Das Entstehen des neuen Schulgebäudes hat eine längere, aber sehr erfreuliche Geschichte.

Bekannt ist, dass die Salzstadt mit dem Kalibergbau, der sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Abteufung der ersten Schachtanlagen entwickelte, einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr.

Das betraf auch die Entwicklung weiterer Industriezweige, wie der chemischen Industrie und des Maschinenbaus. Durch den Zuzug vieler Arbeiter mit ihren Familien explodierte die Bevölkerungsentwicklung. So verzehnfachte sie sich innerhalb von 50 Jahren und um die Jahrtausendwende zählte die Stadt etwa 20 000 Einwohner. Der Anteil der Einwohner mit einer akademischen Bildung nahm überdurchschnittlich zu.

Gleichzeitig stand die Forderung nach Besuch in einer höheren Schule - im Besonderen für Kinder von Direktoren, Bergräten und Chemikern, aber auch für begabte Kinder aus der Arbeiterschaft.

So wurde bereits 1870 die Mittelschule hinter dem Staßfurter Rathaus an der St.-Johannis-Kirche (Schiefer Turm) durch einen Anbau zu einer Bürgerschule umgewandelt, die im Jahre 1876 mit einer Gymnasial- sowie Realabteilung zu einer "Gehobenen Bürgerschule" aufgewertet wurde. Nach intensiven Bemühungen des Magistrat konnte aber erst Ostern 1910 für diese Lehranstalt die Form des Realgymnasiums greifen, so dass es 1913 die ersten erfolgreichen Abiturabgänge gab.

Der Magistrat hatte sich jedoch bereits am 14. Februar 1900 für die Errichtung eines neuen Schulgebäudes entschieden.

Eine Realisierung wurde mit der Übereignung einer geeigneten Grundstücksfläche außerhalb des senkungsgefährdeten Stadtgebietes akut.

Im Jahre 1907 schenkte die Staßfurter Firma Bennecke, Hecker Co. der Stadt eine 5746 Quadratmeter große Fläche in Höhe der St.-Petri-Kirche am Königsplatz. Dem Guts- und Bergwerksbesitzer Dr. jur. Herbert Bennecke (1851-1921) verlieh die Stadt am 23. Oktober 1918 die Ehrenbürgerwürde.

Mit Unterstützung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten übernahm der Geheime Oberbaurat Delius die Planung. Der symbolische Spatenstich erfolgte im Jahre 1911, und es begannen damit die Baumaßnahmen, deren Bauleitung durch Regierungsbaumeister Cordes und Bauausführung durch die Firma Peters Söhne erfolgte. Ende 1913 wurde das Gebäude mit seinen neoklassizistischen, neubarocken und Jugendstilelementen fertiggestellt. Damit entstand in Staßfurt ein sehenswerter Repräsentationsbau im damaligen kaiserlichen Deutschland.

Mit einem festlichen Programm wurde das Schulgebäude mit neun Klassenräumen, mehreren Fachsälen, Aula und Turnhalle am 7. Januar 2014 feierlich eingeweiht und übergeben.

 

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