Nicht nur privaten Hausbesitzern fällt mitunter der Abriss heruntergekommener Gebäude schwer. Auch die Stadt Hecklingen schiebt das Thema vor sich her. Nun drohen Gebäude von selbst einzufallen.

Hecklingen l Nicht alle Gebäude, die seit Jahren der ständigen Erosion ausgesetzt sind, gehören Privatleuten. Im Gegenteil: Die offenbar schlimmsten Bauruinen in der Stadt besitzt die Kommune. Jahrelang hat die Stadt das Thema auf die berühmte lange Bank geschoben. Nun muss die Kommune aber handeln, sagte die zuständige bau- und Ordnungsamtsleiterin Sigrid Bleile am Dienstagabend.

In der Kurzen Straße besitzt die Kommune mehrere Gebäude. Vor zehn Jahren sollte eines der Häuser verkauft werden, erinnerte die Amtsleiterin. Aus dem Geschäft sei schließlich nichts geworden. Offenbar schreckten den Investor die Kosten bei unter Denkmalschutz stehenden Gebäude. In den folgenden Jahren gerieten das Haus sowie die Nachbargebäude, die ebenfalls der Stadt gehören, in Vergessenheit, räumte sie ein.

Die Erosion arbeitete sich in den vergangenen zehn Jahren weiter an den Gebäuden ab. Nun steht die Natur offenbar kurz vor einem Sieg über die vom Menschen geschaffene Konstruktion. Denn das Gebäude oder besser, was davon noch übrig ist, steht vor dem Zusammenbruch, schilderte die Amtsleiterin. Die Decken in den Gebäuden seien alle schon der Schwerkraft zum Opfer gefallen und auf den Boden gestürzt, schilderte sie. Die Stadt wolle einen Statiker mit der Prüfung beauftragen, sagte sie weiter. Denn es drohe der komplette Zusammenbruch. Problematisch ist daran, dass ein Hausgiebel dabei auf die Straße zu stürzen drohe.

Ohne Genehmigung könne die Stadt den alten Kasten aber nicht abreißen, fuhr sie fort. Die Kommune müsse erst einen Antrag bei der Denkmalbehörde des Landkreises stellen.

Die Kosten seien noch nicht bekannt. Dennoch rechne sie mit Aufwendungen von rund 20 000 Euro. Ein genaueres Ergebnis werde aber erst die Ausschreibung zeigen, erklärte sie. In den kommenden Jahren dürften auf die Kleinstadt noch mehr Abrisskosten kommen. Denn noch einige kommunale Gebäude verfallen langsam vor sich hin. Auch das ehemalige Schützenhaus in Hecklingen ist inzwischen zur Ruine geworden. Ohne Umzäunung oder Sicherung ist das ehemalige Schützenhaus heute vor allem ein Abenteuerspielplatz für Kinder. Ein halb eingestürztes Dach senkt sich bedrohlich zum Boden.

Nicht einmal Warnschilder hat der kommunale Wohnungsvermieter, die die Immobilie in seinem Bestand hab, aufgestellt. Gegen den Totalabriss des halb eingefallenen Gebäudes hat sich bislang erfolgreich die Stadt ausgesprochen. Wegen der knappen Finanzen in dem Wohnungsunternehmen solle das wenige Geld nicht noch für einen Abriss ausgegeben werden, bestätigte Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche (CDU) auf Nachfrage der Volksstimme.

Erst nach 2015, wenn ein Kredit der stadteigenen Gesellschaft abbezahlt sei, könne über einen Abriss nachgedacht werden. Fragt sich nur, ob das Gebäude solange der Witterung noch standhält. Wäre das Gebäude in Privathand, hätte die öffentliche Verwaltung wahrscheinlich schon früher reagiert und den Eigentümer zur Sicherung der Immobilie aufgefordert. Warum das bislang beim stadteigenen Unternehmen ausgeblieben ist, bleibt fraglich. Sie wolle mit dem Chef darüber sprechen, sagte die zuständige Ordnungsamtsleiterin Sigrid Bleile. Vielleicht muss die Stadt hier auch früher handeln, als zunächst geplant.