Erkrankten, behinderten und von Behinderung bedrohten Menschen wird vom Gesetz her die Möglichkeit zur Teilhabe gegeben. Das ist nicht nur über Renten und andere Zuwendungen möglich, sondern auch über das so genannte Persönliche Budget. Doch das wird im Salzlandkreis noch nicht sehr stark von Berechtigten angenommen.

Schönebeck/Staßfurt. Seit 2006 sind im Salzlandkreis 91 Anträge für das Persönliche Budget gestellt worden, 41 wurden bewilligt. 38 Anträge sind davon noch laufende Persönliche Budgets. "Die scheinbar hohe Zahl der Nichtbewilligungen ergibt sich aus den nichtbudgetfähigen Leistungen, zurückgezogenen Anträgen wegen anderweitiger Bedarfsdeckungen, fehlender Zuständigkeiten und aufgrund des Nachranges der Sozialhilfe, gemessen an Einkommen und Vermögen", sagt Landkreis-Dezernentin Petra Czuratis. Die Ressortchefin informierte jetzt öffentlich zum Persönlichen Budget. Sie gibt zu, dass der Aufwand für das Antragsverfahren sehr hoch sei, der Kreis aber in jedem Fall individuell reagiere und berate. Denn wer einen Antrag beim Sozialamt stellt, muss die Einkommens- und Vermögensverhältnisse prüfen lassen. Aber auch Kranken- und Pflegekassen, Rententräger, die Unfallversicherung, das Jugend-, Integrations- oder Arbeitsamt können ihre Leistungen in Form eines persönlichen Budgets gewähren. Die bisher bei der Bewilligung gesammelten Erfahrungen, so die Dezernentin, seien - auch bei kleiner Anzahl - positiv. Die Regionalstelle des Paritätischen Sachsen-Anhalt in Aschersleben habe ein Netzwerk zum Persönlichen Budget gegründet. Berechtigte werden über Möglichkeiten der Inanspruchnahme informiert und bei der Antragstellung begleitet. In Staßfurt informiert die Lebenshilfe Bördeland in der Strandbadstraße 1 bei ihrem Sozialen Dienst über das Bildungs- und Teilhabepaket. Darüber hinaus informiert der Landkreis auf seiner Homepage unter "Soziales".

Petra Czuratis ist überzeugt, dass bei allen bürokratischen Hürden das Persönliche Budget für die Budgetnehmer eine gute Möglichkeit ist, selbstbestimmt Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Rehabilitationsleistungen zu haben. Die Idee des Budgets sei nicht neu, lediglich die Form der Leistungserbringung und damit einhergehend die Möglichkeit für die Nutzer. "Es ermöglicht ihnen selbst zu entscheiden, wann, wo, wie und von wem sie Teilhabeleistungen in Anspruch nehmen, um ihren individuellen Hilfebedarf optimal abzudecken", erklärt die Dezernentin.

Schutz der Individualität

Das stärke letztlich Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein. Die Ressortchefin ist deshalb überzeugt, dass die Bedeutung des persönlichen Budgets wegen dieser Selbstbestimmung angesichts sich verändernder Bevölkerungsstrukturen noch zunehmen wird.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das. Von den 38 laufenden Persönlichen Budgets werden 16 von geistig behinderten Menschen, 17 von körperlich wesentlich behinderten, vier von seelisch behinderten und einer von in Folge von Sucht seelisch wesentlich behinderten Menschen in Anspruch genommen. "In allen Fällen wohnen die Budgetnehmer in den eigenen Haushalten, wobei in zehn Fällen eine stationäre Betreuung vermieden werden konnte", sagt Petra Czuratis. Zurzeit arbeitet der Salzlandkreis als Mitglied im Beirat der Sozialagentur Sachsen-Anhalt mit. Ausgewählte Themen des Beirates sind unter anderem die Bereiche ambulant betreute Wohnformen und das Persönliche Budget. Insbesondere soll diese Plattform dafür dienen, konkrete Bedarfe zu erkennen und gestalterisch bei den Leistungsangeboten Einfluss zu nehmen. Besonderer Schwerpunkt ist die Unterstützung und Ausdehnung der ambulanten Leistungsangebote, um eine selbstbestimmte Lebensführung von Menschen mit Behinderung möglichst in der eigenen Häuslichkeit bedarfsgerecht zu ermög- lichen.