In der Kindertagesstätte "Marienheim" in der Friedrichstraße ist gestern der 20. Geburtstag der kirchlichen Einrichtung mit einem Tag der offenen Tür gefeiert worden. Zum Erziehungsprofil des 13-köpfigen Teams gehört ein ganzheitlicher Ansatz, wie die stellvertretende Leiterin Elisabeth Schmeier erklärte.

Schönebeck. Großer Bahnhof gestern in der Kindertagesstätte "Marienheim". Die von der Katholischen Kirche in Schönebeck getragene Einrichtung feierte den 20. Geburtstag. Die hier betreuten 117 Mädchen und Jungen brachten Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde mit. Zudem kamen viele Ehemalige, wie die stellvertretende Leiterin Elisabeth Schmeier wohlwollend feststellte. Gerade diese Verbundenheit ist für Pfarrer Dr. Thomas Thorak der Gradmesser für die pädagogische Qualität und den Wohlfühlcharakter der Kita. "Der heutige Zulauf ist eine schöne Anerkennung für die Mitarbeiterinnen", sagte der Seelsorger gegenüber der Volksstimme.

Der Tag der offenen Tür anlässlich des Jubiläums hatte bereits um 10 Uhr mit einem Gottesdienst begonnen. An dessen Gestaltung waren viele der Kita-Kinder beteiligt. Thema der Predigt von Pfarrer Thorak war das Jesus-Wort vom Haus, das der eine auf Fels baut und der andere auf Sand. Menschen, so die biblische Botschaft, sollten kluge Baumeister sein. Demnach ist das Marienheim auf Fels gebaut? Thomas Thorak musste bei dieser Frage nicht lange überlegen. "Auf jeden Fall. Es ist garantiert nicht auf den Versprechungen der Welt gebaut", hob er vieldeutig hervor.

Die Kita Marienheim ist, trotz des kirchlichen Trägers, offen für Familien ohne konfessionelle Bindung. Nur etwa 20 Prozent der Kinder kommen aus einem christlichen Elternhaus. "Ich bin mir sicher, dass viele atheistische Mütter und Väter davon überzeugt sind, dass ihre Töchter und Söhne im Marienheim eine für sie wichtige Wertevermittlung erfahren. Diese Eltern wollen für ihre Kinder auf Gott bauen, auch wenn sie selbst nicht gäubig sind", meinte Thorak.

Die Kita lebe von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Eine typische Stadtteil-Einrichtung sei sie nicht, stellte Elisabeth Schmeier fest. Das Profil der Einrichtung mit ihren 13 Erzieherinnen umriss sie mit dem Hinweis auf ein Projekt zur gesunden Lebensweise (zusammen mit der AOK) und einer christlich geprägten, ganzheitlichen Erziehung, die den gesamten Menschen sieht, also auch seine Gefühle, seine Seele.

Das heutige Marienheim ging 1991 aus einem Kinderheim hervor. Einige der damals beschäftigten Erzieherinnen sind auch heute noch in Amt und Würden, darunter Elisabeth Schmeier und die Leiterin des Hauses, Monika Hermann. Sie hatte sich wenige Tage vor dem Tag der offenen Tür einen komplizierten Bruch an der Hand zugezogen und musste den Kita-Geburtstag nach einer Operation notgedrungen im Krankenhaus verbringen. Die besten Wünsche für ihre rasche Gesundung wurden von vielen der Anwesenden im Laufe des Tages geäußert. Das dürfte wirken, zumal ihre Genesung auch Teil der Fürbitte im Gottesdienst war.

In den Räumen der Kita waren große Träger mit hunderten von Fotos aufgestellt, die ebenso die 20-jährige Geschichte dokumentierten wie ein Video, das in Dauerschleife lief. Für das (deftige) leibliche Wohl sorgten die Malteser, für Kaffee und Kuchen die Eltern der Kita-Kinder.

Ursprünglich entstanden ist das Marienheim auf eine Initiative von Franziskanerinnen. Hintergrund war eine Cholera-Epidemie 1873 in Schönebeck, bei der viele Kinder ihre Eltern verloren hatten.