Künftige Generationen profitieren von "grünem" Strom aus erneuerbaren Energien. Davon ist Bernd Panzer, Geschäftsführer der Firma Lorica, überzeugt. Mit neun Windkraftanlagen legt er deshalb selbst vor.

Biere l Ein namhafter Energiekonzern wirbt momentan mit dem Spruch: "Sind wir Deutschen eigentlich verrückt geworden? Wir wollen das erste Land sein, dass komplett auf erneuerbare Energien setzt." Für Bernd Panzer, Geschäftsführer der Firma Lorica in Biere ist die Antwort ganz einfach. "Es wäre verrückt, das nicht zu machen", sagt er. Neun Windräder gehören dem Familienunternehmen allein in Biere. Damit könnte er nicht nur die Gemeinde Bördeland, sondern auch Calbe und Barby mit Strom versorgen. Insgesamt 27 Megawattstunden am Tag - das ist zumindest rein theoretisch - möglich.

Denn eine Windkraftanlage ist vor allem auf eines angewiesen und zwar den Wind. "Das ist ein rein rechnerischer Wert, eine Vorratsspeicherung ist noch nicht möglich", sagt Bernd Panzer. Damit spricht er zugleich eines der größten Probleme der erneuerbaren Energien an. Sie können die Grundlast, also zum Beispiel den ständigen Betrieb des Kühlschrankes, nicht liefern. Langfristig sieht der 45-Jährige den Ausbau der erneuerbaren Energien, zu denen die Windenergie gehört, auf dem Vormarsch. "Die Frage ist, wer langfristig zu marktgerechten Preisen produzieren kann, und das sind die erneuerbaren Energien", sagt er.

Dabei würde die so genannte Energiewende zunächst erst einmal Geld kosten und zwar nicht nur die Investoren wie Firma Lorica, sondern auch die Bundesrepublik Deutschland für den Umbau der Infrastruktur. Die Anlagen in Biere sind 34 Millionen Euro wert. Insgesamt stehen in Deutschland 24 Lorica-Windkraftanlagen für 85 Millionen Euro. "In Deutschland gibt es nur sehr wenige Firmen, die ihre Anlagen auch behalten", sagt der Geschäftsführer. Für viele wäre die Investition nur eine weitere Möglichkeit, ihr Geld sinnvoll anzulegen.

Nicht so für das Familienunternehmen Lorica, das von Panzers Vater gegründet wurde. Es sieht sich auch in der sozialen und ökologischen Verantwortung. So wuchsen 2009 nicht nur die Windräder in den Bierer Himmel, auch der Unternehmenssitz wurde in die Gemeinde Bördeland verlegt. "Wir zahlen hier also auch Gewerbesteuer", sagt Bernd Panzer. Nach der Investition hätten die neun Anlagen schon 2012 das erste Mal einen buchhalterischen Gewinn erwirtschaftet. Wie hoch der ist, das will der 45-Jährige nicht verraten. "Über Geld sprechen Hanseaten nicht", so das gebürtige Nordlicht aus Winnemark in Schlewsig-Holstein.

Wohl aber verrät er gern, dass er Standort Biere drei Mitarbeiter beschäftigt. Dazu gehört auch ein Ornithologe, der sich mit dem Artenschutz beschäftigt. "Zu den Spielregeln in unserer Branche gehört es, dass wir für den Eingriff in die Natur, den wir vornehmen, auch einen Ausgleich schaffen", sagt Bernd Panzer. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde entstanden deshalb in Biere Renaturisierungsmaßnahmen rund um die Windkraftanlagen.

Außerdem gründete Lorica einen Förderverein, der nahezu ausschließlich den Vereinen und sozialen Einrichtungen in Biere zugutekommt. "Das machen wir allerdings völlig freiwillig, während die ökologischen Maßnahmen eine Vorgabe des Bundes sind", so Bernd Panzer. Die Kirche in Biere, aber auch der Park konnten so vom Unternehmenssitz der Firma Lorica bereits profitieren. "Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen der Menschen hier, und das ist eigentlich das Wichtigste", sagt der Geschäftsführer.

Mit diesem ganzheitlichen Konzept will Lorica in die Zukunft gehen. Zu den deutschlandweit neun Mitarbeitern sollen weitere hinzukommen. Außerdem will Bernd Panzer weitere Windkraftanlagen in Deutschland aufstellen, was in der Umsetzung nicht immer einfach ist. "Der Planungsaufwand ist immer enorm", sagt er. So umfasste allein der Antrag an das Landesverwaltungsamt in Halle für die Windkraftanlagen in Biere 25000 Seiten. Davon lassen er und seine Mitarbeiter sich nicht abschrecken. Sie haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Der Weg soll in den kommenden fünf Jahren vom Energieproduzenten zum Energielieferanten führen. Dann wäre Lorica in der Lage den Strom der Windkraftanlagen nicht nur direkt ins Netz der Eon Avacon einzuspeisen, sondern auch selbst an die Endkunden oder die Strombörse zu verkaufen.