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Am Sonnabendmittag Sprengung der beiden Schlote des einstigen Gummiwerkes Schönebeck


Zehn Sekunden: Dann ist der Schornstein aus dem Bild der Stadt verschwunden

05.12.2011 05:28 Uhr |


Von Olaf Koch


11.45 Uhr: Polizei und Ordnungsamt sperren die Schiller-und Friedrichstraße komplett ab. Weder Autos noch Fußgänger dürfen von nun an den Gefahrenbereich passieren.

11.45 Uhr: Polizei und Ordnungsamt sperren die Schiller-und Friedrichstraße komplett ab. Weder Autos noch Fußgänger dürfen von nun an den Gefahrenbereich passieren. | Foto: Olaf Koch

11.45 Uhr: Polizei und Ordnungsamt sperren die Schiller-und Friedrichstraße komplett ab. Weder Autos noch Fußgänger dürfen von nun an den Gefahrenbereich passieren. | Foto: Olaf Koch

Auf die Sekunde genau um 12 Uhr drückte am vergangenen Sonnabend Sprengmeister Karl-Heinz Bühring den Knopf. Innerhalb von nur wenigen Sekunden fiel der erste der beiden Schornsteine des einstigen Schönebecker Gummiwerkes um.

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Schönebeck l Es ist kurz nach 8 Uhr. Dick angezogen und mit wachem Blick dreht der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Schönebeck seine erste Runde. Er strahlt nicht nur Ruhe aus, sondern auch das Gefühl, die Lage im Griff zu haben. "Alles ist im Lot, ist gibt keine Auffälligkeiten", berichtet der Ordnungsamtleiter der Volksstimme.

Schon seit Wochen haben sich Stadt und Gewerbeaufsichtsamt auf die bevorstehende Sprengung der beiden Schornsteine des alten Gummiwerkes vorbereitet. Alle Anwohner sind informiert. Jene, die im Gefahrenbereich wohnen, müssen eine Stunde vor Sprengung die Wohnungen verlassen. "Insgesamt sind das 156 Menschen in 33 Wohn- und Geschäftsgebäuden", so Waldemar Liedicke.

Punkt 12 Uhr, als die St.-Jakobi-Kirche schlägt, werden die Sprengladungen zeitverzögert gezündet. Dann kippt der 60 Meter hohe Schornstein um.

Punkt 12 Uhr, als die St.-Jakobi-Kirche schlägt, werden die Sprengladungen zeitverzögert gezündet. Dann kippt der 60 Meter hohe Schornstein um. | Foto: Olaf Koch

Punkt 12 Uhr, als die St.-Jakobi-Kirche schlägt, werden die Sprengladungen zeitverzögert gezündet. Dann kippt der 60 Meter hohe Schornstein um. | Foto: Olaf Koch

Er und seine Kollegen haben nicht nur mit Aushängen die Betroffenen informiert, sondern auch in persönlichen Gesprächen. Denn was bei den meisten um 12 Uhr vor der Haustür passieren wird, ist etwas außergewöhnliches. Mitten in einem Wohngebiet sollen Schornsteine gesprengt werden. "Wir haben zwar Erfahrung, aber trotzdem ist es keine 08/15-Arbeit", berichtet kurz vor 10 Uhr in einem Gespräch der Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft mbH (TSG), Martin Hopfe, der Volksstimme.

20 Kilogramm Sprengstoff

Fall2

Fall2 | Foto: Olaf Koch

Fall2 | Foto: Olaf Koch

Seine Firma ist mit den Arbeiten beauftragt. Schon seit einigen Tagen sind auf dem Gelände Männer mit Schutzhelmen und leuchtenden Warnwesten zu sehen. Sie bringen die Bohrungen an den beiden Schornsteinen an, in denen später der Strengstoff verteilt wird. Läuft alles glatt, fallen die Schlote in Richtung Südwesten, ohne dabei umstehende Häuser zu beschädigen.

Es ist 10.15 Uhr. An der Einfahrt zum Gummiwerk von der Friedrichstraße aus rollen zwei Streifenwagen der Polizei vor. Gemeinsam mit Sprengmeistern und dem Ordnungsamt wird die aktuelle Lage besprochen. Die Polizei postiert sich an allen vier Ecken rund um des Gefährdungsgebiet. Noch müssen die Beamten nicht tätig werden.

