Für ein Pilotprojekt im Salzlandkreises fiel gestern der offizielle Startschuss. Im Mathematikunterricht des Stephaneums Aschersleben, des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums Schönebeck und des Dr.-Frank-Gymnasiums Staßfurt kommen computergestützte Taschenrechner zum Einsatz.

Staßfurt l Während Schüler anderer Bundesländer die Technologie bereits in naturwissenschaftlichen Fächern und sogar bei der Abiturprüfung verwenden, hinken die Schulen in Sachsen-Anhalt noch hinterher. So kam Gunnar Schellenberger (CDU) als Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag und einst Mathematiklehrer in Schönebeck auf die Idee, den technischen Fortschritt auch im Salzlandkreis umzusetzen.

"Daher beginnen wir jetzt mit dem Pilotprojekt im Salzlandkreis, das Vorbildfunktion für ganz Sachsen-Anhalt haben soll", sagt Schellenberger. Genauer geht es um die Verwendung von Computerprogrammen im Mathematikunterricht. Der Oberbegriff lautet "Computeralgebrasysteme" (CAS). Schüler können mit diesen Programmen Integralrechungen, Exponentialfunktionen oder Kurven berechnen. In der Geometrie können die Programme Koordinaten und Räume darstellen, in der Stochastik Statistiken erstellen und auf Knopfdruck auswerten - das sind nur einige Beispiele.

Dies ist möglich auf Mini-Computern wie iPads oder auf Laptops und PCs. Oder eben auf modernen Taschenrechnern, die aussehen wie eine Mischung aus Taschenrechner und Mini-Computer (siehe Foto). "Damit es einfacher ist und wir für alle Schüler dasselbe Gerät anbieten können, haben wir die Firma Texas Instruments gefunden, die uns die Geräte sponserte", erklärt Schellenberger.

Texas Instruments, ursprünglich aus Dallas in Texas und mit deutschem Sitz in Freising, hat für die drei Schulen je 150 der Geräte für die Schüler und je fünf für die Lehrer geliefert.

Schüler und Lehrer sind bereits fleißig am Arbeiten mit der Technik. "In zwei von drei 10. Klassen arbeiten wir im Mathematikunterricht bereits mit den Geräten", erklärt Steffen Schmidt, Schulleiter des Dr.-Frank-Gymnasiums. Denn die Taschenrechner wurden schon im vergangenen Jahr an die drei Schulen übergeben. Das Projekt nahm schon im Januar 2013 seinen Lauf, als das Thema erstmalig im Landtag besprochen wurde. Es folgten Schulungen für Lehrer und Schüler. Weitere Fortbildungen stehen an. "Im Landeshaushalt sind 50000 Euro enthalten, um das Projekt zu fördern. Das Geld ist für Referenten oder Reisen der Lehrer zu Schulungen geplant", sagt Schellenberger.

Derzeit werden die Lehrpläne für die Schulen Sachsen-Anhalts überarbeitet, berichtet der Landtagsabgeordnete weiter. Wann der "Supertaschenrechner" Pflicht im Unterricht oder gar in der Abiturprüfung wird, ist jetzt noch unklar.

Das Pilotprojekt im Salzlandkreis hat eine dreijährige Laufzeit. Zunächst betrifft es nur die Sekundarstufen II der Gymnasien, an Sekundarschulen wird das Modellvorhaben nicht getestet. Die drei Schulleiter zeigten sich natürlich geehrt, bei einem Vorzeigeprojekt für ganz Sachsen-Anhalt mitzuwirken.

Ungeklärt ist noch die Frage, wie - ist das Pilotprojekt abgelaufen - die technische Umrüstung im ganzen Bundesland umgesetzt werden soll. Inwieweit dessen Finanzierung zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und den Landkreisen schon erörtert wurde, wusste auch Willi Lichtenberg vom Kultusministerium, der zur gestrigen Vertragsunterzeichnung in Staßfurt war, nicht zu beantworten.