzten Tag" in geselliger Runde beisammen. Die "gestern noch 59-Jährige", wie jemand charmant sagt, ist wie immer freundlich und ausgeglichen. Ein kleines Mädchen, das im Hintergrund irgendwelche Muster ausschneidet, kommt und bringt Marianne einen Stern. Erzieherinnen wie sie werden mit dem Vornamen angeredet. Das "Tante" fällt schon lange weg.

Iris Jacob, Leiterin der Kindertagesstätte "Elbespatzen", bestätigt ihrer Kollegin ein hohes Maß an Engagement und pädagogischer Sensibilität: "Wenn sie bei einem Kind Verhaltensauffälligkeiten festgestellt hat, wälzte sie nach Feierabend Fachliteratur oder machte sich im Internet schlau." Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden danach im Team ausgewertet.

Also kein "Dienst nach Vorschrift".

Für Marianne, geborene Vorreier, deren Vater lange Zeit Schulleiter in Barby war, stand der Berufswunsch schon recht früh fest. Eine Tante in Wernigerode sei dabei inspirierend gewesen. "Mein Vater wollte allerdings, dass ich Unterstufenlehrerin werde. Da musste ich mich durchsetzen", lächelt sie.

Es war ein Schicksalsangebot, als in der 9. Klasse keine UTP-Plätze mehr frei waren. Also durfte Marianne die "Unterrichtstage der Sozialistischen Produktion" im Kindergarten Schulstraße verbringen und brauchte nicht in der "Maisan" Traubenzucker-Tüten rollen. "Wer damals einen Lehrvertrag als Kindergärtnerin hatte, dem wurde das gestattet", erinnert sich die 60-Jährige. Eine folgenreiche Fügung: Nach einer kurzen Glinde-Episode sollte hier ihr Arbeitsplatz vier Jahrzehnte lang sein.

Während der Ausbildung an der Pädagogischen Fachschule Magdeburg lernte die junge Frau nicht nur, sich kräftig artikulierend durchzusetzen, sondern auch singen und Gitarre spielen. Das bescherte ihr einen Gastauftritt in der damaligen Schülerband "Club 69" mit einem eigenen Lied: "Er liebt mich nicht mehr, er liebt eine Andere ..."

Ergo: Es gab in den vergangenen 40 Jahren kaum ein Kindergartenfest, auf dem Marianne nicht Gitarre spielte.

"Kleine Menschen wollen ins Leben und ich helfe ihnen dabei", sagt sie bescheiden. Wobei man auch viele schöne Erlebnisse habe. "Wenn man mal nicht so gut drauf ist - die Kinder hellen schnell die eigene Stimmung auf."

Marianne Küstermann ist davon überzeugt, dass ihr Ruhestand nicht langweilig wird: Vier Enkelkinder, die Hobbys Line dance und Walken und natürlich hin und wieder Besuche im Kindergarten Schulstraße, der heute "Elbespatzen" heißt.