Je länger das Hochwasser andauert, desto mehr werden die aufgeweichten Deiche zu Sorgenkindern der Einsatzkräfte, die Erschütterungen in unmittelbarer Nähe unbedingt verhindern wollen. Das Innenministerium hat nun bei der Deutschen Bahn AG erwirkt, das Züge auf der Bahnlinie zwischen Trabitz und dem Bahnhof Calbe (Saale) Ost auf die Bremse gehen und langsam über den Deich fahren.

Calbe/Schwarz. Der Saalepegel in Calbe ist gestern wieder langsam unter die kritische Neun-Meter-Marke gerutscht. 8,99 Meter – der Fluss scheint langsam zurückzuweichen. Zwar haben die Einsatzkräfte alles unter Kontrolle, doch noch gibt es keinen Grund zur Entspannung. Das Wasser steht derzeit weiterhin in vielen Kellern und Wohnräumen von Häusern an oder wie derzeit in Teilen Gottesgnadens, mitten in der Saale.

"Nun setzt mit dem Regen auch noch das Wasser von oben ein", sagt Bürgermeister Dieter Tischmeyer, Leiter des SAE-Krisenstabes, der drei Mal täglich im Rathaus zusammenkommt. "Problematisch wird das Drängwasser, das vereinzelt durch die aufgeweichten Deiche sickert", so Tischmeyer weiter. Deutlich sind die Grundstücke der Langen Reihe in Gottesgnaden betroffen. Die Pumpen auf der Saaleinsel laufen ununterbrochen, um das Drängwasser wieder in die Saale zu befördern. Zahlreiche Einsatzkräfte kontrollieren rund um die Uhr die mittlerweile aufgeweichten Deiche und bessern Sickerstellen mit Sandsäcken aus.

Das Innenministerium hat nun bei der Deutschen Bahn AG die Einrichtung einer Langsamfahrstrecke im Bereich Calbe (Saale) Ost erwirkt. Der Bahndamm fungiert dort gleichzeitig als Deich. "Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, weil der Damm bei den hohen Geschwindigkeiten zu sehr schwingt, was er wegen der hohen Durchfeuchtung nicht mehr lange unbeschadet ausgehalten hätte", so Ursula Rothe, Sprecherin des Salzlandkreises, der sich bei der Deutschen Bahn eine Geschwindigkeitsdrosselung gefordert hatte.

Auf 1,5 Kilometer nur noch Tempo 50

Nach der nunmehr erreichten Entscheidung der Deutschen Bahn darf auf einer Strecke von anderthalb Kilometern in beiden Richtungen nur noch mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gefahren werden. Innenminister Holger Hövelmann (SPD): "Das Hochwasser in Sachsen-Anhalt stellt an alle Beteiligten große Anforderungen. Wir tragen gemeinsam Verantwortung dafür, die Auswirkungen in engen Grenzen zu halten und Schäden zu vermeiden. Ich freue mich, dass hier jetzt auch die Bahn mitzieht."

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