Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Dieter Steinecke (CDU) informierte sich gestern vor Ort über die Entwicklung, die die Stadt Staßfurt seit der Wende genommen hat und war erstaunt darüber, was er in der Salzstadt zu sehen und zu hören bekam.

Staßfurt. Oberbürgermeister René Zok (parteilos) nutzte die Gelegenheit, seinen Gast beim Empfang im Rathaus gleich auf das brennendste Problem der Stadt, die Schließung des örtlichen Krankenhauses, aufmerksam zu machen. "Wir haben Bedenken, ob bei der geplanten Privatisierung die notwendige Neutralität zugunsten aller vier Standorte im Salzlandkreis gewährleistet ist", sagte der Stadtchef. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Entscheidungsträger im Kreisausschuss, Staßfurt nicht außer acht zu lassen.

Man habe in Staßfurt massiv Leistungen abgebaut und gehofft, dass die Patienten mit nach Aschersleben gehen, was nicht passierte, sagte der Landtagsabgeordnete Peter Rotter (CDU).

Wie sein Kollege Dr. Manfred Püchel (SPD) informierte, sei nach der Kreisgebietsreform klar gewesen, dass es bei der negativen Bevölkerungsentwicklung in den Kliniken des neuen Kreises nicht so bleiben könne, wie bisher, sagte Püchel. Das Klinikkonzept sei aber letztendlich daran gescheitert, dass es keine Spezialisierung der einzelnen Häuser gegeben habe. Ansonsten hätte es auch einen Weg für Staßfurt gegeben, ist Püchel überzeugt.

"Ich hoffe, dass das Ganze für die Stadt ein gutes Ende findet", sagte der Landtagspräsident. Er sei optimistisch, wenn solche Leute wie Manfred Püchel die Entscheidungsfindung im Kreisausschuss begleiten.

Von Steinecke auf die Entwicklung der Wirtschaftskraft der Stadt angesprochen, berichtete der Oberbürgermeister, dass der Einsatz von Leiharbeitern den größeren Unternehmen in der Krise geholfen habe, die Probleme abzufedern. Als besonders positiv hob das Stadtoberhaupt hervor, dass kein Betrieb in Insolvenz gegangen sei. Im Gegenteil, es gebe etliche Firmen, die durch den Neubau von Hallen expandieren.

"Auch unsere Gewerbesteuereinnahmen haben sich schneller erholt, als erwartet. Wir sind zwar noch nicht wieder auf dem Niveau von 2008, sind aber optimistisch, dass wir das bis 2013 wieder erreichen werden ", sagte Zok. "An Ausbildungsplätzen fehlt es bei uns auch nicht, aber an qualifizierten Schülern", fügte er hinzu. Deshalb seien stärkere Kontakte der Unternehmen zu den Sekundarschulen notwendig. Bewährt habe sich da das Motivations- und Orientierungszentrum (MOZ) des BBRZ für die berufliche Frühorientierung, sagte Zok. Dort können die Schüler ihre handwerklichen Fähigkeiten testen.

"Es nützt aber nichts, die jungen Leute mit einer großen Kraftanstrengung auszubilden und sie dann abwandern zu lassen", meinte Rotter und bekam von Püchel Recht. "Es muss für die jungen Menschen attraktiv sein, hier zu bleiben", sagte der Sozialdemokrat. Da bald mehr ältere Arbeitnehmer aus den Firmen ausscheiden als jüngere nachrücken, ergebe sich für letztere eine Riesenchance.

Auf die Wirtschaftsförderung eingehend, sagte der Oberbürgermeister: "Wir sind an ein paar Projekten dran, die aber noch nicht spruchreif sind. Über ein großes Vorhaben wird derzeit in Richtung Förderstedt diskutiert."

Nach seinem Besuch im Sodawerk schwärmte Steinecke: "Ich war beeindruckt, welche Auswirkungen dieses Unternehmen auf die örtliche Wirtschaft und darüber hinaus hat." Es beliefere derzeit alle Glaswerke in Sachsen-Anhalt mit Soda.

"In sofern ist das ein großartiger Leuchtturm für die ganze Region", schätzte Steinecke ein, der die Entwicklung des Chemiebetriebes, in den und dessen Umfeld nach der Wende mehr als 800 Millionen Euro geflossen sind, positiv bewertet. Steinecke sieht große Chancen für Folgeinvestitionen um das Sodawerk.

Als Existenzproblem könnte sich allerdings die Weigerung des Landkreises auswachsen, die alten Kalksteinbrüche mit Abraummaterial aus den neuen zu verfüllen. "Das ist nicht nachvollziehbar", sagte Püchel. Der Landtagspräsident appellierte deshalb an die Landkreisverwaltung, eine vernünftige Lösung zu finden.