Die Kleintierzucht, egal ob Kaninchen, Enten, Tauben und Hühner, hat in Groß Börnecke eine lange Tradition. Schon vor mehr als 60 Jahren waren Leute im Ort daran interessiert, Prachtexemplare aus dem eigenen Stall auf Schauen zu zeigen. Historische Dokumente belegen das. Sogar ein Werbeschild aus dem Jahr 1946 ist erhalten geblieben.

Groß Börnecke. Zweifel sind ausgeschlossen. Mit Sicherheit steht fest: Kaninchen landeten im früheren Preußisch Börnecke nicht nur im Kochtopf. Zumindest wurden sie dafür nicht nur gehalten. Vielmehr gab es schon damals Leute, denen das Aussehen der putzigen Mümmelmänner am Herzen lag. Die Rede ist von der Rassekaninchenzucht. Die alten Rassen: "Wiener" und "Russen", die habe es schon damals gegeben, kann Udo Nesemann gewiss behaupten. Tiefer ins Detail zu gehen, liegt dem Chef des Rassegeflügelzuchtvereins fern. Trotzdem freut er sich, dass es das Werbeschild noch gibt. Es stammt aus dem Jahr 1946. Darauf wird eine Kaninchenschau in Kropfs Saal, dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus, angekündigt.

Der mit bunter Farbe gestaltete historische Pappaufsteller ist vor ein paar Jahren wieder aufgetaucht; und zwar bei Umbauarbeiten im Laden von Yvonne Kramer-Herbst in der Mittelstraße. Hier schlummerte das kleine Stück Heimatgeschichte zwischen den Mauern, bis es Anfang der 1990er Jahre wieder ans Licht kam und in den Fundus der Abteilung Chronik vom Kultur- und Heimatverein überging.

Doch welche historischen Informationen verstecken sich dahinter? Seit wann gibt es welche Kleintiervereine im Ort und welche Entwicklung nahm ihre Geschichte? Fragen, die ein amtierender Vorsitzender vom Rassekaninchenverein heute nicht mehr beantworten kann. Den Verein gibt es nicht mehr. Dafür kann aber Udo Nesemann ein bisschen was zur Historie sagen. Denn eine Verbindung zwischen Rassegeflügel- und Rassekaninchenverein bestand einst. 1968 wurden sie zusammengelegt. Damals habe es sechs Rassekaninchenzüchter gegeben. Ab 1981 gingen die Vereine aber wieder getrennte Wege.

Fachsimpeln über historische Dokumente

Sein Wissen hat Nesemann einem gut erhaltenen Archiv an Protokollbüchern des Rassegeflügelvereins zu verdanken. Von 1950 an sind die handschriftlich fein säuberlich eingetragenen Notizen erhalten geblieben. Auf Beratungen kommen die Schriften ab und an auf den Tisch, auch über weitere Dokumente der Zeitgeschichte können die Rassegeflügelzüchter im Ort plaudern. Die älteste Taubenzeitschrift ist aus dem Jahr 1929 erhalten geblieben. Mindestens fünf Exemplare weiterer Geflügelzeitschriften anderer Jahrgänge, etwa aus 1954, sorgen für ausreichend Gesprächsstoff. Fachsimpeln war aber anderswo in Deutschland schon viel früher angesagt. Ein Buch aus dem Jahr 1906 zur Geflügelzucht ist beredeter Beweis dafür. Nesemann ist stolzer Besitzer der historischen Fachliteratur, die er einem Tauschgeschäft zu verdanken hat.

Und die Geschichte der Rassekaninchenzucht? "Vielleicht findet sich im Ort ja jemand, der uns sagen kann, wo die Protokollbücher des früheren Vereins sind", hofft auch Heimatvereinsmitglied Yvonne Kramer-Herbst auf wieder neue Entdeckungen und Hinweise, die Vereinsgeschichte weiter zu vervollständigen.

 

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