Gibt es eine Lösung im Fall des Baugebietes Streitfeld? Die Stadtverwaltung favorisiert das Verlegen eines Regenwasserkanals, der zusätzlich zum Muldensystem das Regen- und Oberflächenwasser ableiten soll. Für den Erschließungsträger ist das nicht die einzig wahre Lösung.

Schönebeck. Wie sicher ist das Streitfeld? Diese Frage dürften sich alle Bauwilligen stellen, die diesen Ort als Fläche für ihr Eigenheim auserkoren haben. Das attraktive Wohngebiet hat einen Makel: In extremen Situationen fließen Grund- und Oberflächenwasser stellenweise ungenügend ab. Deshalb haben Stadt und Stadtrat Schönebeck einer Veränderungssperre zugestimmt (Volksstimme berichtete). Auf bisher noch nicht erschlossenen Flächen darf nicht gebaut werden. Die Sperre könnte aufgehoben werden, wenn der Erschließungsträger dem Verlegen einer speziellen Regenwasserkanalisation zustimmt.

Manfred Aris, Geschäftsführer der ALW Ingenieur GmbH, ist einer der beiden Erschließungsträger. Gegenüber der Volksstimme wirft Aris einen Blick auf die Gesamtlage. "Ich begrüße sehr die Bildung von Arbeitsgruppen zum Thema Wasser. Das Problem lässt sich nicht wegschieben und muss angegangen werden", sagt der Wanzleber. Mit dem Regenwasserkanal werde es jedoch keine nachhaltige Lösung geben können. "Ich bin überzeugt, selbst wenn jetzt schon das gesamte Streitfeld bebaut wäre, würde sich am Grundwasserstand gar nichts ändern." Aris rät den in Stadt und Landkreis Verantwortlichen einen Blick in die alten Karten zu werfen, auf denen noch ein funktionstüchtiges Wassergrabensystem erkennbar ist. Gräben und Versickerungsteiche seien in den vergangenen Jahrzehnten einfach zugeschüttet worden. Das Ergebnis trete nun in Zusammenhang mit dem drastisch gesunkenen Wasserverbrauch (unter anderem durch den Verlust von Industrie) zu Tage.

Das bedeute aber nicht gleich, dass die bisher im Streitfeld gebauten Häuser unter Wasser stünden, fügt Arno Schuer an, der sich in Schönebeck um die Vermarktung der Streitfeld-Bauflächen kümmert. "Wir bauen sicher", sagt Schuer. Seiner Meinung nach funktioniere das Muldensystem, "das besagen auch die Gutachten". Er weist außerdem darauf hin, dass die Häuslebauer in Streitfeld vorausschauend gebaut haben. "Die meisten haben keinen Keller und haben vorher in Aufschüttungen von bis zu 50 Zentimetern investiert." Sollte für den nicht bebauten Teil nun der von der Stadtverwaltung favorisierte Kanal installiert werden, weil das Muldensystem nicht ausreiche, so sollte, laut Schuer, aber auch der bereits erschlossene Streitfeld-Teil mit diesem System erfasst werden. "Da das dann aber kommunale Straßen betrifft, müsste hier die Stadt die Finanzierung übernehmen", erklärt er.

"Wir wollen niemandem Schuld zuweisen. Auf jeden Fall muss nun aber eine Gesamtlösung gefunden werden. Im Moment sind die Leute verunsichert, sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Transparenz muss her." Manfred Aris redet zum Beispiel einem Entwässerungsgraben entlang der neuen Schönebecker Ortsumgehung das Wort. Eine Maßnahme, die längst hätte erfolgen können und müssen. "Wir brauchen Bauland in Schönebeck und zur Lösung von Problemen die menschliche Logik", so der ALW-Geschäftsführer.