"Jetzt reicht‘s langsam", meint Thomas Schumann auf einem schmalen Streifen Land zwischen den Wassermassen. Der Löderburger Wehrleiter ist mit einem Trupp zur Erkundung eines möglichen Dammbruchs Richtung Goldbach unterwegs. Der Bruch bestätigt sich zwar nicht. Doch die Kameraden sind seit zwölf Tagen im Einsatz. Gestern rückte auch die FFW Staßfurt wieder aus, die angesichts des aktuellen Bode-Pegel-Höchststands von 3,37 Meter erneut Sandsäcke in der Neuen Welt verbaute.

Staßfurt/Löderburg. Seit dem 13. Januar sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Löderburg nun im Hochwasser-Einsatz. Da stand der Bode-Pegel bei 2,89 Meter, also knapp an der Grenze zur zweithöchsten Alarmstufe. Gestern erreichte er in Staßfurt 3,37 Meter. Wenn auch Zentimeter für Zentimeter – unaufhörlich war das Wasser am Unterlauf der Bode in den vergangenen Tagen weiter gestiegen, während sich die Situation am Oberlauf sowie an Saale und Elbe zum Wochenende entspannte. Seit nunmehr neun Tagen liegt die Alarmstufe IV (ab 3,10 Meter) an.

Wehrleiter Schumann hatte es wohl geahnt, als er seine Männer des nachts nicht einteilte. Einerseits, weil die Deichwacht im Dunkeln zu gefährlich wäre. Andererseits, um die Kameraden zu schonen. Der lange Atem bewährt sich jetzt. Ein Fünkchen Hoffnung glimmte gestern bei der Flussbeobachtung im Löderburger Drachenschwanz auf. Da hatte sich das Wasser etwa einen Meter von der Fahrbahn zurückgezogen. Da das aber relativ schnell passiert war, wurden die Kameraden um Zugführer Mike Thalmann hellhörig. Und tatsächlich war aus Richtung Goldbach ein starkes Rauschen zu vernehmen. Ein Dammbruch etwa?

Vermutung Dammbruch bestätigt sich nicht

Wehrleiter Thomas Schumann nahm ein paar Kameraden mit zur Lageerkundung auf den gepflasterten Bodedeich flussabwärts. Die Vermutung bestätigte sich zum Glück nicht. Allerdings trat die Bode zwischen Athensleben und Löderburg da schon einige Stunden über den Damm in Richtung Löderburger See.

Unterdessen rückte die Staßfurter FFW einmal mehr in die Neue Welt aus, um weitere 300 Sandsäcke zu verbauen, damit Grundstücke zu schützen und den Anwohnern den Zugang zu ihren Häusern zu gewährleisten.

"Wir sind also noch im Einsatz", richtete Mario Dingethal, Pressesprecher der Staßfurter Wehr, gen Bernburg. Die hiesigen Kameraden hätten im Dank des Landrats an die Hochwasserhelfer (Volksstimme berichtete) die Einsätze an der Bode vermisst. "Der Landrat hat natürlich allen eingesetzten Kräften zwischen Elbe und Eine gedankt", erklärte gestern Pressesprecherin Ursula Rothe dazu. "Und da sind auch die Helfer an der Bode mit inbegriffen." Und natürlich sei dem Landkreis bekannt, dass in Staßfurt noch die Alarmstufe IV herrsche. Immerhin arbeite der Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) des Landkreises nach wie vor im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Staßfurt, so Rothe. Der Landkreis plane zudem, dass der SAE zumindest bis zum Wochenende aufrecht erhalten bleibe.

Talsperren-Entlastung zurückgefahren

Dass sich die rückstauenden Wassermassen in Staßfurt eingerichtet haben und weiter an Land gewinnen, mussten Kraftfahrer und Fußgänger gestern wieder in der Bernburger Straße feststellen. Aus diesem Grund schloss auch die Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt ihren Eingangsbereich in der Grenzstraße. Die Wohnungsverwaltung informierte, dass sie zurzeit nur über die Kalkstraße zu erreichen sei. An der Lehrter Straße stehen Tiefgaragen unter Wasser. In Löderburg ist der Thiedamm wegen Überflutung seit einigen Tagen gesperrt.

Etwas Hoffnung auf sinkende Pegel auch an der Bode machte gestern Burkhard Henning. Der Geschäftsführer des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) erklärte: "Wir haben die Entlastung der Talsperre Wendefurth und der Rappbode-Talsperre inzwischen zurückgefahren, nachdem wieder Hochwasserschutzräume geschaffen werden mussten."

LHW-Chef denkt, dass nun auch die Bode sinkt

Dass Staßfurt eine Engstelle ist, sei bekannt, wenn Saale und Elbe hohe Stände aufweisen. "Von den Nebenflüssen der Bode wie Ilse, Holtemme und Selke ist aber gegenwärtig nicht mehr viel Wasser zu erwarten. Der meteorologische Dienst sagt eher Schnee und kältere Temperaturen im Harz voraus", denkt Henning, dass nun auch das Wasser am Unterlauf der Bode sinkt.

Wie der LHW-Chef weiter erklärt, hätten die Lagezentren von Bund und Ländern Satelliten-Aufnahmen vom gegenwärtigen Hochwasser machen lassen, um das Ereignis nachvollziehen zu können, auch was die überfluteten Ackerflächen betreffe.

Daraus würden dann Schlussfolgerungen gezogen, um zu sehen, was künftig zu tun ist. Die Auswertungen sollen zusammen mit den Landkreisen und Städten vorgenommen werden.

 

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