Eine Frau aus Groß Börnecke ist entrüstet und wütend zugleich. Weil ihr Kater mitten auf der Straße vor ihrer Haustür überfahren wurde, hat sie sich an die Volksstimme gewandt. Ihre Kritik richtet sich an Autofahrer, die im Stadtweg, wie sie sagt, rücksichtslos fahren. Die Polizei ist dem Fall jetzt nachgegangen.

Groß Börnecke l "Rücksichtslose Raserei - Haustiere werden einfach überrollt", lautet der Betreff einer E-Mail mit der sich Christiane Kunze an die Volksstimme gewandt hat. Sie erklärt darin, dass sie eigentlich nicht zu dem Schlag Mensch gehört, der sich über alles und nichts aufregt. In dem aktuellen Fall aber sei das Maß überschritten. Denn ihr Kater wurde morgens mitten auf der Straße überfahren. "Von einem rücksichtslosen oder unglaublich blinden Autofahrer", mutmaßt sie. Und dann beschreibt Christiane Kunze, wo sich das Ganze ereignete: "Ich wohne in Groß Börnecke, Stadtweg", wo innerorts Tempo 50 gilt. Diese innerörtliche Geschwindigkeitsbegrenzung sei jedem Autofahrer bekannt, der die Prüfung bestanden hat, meint sie. Doch der Stadtweg sei lang und gerade. Er verlaufe aufwärts und abwärts. Offensichtlich "fühlen (sich) manche Menschen ...herausgefordert, diese Geschwindigkeitsbegrenzung dermaßen zu überschreiten, dass sie wohl ihren Führerschein abgeben könnten, wenn sie erwischt würden", schildert die Anwohnerin den Grund für ihre Wut.

Polizei hat Kontrollen im Stadtweg durchgeführt

Bei der Polizei in Staßfurt ist der geschilderte Fall bekannt. Vom Ordnungsamt der Stadt Hecklingen erfuhren die Beamten von den vermeidlichen Temposündern im Groß Börnecker Stadtweg. Messungen seien daraufhin dort durchgeführt worden, berichtet der Leiter der Einsatzstelle im Revierkommissariat Staßfurt Matthias Bönisch. Allerdings seien keine Verstöße festgestellt worden, berichtet der Polizist vom Ergebnis, wenngleich er verstehen kann, wenn sich die Tierhalter beschweren. Deshalb will die Polizei die Straße auch künftig weiter im Auge haben. "Wir haben den Fall an die Station in Egeln weitergeleitet, dass weiterhin gelegentlich gemessen wird", so Bönisch. Er bittet um Verständnis, dass die Polizei die Kontrollen künftig nicht ständig durchführen kann. Denn generell sind Beschwerden bei der Polizei wegen Raserei in Wohngebieten nicht selten. Technisch und personell sei es nicht möglich jede einzelne Straße stets am laufenden Band zu kontrollieren.

"Wir haben den Fall an die Station in Egeln weitergeleitet, dass weiterhin gelegentlich gemessen wird."

Vielmehr seien die Ordnungshüter verpflichtet, auf sogenannte Schwerpunkt- stellen aufzupassen, die im Messstellenverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt als solche verzeichnet sind. Schulen, Kindergärten Unfallschwerpunkte an Kreuzungen, nennt Bönisch Beispiele. Und er erklärt auch, dass der Einfluss der Polizisten auf den Tathergang, immer dann, wenn Tiere im Spiel sind, begrenzt ist. "Beispiel Wildunfälle: die lassen sich durch den Menschen oftmals nicht verhindern", so die Erklärung.

Bürgerin hofft jetzt auf Entschuldigung

In Groß Börnecke ist Christiane Kunze derweil weiterhin verärgert. Ihr Unmut rührt auch daher, weil es in der Straße, so schreibt sie, viele Haustiere gibt. "Wobei die Zahl in Grenzen gehalten wird, weil ständig Tiere und somit auch Familienmitglieder einfach überrollt oder mit einem Gewehr beschossen werden", merkt die Verfasserin der Mail an. Niemand könne ihr erzählen, dass er ein Tier, das mitten auf der Straße sitzt, nicht sieht. "Und als wäre das Todfahren noch nicht schlimm genug, kümmert es den Täter nicht einmal, er fährt einfach weiter", bringt die Groß Börneckerin ihre Wut darüber zum Ausdruck.

Sie hätte sich von demjenigen, der ihren Kater auf dem Gewissen hat, den Anstand und die Moral erhofft, herauszufinden, wem das umgekommene Tier gehört. "Ich hoffe ..., dass die Person ... wenigstens den Anstand besitzt, sich zu entschuldigen", schreibt sie.