Staßfurt l Noch immer beschäftigen Fragen um die Entlassung des Staßfurter Theaterleiters Norbert Viertel durch den Förderverein die Öffentlichkeit. So wandte sich Ina Rössing an die Volksstimme. Die Theaterfreundin würde zum Beispiel gern wissen, was es mit den Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Ersteller des Kartenreservierungsprogramms Waleri Primaschenko und dem Theaterverein auf sich habe, wovon sie zufällig erfuhr. Mitglieder und Sponsoren des Vereins seien weder zur Mitgliederversammlung im Dezember noch im Vorfeld darüber in Kenntnis gesetzt worden.

Dazu sagte die Vereinsvorsitzende Karin Marzahn gestern: "Mit Herrn Primaschenko ist ein neuer Vertrag entwickelt worden. Er arbeitet weiter mit uns zusammen." Waleri Primaschenko zeigte sich unterdessen verwundert darüber. Die Sache sei nämlich noch nicht geklärt. Er habe einen Rechtsanwalt um Unterstützung gebeten, der einen Vertrag aufgesetzt habe. "Der Vorstand hat aber mehrfach großzügige Fristen verstreichen lassen", so Primaschenko. So könne man jedenfalls nicht miteinander umgehen.

Ina Rössing fragt zudem, warum Norbert Viertel - als aus ihrer Sicht wichtigster Mann des Theaters - weder vor den Mitgliedern des Vereins noch vorm Stadtrat sprechen durfte. Auch schon viel früher hätte sich eine Information an die Mitglieder gehört. "Auch dann, wenn der Vorstand meint, Herr Viertel würde sich gegenüber seinem Arbeitgeber nicht loyal und dankbar genug zeigen." Karin Marzahn dazu: "Wir haben immer versucht, Konflikte intern und auf freundschaftlicher Basis zu lösen und diese nicht in die Öffentlichkeit zu tragen. Leider ging Herr Viertel nicht auf Hinweise von uns ein und war auch nicht gesprächsbereit."

Vor dem Stadtrat wurde Viertel nicht gehört, nachdem die Vereinsvorsitzende nicht erschienen war, man aber beide Seiten hören wollte, wie Stadtratsvorsitzender Walter Blauwitz erklärte (Volksstimme berichtete).

Eine nächste Frage bewegt Ina Rössing - nämlich, ob eine eventuelle Kündigungsschutzklage dem Verein weiteres Geld kosten könnte? Davon geht Karin Marzahn nicht aus. Nach ihrem Verständnis habe Norbert Viertel sich doch selbst gekündigt, indem er öffentlich gedroht habe, die Stadt zu verlassen, sollte der Vorstand in alter Besetzung weiterarbeiten. Zudem werde der Verein juristisch durch das Vorstandsmitglied Dörte Stein beraten.

Zur neuen Theaterpädagogin meint die Theaterfreundin, dass sie auf der Mitgliederversammlung im Dezember erstmals davon gehört habe. "Wenn die Finanzen angeschlagen sind, kann man nicht noch neue Mitarbeiter anstellen, sondern muss den Haushalt in Ordnung bringen. Die vielleicht gemachte Rechnung, den Theaterleiter durch die Theaterpädagogin zu ersetzen, geht höchstens finanziell, aber nicht personell auf." Zur Anstellung der Pädagogin teilt Karin Marzahn mit, dass diese vom Landkreis und nicht vom Verein bezahlt werde.

Ina Rössing bezweifelt unterdessen, "dass der Verein die Leitung des Theaters mit allen dazu notwendigen Mitteln und Verpflichtungen bewerkstelligen kann. Frau Marzahn hat angekündigt, dass nach der rechtlichen und vollständigen Trennung von Herrn Viertel die Stelle neu ausgeschrieben wird. Bleibt zu hoffen, dass die Wahl dann auf eine genauso engagierte und kompetente Person fällt, die das Theater auf bisherigem Niveau hält."

Dem hat Karin Marzahn nichts hinzuzufügen. "Wenn rechtlich alles abgesichert ist, machen wir eine Ausschreibung."

Der Betrieb des Salzlandtheaters geht übrigens unterdessen nach wie vor weiter.