Ein Pfarrbereichs- und Regionalgottesdienst fand Sonntagnachmittag in der Biosphärengemeinde an einem ungewöhnlichen Ort statt. Weil es in Lödderitz keine Kirche gibt, lud Pfarrer Rödiger in die Festscheune ein.

Lödderitz. Weil der gemeinsame Pfarrbereich Aken und Groß Rosenburg eine so große Ausdehnung hat, hatte man den Gemeindemitgliedern eine gemeinsame Veranstaltung angeboten. In lockerer Folge sollen in nächster Zeit Gottesdienste für den ganzen Pfarrbereich in ähnlicher Weise stattfinden.

Weil Lödderitz zu den wenigen Orten zählt, die keine Kirche haben, wurde die Festscheune an der Lache genutzt.

Pfarrer Ulf Rödiger, Musiker und Chor standen da, wo zum Weihnachtsmarkt der DJ auflegt oder sich nach der Herbstjagd die Jagdhornbläser postieren. Zwischen alten Wagenrädern und bäuerlichem Gerät, einer Erntekrone und Jagdtrophäen wurde Gottes Wort verkündet. Im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen. Ein kirchlicher Nachmittag jedenfalls, der den vielen Besuchern gefiel.

Jagdhornbläser üben in der Scheune

Als vor zehn Jahren Max Naunappers alte Scheune vom Strohlager zur Feststätte umgebaut wurde, war man in der Biosphärengemeinde zurecht stolz. Endlich gab es einen Ort, an dem man bei Vereinsfesten oder Familienfeiern nicht befürchten musste, dass der Platz nicht ausreicht. Seitdem üben die Jagdhornbläser darin, treffen sich die Senioren-Frauen zum Kaffeenachmittag, finden Vereinsversammlungen in der Festscheune statt. Und am Sonntag wurde eben ein Gottesdienst ausgerichtet.

Als die Scheune zu dem gemacht wurde, was sie heute ist, gab es noch zahlreiche AB-Maßnahmen, die mit so genannten Sachkosten gesegnet waren. Soll heißen: Nicht nur Arbeitskräfte waren vorhanden, sondern auch Finanzausstattung für Material.

Die Scheune wurde ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs erbaut. Der Mittelbauer Max Naunapper, der wie viele seiner Kollegen in Lödderitz rund 20 Hektar bewirtschaftete, nutzte sie zur Einlagerung verschiedener landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Besitzer wollte keinen Dorfkonsum

In den 1960er Jahren bestand der Plan, sie zum Dorfkonsum umzubauen. Doch der Besitzer wehrte sich beharrlich dagegen.

Lödderitz und sein Ortsteil Rajoch sind die einzigen Ortsteile in der Einheitsgemeinde Barby, die keine Kirche haben. In der Vergangenheit gab es allerdings Bestrebungen, ein Gotteshaus zu errichten. Sogar den Platz hatte man dafür bereit gehalten. Der sogenannte Kirchenfleck lag direkt neben der Schule, den die Familie Meinecke über lange Zeit als Hausgarten nutzte.