Der einstige Bürgermeister und Ehrenbürger der ehemaligen Gemeinde Förderstedt, Bodo Messerschmidt, ist am 31. Dezember nach langer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstorben. Das teilte Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos) am Mittwochabend mit.

Förderstedt l Bodo Messerschmidt war ein "Mann der ersten Stunde" nach der politischen Wende in Förderstedt. Er übernahm mit der Wiedereinführung der kommunalen Selbstverwaltung die Verantwortung für seine Gemeinde. "Durch sein vorausschauendes Denken und seinen kommunalpolitischen Sachverstand hat Bodo Messerschmidt maßgeblich dazu beigetragen, dass die Gemeinde Förderstedt in kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen viel erreichte und sich zu einem kleinen Schmuckstück entwickeln konnte", sagte Oberbürgermeister Zok. Er sei vor Widerständen nicht zurückgewichen, sondern immer für die Ziele der Förderstedter und seiner Verwaltung eingetreten. Bürgernähe sei sein zentrales Anliegen gewesen, und deshalb habe er so viele Erfolge verzeichnen können, lobte Zok. Maßgeblich durch sein Wirken seien Investitionen im Ort durchgeführt worden, die zur Entwicklung der Infrastruktur und einem lebenswerten Wohnen beitrugen.

Dieses große Engagement hätten die Bürger seiner Gemeinde gewürdigt, in dem sie ihm für drei Wahlperioden ihr Vertrauen schenkten. In diesem Zusammenhang erinnerte der Oberbürgermeister daran, dass der damalige Gemeinderat Messerschmidts große Verdienste zum Anlass genommen hatte, um ihm Ende 2008 einstimmig das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. "Damit wurde sein herausragendes Handeln nochmals ins Licht der Öffentlichkeit gerückt", so Zok.

Bodo Messerschmidt war am 30. März 2008 von den Bürgern der Gemeinde Förderstedt noch einmal für sieben Jahre zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden. Damals stand die Fusion des Dorfes mit der Stadt Staßfurt am 1. Januar 2009 schon fest.

Nach der Eingliederung des Ortes in die Stadt Staßfurt war Messerschmidt als Sonderbeauftragter von Oberbürgermeister Zok tätig, konnte seine neue Funktion krankheitsbedingt aber nicht lange ausfüllen. Nach einer amtsärztlichen Untersuchung des 58-Jährigen Mitte 2011, bei der die Ärzte herausfanden, dass er aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung seiner Dienstpflichten auf Dauer dienstunfähig sei, wurde Bodo Messerschmidt wenig später in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Ein Jahr zuvor war Messerschmidt von allen politischen Ämtern zurückgetreten und hatte anschließend auch sein CDU-Parteibuch abgegeben. Mit diesem Schritt hatte er die persönlichen Konsequenzen aus dem umstrittenen Rechtsberatervertrag mit Anwalt Thomas Jauch aus Zorbau gezogen. "Er möchte nicht, dass die CDU-Ortsgruppe Staßfurt durch dieses Thema politischen Schaden erleidet", hatte CDU-Stadtchef Marco Kunze seinen ehemaligen Parteifreund in einem anschließenden Volksstimme-Gespräch zitiert.

Hinter verschlossenen Türen hatte Messerschmidt sich damals darüber beklagt, dass seine ehemaligen politischen Weggefährten im Gemeinderat, die diesen über sechs Jahre laufenden Rechtsberatervertrag für die Gemeinde Anfang 2008 in einem Umfang von 64 000 Euro mit beschlossen hatten, ihn, wo es Kritik wegen des Verdachts der Verschwendung von Steuergeldern gebe, nicht beistehen. Auch fühlte sich der ehemalige Bürgermeister, der sich und der CDU jahrelang die absolute Mehrheit in seinem Ort sichern konnte, nach der Eingemeindung in die Stadt Staßfurt von seinen alten CDU-Freunden im Stich gelassen.

Im Oktober des vergangenen Jahres gab Messerschmidt dann auch den Vorsitz im Gemeindekirchenrat ab.

Zok würdigte gestern die großen Verdienste, die sich der Verstorbene seit 1990 an der Spitze der Gemeinde Förderstedt erworben hat. "Dort erinnern viele Objekte, zum Beispiel die Schulen und das schöne Rathaus, für immer an ihn", sagte Zok und fügte hinzu, er habe Bodo Messerschmidt 2008 bei den Verhandlungen zur Eingemeindung des Dorfes in die Stadt Staßfurt als fairen und konsequenten Verhandlungspartner für seine Gemeinde erlebt.

Zok: "Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren."

Der Wirt der Förderstedter Gaststätte Zur Eisenbahn, Michael Mosler, sagte: "Der Tod von Bodo Messerschmidt ist schmerzhaft und ein großer Verlust. Was er für unseren Ort erreicht hat, darf nie in Vergessenheit geraten. Er hat vielen Menschen geholfen und nach der Eingemeindung auch viel in Atzendorf, Brumby, Glöthe, Löbnitz und Üllnitz getan."

Lobende Worte für das Engagement des ehemaligen Bürgermeisters fand auch der Vorsitzende des Sportvereins Förderstedt, Thomas Conrad. "Er hat viel für den Sport im Ort getan. Die Sportanlagen und die Sporthalle an der Schule sind zu 100 Prozent Bodo Messerschmidt zuzuschreiben, der sehr oft auf dem Sportplatz in Förderstedt anzutreffen war", sagte Conrad.

Der ehemalige Gemeinderatschef Dietmar Doktor, der mit Messerschmidt 25 Jahre lang eng zusammengearbeitet hatte, zeigte sich bestürzt. "Ich bin tief betroffen", sagte er der Volksstimme.