Seit fast einem Jahr haben Stadt und Stadtrat Schönebeck mit einer Veränderungssperre einen Baustopp im Wohngebiet Am Streitfeld verhängt. Der gilt für alle nicht erschlossenen Flächen. Das hier oft anstehende Oberflächenwasser soll nun mittels Regenwasserkanälen abgeführt werden. Eine Investition, die allerdings die Erschließungsträger vorfinanzieren müssen.

Schönebeck. Die Stadt Schönebeck hat einige attraktive Wohngebiete. Das Streitfeld gehört ohne Zweifel dazu. Viele Eigenheimbauer haben sich hier ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt. Knapp die Hälfte der zwischen Bad Salzelmen und Felgeleben gelegenen Fläche kann noch bebaut werden. Das Problem ist hier allerdings das hoch stehende Grundwasser. Hinzu kommt vor allem im zeitigen Frühjahr und im Herbst Oberflächenwasser, das nicht schnell genug versickert oder verdunstet. Die Stadt Schönebeck als hoheitlicher Träger hat deshalb im vergangenen Sommer die Notbremse gezogen. Der seit 1997 bestehende Bebauungsplan erhielt eine so genannte Veränderungssperre, festgesetzt auf zwei Jahre. Der Stadtrat stimmte dieser Beschlussvorlage zu. Sie bedeutet: Vorerst darf auf den noch nicht erschlossenen Streitfeld-Flächen nicht gebaut werden. Sehr zum Verdruss der Erschließungsträger, die hier gerne weitere Bauherren glücklich machen wollen.

Aber sind Glück und Streitfeld noch vereinbar? Schönebecks zuständiger Dezernent Guido Schmidt holt bei dieser Frage weit aus. "Seit 2002 haben sich die hydrologischen Verhältnisse landesweit verändert. Wir haben es immer wieder mit Extremsituationen zu tun, wie etwa im vergangenen Winter." Die Versickerung des Oberflächenwassers, wie sie mit einem Muldensystem im Bebauungsplan vorgesehen war, ist demnach bei Extremsituationen nicht mehr gewährleistet.

Deshalb sei 2008 eine Entwässerungsstudie in Auftrag gegeben worden. Von den fünf Vorschlägen favorisiert Schmidt die Variante, die die Verlegung von Regenwasserkanälen vorsieht (derzeit existiert nur ein Mischwasserkanal). "Das könnte zum Tragen kommen", sagt er. In dieser Hinsicht habe es bereits Abstimmungen mit dem Landkreis und der Abwassergesellschaft Schönebeck gegeben. Auf jeden Fall würden gegenwärtig keine Baugenehmigungen vergeben, die ganze Angelegenheit sei noch in der Prüfung.

"Das Interesse der Bauträger ist groß", weiß der Dezernent aus Gesprächen mit den Geschäftsführern. Diese Diskussionen beschreibt er als "heftig". Es sei prinzipiell begrüßenswert, wenn sich ein Baubetrieb in Schönebeck engagiert. Schmidt vermutet jedoch, dass die Kos-ten für das Kanalsystem, die der Bauträger übernehmen müsste, der Wirtschaftlichkeit einer weiteren Bebauung entgegenstehen. Denn zu diesem Kanalsystem würden auch eine neue Pumpstation sowie eine größere Pumpe gehören, als derzeit an der Blankenburger Straße installiert ist. "Wir brauchen eine nachhaltige Erschließung. Dann kann das Baurecht hergestellt werden. Andernfalls ist es nicht möglich", argumentiert der leitende Stadtbedienstete. Aus vergleichbaren Gründen sei auch das Baurecht für eine Fläche an der Gnadauer Straße in Felgeleben zurückgezogen worden. "Wir lassen kein wildes Bauen zu."

Schmidt betont in diesem Zusammenhang: "Wir sehen es nicht als Lösung an, das gar nicht mehr gebaut wird. Aber wie gesagt, wir brauchen eine nachhaltige Herangehensweise. Die Bevölkerung kann sicher sein, dass wir sehr sensibel mit diesem Thema umgehen."

Beim leidigen Thema Wasser spricht Schmidt von einem "Potpourri von Ursachen". Um der Situation Herr zu werden, soll nun der Randelgraben zwischen Felgeleben und Krankenhaus weiter ausgebaut werden, Baubeginn sei Montag. Die Sohle des Grabens soll geglättet, am Bahndammdurchfluss ein Bypass platziert und ein Unterhaltungsstreifen angelegt werden. Investiert hat die Stadt bisher 500000 Euro, jetzt folgen weitere Kosten in Höhe von 400000 Euro. "Das wird das Problem nicht lösen, aber entschärfen", sagt Guido Schmidt.

Ein der Volksstimme bekannter Erschließungsträger war gestern nicht mehr erreichbar.