Kein Geld für Bastelmaterialien? Diese Frage stellte die Volksstimme jüngst zur Diskussion. Während Eltern für ein Projekt in der Kita Löderburg Spendengelder sammeln wollen, zeigt sich nun, das die Stadt dieses Projekt finanziell absichern muss.

Löderburg l Strahlende Augen gab es bei den Eltern des Fördervereins der Kita und Grundschule Löderburg. "Das ist unser erstes Projekt", sagte Mitglied Daniela Linge stolz gegenüber Volksstimme. Einen Flyer und eine Projektbeschreibung hatten die Eltern schon vorbereitet. Sie wollten das Projekt "Spielzeugfreie Zeit" unter ihre Obhut nehmen, sich um Materialien kümmern und das Kita-Team unterstützen.

Denn: Bei einer Besprechung mit der Stadtverwaltung Staßfurt, die Träger dieser Einrichtung ist, hörten die Eltern heraus: Es gibt kein Geld für das Projekt, also für Kleber, Papier, Farben und so weiter. Ziel der "Spielzeugfreien Zeit" ist es, dass Kinder selbst Spielzeug basteln, das sonstige Spielzeug aber "in den Urlaub schicken".

Sogar das Wort "Haushaltssperre" geisterte nach der Besprechung durch den Raum. Im Volksstimme-Artikel "Für Bastelmaterial in Kitas kein Geld?" (Sonnabend, 25. Januar) erklärte Oberbürgermeister René Zok, dass es keine Haushaltssperre gibt, sondern eine vorläufige Haushaltsführung: Alles was für den Kita-Betrieb notwendig ist, werde angeschafft. Investitionen können aber nicht getätigt werden. Der zuständige Fachdienst meinte: Das Projekt "Spielzeugfreie Zeit" ist ein zusätzliches Projekt, das zum Betrieb der Kita nicht notwendig sei. Zok lobte die Eltern für ihr Engagement, der Kita unter die Arme zu greifen.

Da schrillten bei Ralf-Peter Schmidt (Linke), Vorsitzender des Staßfurter Sozialausschusses, und seinen Fraktionskollegen die Alarmglocken: "Das ist kein zusätzliches Projekt", erklärte er. Es sei zwar toll, wenn sich Eltern so engagieren, aber "in der Kita Löderburg ist die ¿Spielzeugfreie Zeit\' seit Jahren fester pädagogischer Bestandteil der inhaltlichen Arbeit, und somit überhaupt nicht als zusätzlich zu bezeichnen", sagte Schmidt. Das Bildungsprogramm "Bildung elementar - Bildung von Anfang an" sieht genau solche Projekte vor. Die ¿Spielzeugfreie Zeit\' gehört damit zum Bildungsauftrag der Kita und ist Pflichtaufgabe der Stadt. Diese ist sogar verpflichtet, Mittel für das Projekt zur Verfügung zu stellen, ebenso wie für alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs in der Kita, argumentierte Schmidt.

"Es ist schon erstaunlich und entbehrt jeder gesetzlichen Grundlage, was im Staßfurter Rathaus zur Haushaltskürzung für Register gezogen werden. Doch eine Benachteiligung der Kinder in den Kitas kann nicht zugelassen werden", wandte sich Schmidt an die Verwaltung und forderte die Finanzierung des Projekts durch die Stadt ein.

Von dort kam dann auch eine Antwort: Nach Rücksprache mit dem Fachdienst und der Kita-Leitung kam die Verwaltung zu dem gleichen Schluss wie Ralf-Peter Schmidt, nämlich "dass es sich bei der ¿Spielzeugfreien Zeit\' nicht um ein Projekt des Fördervereins, sondern um einen festen Bestandteil des pädagogischen Konzeptes handelt. Dafür werden Haushaltsmittel in Höhe von zirka 200 Euro benötigt".

Da das Projekt bereits am Montag beginnen soll, habe die Verwaltung entschieden, "dass die Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt und das Projekt durchgeführt werden kann", heißt es in dem Schreiben des Rathauses.

Die Kinder werden sich freuen. Immerhin war die "Spielzeugfreie Zeit" ein Vorzeigeprojekt für Sachsen-Anhalt, wurde 2010 sogar vom Sozialministerium ausgezeichnet. Der Förderverein der Kita und Grundschule Löderburg muss jetzt zwar keine Spendengelder für Kleber und Papier sammeln, kann sich jetzt aber seiner eigentlichen Aufgabe widmen, nämlich zusätzliche Angebote in den Einrichtungen durchzuführen.