Staßfurt l Die Kleingärtner Staßfurts nehmen das Leerstands-Problem in Angriff. In einem Arbeitskreis werden jetzt Ideen entwickelt, aus leerstehenden Parzellen attraktive Flächen entstehen zu lassen.

Insgesamt gibt es im Staßfurter Stadtgebiet 41 Kleingartenanlagen mit 2500 Parzellen. Rund ein Fünftel der Parzellen steht durchschnittlich leer, informiert Eberhard Kanitz, Vorsitzender des Regionalverbandes der Kleingärtner Staßfurt. Genauer sind das 876 von 3295 Parzellen.

"Aber das ist ganz unterschiedlich von Anlage zu Anlage", sagt er. Generell sei der Leerstand in den Dörfern höher als in der Stadt. In Rathmannsdorf sind es sogar 48 von 62 Parzellen, die leer stehen. Das Konzept zur Kleingartenentwicklung, das bereits 2009 beschlossen wurde, sagt aus, dass 2025 50 Prozent der 2009 vorhandenen Parzellen brach liegen werden. "Das trifft auch zu. Fünf Prozent der Pächter fallen pro Jahr weg", sagt Kanitz.

Vor allem die demografische Entwicklung ist hier als Grund zu nennen. "Der Altersdurchschnitt bei den Kleingärtnern liegt bei 65 Jahren in Staßfurt. Und es kommen keine jungen Leute nach. Auf der anderen Seite ist auch das Überangebot an Kleingärten aus DDR-Zeiten schuld", erklärt Kanitz.

Im Zuge des Geschehens um den Autohof Brumby - hier sollen Ausgleichsflächen in der Sparte Förderstedt 1920 geschaffen werden - machte der Regionalverband den Vorschlag, einen Arbeitskreis zu gründen. "Damit können wir solche Vorgänge wie in Brumby und das Leerstands-Problem im Allgemeinen langfristig angehen", sagt Eberhard Kanitz. Im November vergangenen Jahres wurde das Gremium gegründet: Hier sitzen Vertreter des Regionalverbands, die Ortsbürgermeister und der Vorsitzende des Bauausschusses. In diesem Arbeitskreis müssen Konzepte entwickelt werden, wie die einzelnen Kleingartenvereine mit dem Leerstand umgehen können.

Der Arbeitskreis steckt noch in den Kinderschuhen. Zunächst waren einzig der Autohof Brumby und die Sparte Förderstedt 1920 Thema. "Die Problematik Rückbau ist sehr schwierig", sagt Kanitz. Teilweise steht in den Anlagen eine Parzelle leer, während die nächste wieder besetzt ist. "Da kann man schlecht einen Streifen ziehen, den man komplett zurückbauen könnte", meint Kanitz. "Auf der anderen Seite gibt es alte Pachtverträge aus DDR-Zeiten, die das Problem sind", erläutert Kanitz. Normalerweise muss ein Kleingärtner, gibt er seine Sparte ab, das Grundstück selbst komplett zurückbauen. Durch die alten Pachtverträge können die ehemaligen Pächter aber alles unbearbeitet hinterlassen - eine Möglichkeit, die gern genutzt wird. "Aber manch ein Senior hat auch gar nicht die Kraft, den Rückbau selbst zu stemmen", sagt Kanitz.

Oft fällt der Rückbau dann auf den einzelnen Kleingartenverein zurück. "Aber dort fehlen Personal und Finanzmittel, um den Rückbau zu bewältigen. Und die Stadt hat auch kein Geld", erklärt Kanitz.

Wie ein Rückbau konkret umgesetzt werden kann, steht deshalb noch in den Sternen. "Wir loten derzeit aus, wie wir die Pächter, die Vereine und die Stadt beim Thema Rückbau ins Boot holen können, auch rechtlich betrachtet", meint der Vorsitzende des Regionalverbandes. Einige Initiativen gibt es aber: "Mancher Verein hat es sich zum Ziel gemacht, pro Jahr je einen Garten in Eigenarbeit zurückzubauen."

Eine tolle Idee sei es, erzählt Kanitz, die leerstehenden Parzellen zu begrünen und kleine Parks daraus zu machen, den "Kleingartenpark". "Andernorts wird das schon umgesetzt, es sieht toll aus", freut sich Kanitz. So ein Konzept wäre auch ein Gewinn für Staßfurt und die Ortsteile, denn die "Parks" wären öffentlich zugänglich.