Eine Ausstellung zur früheren Staßfurter Brauerei "Niemann" hat der Heimatstube in Groß Börnecke kürzlich an zwei Tagen ein volles Haus beschert. Besucher aus vielen umliegenden Orten gaben sich die Klinke in die Hand.

Groß Börnecke l Bier wurde einst in Staßfurt abgefüllt. Viele Jahrzehnte lang pulsierte das Betriebsleben in der ehemaligen Produktionsstätte in der Förderstedter Straße. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Unternehmen von den Brüdern "Niemann" gegründet. Es überlebte viele Gesellschaftsformen über 100 Jahre. Nach der Wende endete das Geschäft. Einer, der sich daran noch ganz genau erinnern kann, ist Harald Rudolf. Er war von 1972 an als Mitarbeiter dabei. "1991 war dann Schluss", berichtet er, damals die Tore mit zugeschlossen zu haben. Und er meint auch, dass in den letzten Jahren kein Bier mehr in Staßfurt abgefüllt wurde. "Wir haben es aus Schönebeck geholt und verkauft." Die Zeit ist trotzdem in guter Erinnerung geblieben.

"Es war sehr schön (in der Brauerei-Villa) ... zu wohnen."

Die Gedanken lebten kürzlich in der Groß Börnecker Heimatstube auf. Eine Ausstellung, zu der die Organisatoren des kleinen Dorfmuseums vom Kultur- und Heimatverein eingeladen hatten, fand viel Zuspruch. Nicht nur frühere Mitarbeiter wie Harald Rudolf kamen, um die Exponate zu besichtigen.

An zwei Tagen war die kleine Wohnung rappelvoll. Vor allem das Zimmer mit den Niemann-Exponaten zog viele an. Sie bekamen allerhand zu sehen. Blechschilder aus vielen Jahrzehnten als Reklame, zig Biergläser, Bierdeckel, Etiketten fast aller Sorten - vom Bockbier bis hin zur Brause, die ebenfalls abgefüllt wurde, Fotos, Textdokumente, Briefe von Zeitzeugen, eine Zapfanlage, ein Fasseinstieg, ein Bierfass - alles wurde von den Besuchern mit sichtlich viel Freude in Augenschein genommen. Das Gezeigte sorgte für ausreichend Gesprächsstoff.

"Die Staßfurter Brauerei war eine gute Brauerei", kann Peter Schulz aus Staßfurt mit Sicherheit sagen. Vor allem das Maibock-Bier habe sein Vater gern getrunken, denkt er mit einem Schmunzeln an den guten Ruf des Getränks mit der Schaumkrone zurück. Wenngleich in den letzten Jahren vor der Wende auch preiswertere Getränke hergestellt wurden, die nicht so gut schmeckten.

Ausstellung in der Heimatstube im Februar erneut zu sehen

Und die Besucher sprachen nicht nur über die Produkte. Auch die Werkshallen und das Areal samt "Niemann-Villa" -die die Zeiten bis heute überlebt hat - ließen die Vergangenheit wieder aufleben. Jürgen Pohl verbrachte seine Kindheit dort. Als Kind habe er mit seinen Eltern in der Villa zusammen mit weiteren Familien gewohnt. "Eine tolle Zeit", denkt er gern daran zurück. Der angrenzende Park sei das Paradies auf Erden gewesen. "Es war sehr schön dort zu wohnen." Als Jugendlicher arbeitete er im Flaschenkeller und besserte sich sein Taschengeld auf. Davon wurde von ihm zwar kein Bier gekauft. Dafür kam das kühle Blonde aus Staßfurt auch in Groß Börnecke auf den Tisch. Werner Meiners kann sich erinnern, dass Bier aus Staßfurt einst in drei "Kneipen" des Dorfes im Angebot stand. "Es war ein gutes Bier", sagt er.

Die Ausstellung in der Groß Börnecker Heimatstube ist noch einmal zu sehen. Am Sonntag, 2. Februar, öffnet diehistorisch eingerichtete Wohnung, Untere Kirchstraße 1, ab 14 Uhr erneut ihre Tür. Darüber hinaus können Termine für Besichtigungen aber auch unter (03 92 67) 8 12 92 vereinbart werden.

   

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