Fall4

Fall4 | Foto: Olaf Koch

Fall4 | Foto: Olaf Koch

An den beiden alten Türmen, die 60 und 40 Meter hoch sind, werden unterdessen die rund 20 Kilogramm Sprengstoff und 60 Zünder angebracht. "Um die Schornsteine in eine Richtung zu Fall zu bringen, wird es eine leicht verzögerte Zündung geben", erzählt Martin Hopfe. So kann die genaue Fallrichtung beeinflusst werden.

Anschließend wird mit einem Bagger ein Wall aus Bauschutt um die beiden Türme aufgeschoben. Die Erdhaufen sollen verhindern, dass die Druckwelle unmittelbar nach der Detonation Steine und Kleinstpartikel über das Areal schleudern. Außerdem sind am Fuße der Schornsteine Flies und Maschendraht befestigt.

Fall5

Fall5 | Foto: Olaf Koch

Fall5 | Foto: Olaf Koch

Nach einem Kontrollgang im Gefahrenbereich stellt der TSG-Geschäftsführer fest, dass noch ein Mercedes in der Schillerstraße parkt. Am Scheibenwischer klebt schon ein Knöllchen, doch der Fahrer ist nicht aufzufinden. Gemeinsam entscheiden Martin Hopfe und Waldemar Liedicke: Das Auto muss dringend abgeschleppt werden.

Auto wird abgeschleppt

Noch 15 Minuten: Über Polizeifunk kommt das Signal zu Sperrung. Schiller- und Friedrichstraße werden geschlossen. Nichts geht mehr. "Außer Fahrzeuge mit Sondersignal, die würden wir jetzt noch durchlassen", macht Waldemar Liedicke deutlich. Alle Schaulustigen müssen zudem den Bereich verlassen.

Sprengmeister Karl-Heinz Bühring - er brachte mit seinen Kollegen die 20 Kilogramm Sprengstoff an den Schornsteinen an.

Sprengmeister Karl-Heinz Bühring - er brachte mit seinen Kollegen die 20 Kilogramm Sprengstoff an den Schornsteinen an. | Foto: Olaf Koch

Sprengmeister Karl-Heinz Bühring - er brachte mit seinen Kollegen die 20 Kilogramm Sprengstoff an den Schornsteinen an. | Foto: Olaf Koch

Die Zeit wird knapp. Zehn Minuten vor der geplanten Sprengung trifft der gelbe Abschlepper für den Mercedes in der Schillerstraße ein. Marin Hoppe schaut besorgt auf die Uhr. Doch der Mann ist fix und hat nach wenigen Minuten den Wagen am Haken.

Inzwischen ist es 11.55 Uhr. Ein langanhaltender Warnton hallt über das menschenleere Gelände. Es ist das Zeichen, dass die Sprengung unmittelbar bevor steht. Zwei Minuten später schießen aus zahlreichen Wasserschläuchen Fontänen in Richtung der Fallrichtung der Türme. Das Wasser soll den Staub binden.

Lagebesprechung am Absperrzaun: Links der Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft mbH, Martin Hopfe.

Lagebesprechung am Absperrzaun: Links der Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft mbH, Martin Hopfe. | Foto: Olaf Koch

Lagebesprechung am Absperrzaun: Links der Geschäftsführer der Thüringer Sprenggesellschaft mbH, Martin Hopfe. | Foto: Olaf Koch

Es ist 12 Uhr. Die Glocken von St. Jakobi schlagen gerade die volle Stunde, da zählt Sprengmeister Karl-Heinz Bühring laut rückwärts herunter: "Drei, zwei, eins, Sprengung!" Sekunden später zündet der Sprengstoff. Dann ist der Knall zu hören. Langsam neigt sich der Schornstein zur Seite und schlägt auf den Boden auf. Drei Minuten später wird der kleine Turm gesprengt.



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Copyright © Volksstimme 2012
Dokument erstellt am 2011-12-05 05:28:39
Letzte Änderung am 2011-12-05 05:28:39


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von ilch49 am 22.02.2012, 11:35 Uhr

völliger Schwachsinn der Tunnel ist völlig ok und es wird auch zeit das Oschersleben nicht immer "2 geteilt" ist es nervt, so oft wie man vor den Schranken steht !!! Sollten dann aber die Bahnübergänge Fabrikstraße und Anderslebener Straße geschlossen werden gibt es nur noch einen weiteren Bahnübergang was für Oschersleben zu wenig ist. Man müsste mind. 1 weitere Möglichkeit lassen für Notfälle. man weiß ja nie .....

von tobi79 am 22.02.2012, 06:33 Uhr

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