Giersleben l Darf der Bürgermeister der Gemeinde Giersleben, Peter Rietsch (Freie Bürger), vor dem Gemeindebüro einen Briefkasten anbringen oder nicht? Um diese Frage drehte sich die Gemeinderatssitzung am Freitagabend.

Dort informierte Rietsch, dass er dem Auftrag des Verbandsgemeinde-Bürgermeisters, Ingo Kleinwächter, an die Deutsche Post AG, alle an die Gemeinde Giersleben gerichteten Brief- und Postsendungen bis auf diejenigen, die Geld kosten, automatisch an die Verbandsgemeinde in Güsten umzuleiten, widersprochen habe.

"Wir sind eine eigenständige Gemeinde. Die anderen Mitgliedsgemeinden der Verbandsgemeinde verfügen ebenfalls über eigene Briefkästen", sagte Rietsch, der sich darüber ärgerte, dass Kleinwächter die Gierslebener Kommunalpolitiker im Vorfeld nicht über seine Entscheidung informiert hatte. Es wäre besser, wenn die Verwaltung ihre Aktivitäten dahin lenken würde, um zu einer finanziellen Entlastung zu kommen, sagte Rietsch in Richtung Kleinwächter. Letzterer war Ende Oktober 2013 von der Kommunalaufsicht eingesetzt worden. Rietschs Argumente pro Kasten ließ er nicht gelten. "Giersleben ist eine Mitgliedsgemeinde der Verbandsgemeinde Saale-Wipper und hat demzufolge keine eigene Verwaltung und keine eigene Postanschrift", betonte Kleinwächter. Dadurch, dass es einer Windkraftfirma nicht möglich gewesen sei, der Gemeinde Post zuzustellen, bekomme Giersleben seit Januar keine Einspeisevergütung mehr. Kleinwächter: "Dadurch ist ein finanzieller Nachteil für die Gemeinde entstanden."

Das eine Zustellung von Post- und Briefsendungen an die Kommune nicht möglich sein soll, höre er zum ersten Mal, äußerte sich Rietsch erstaunt. Das hätte ihm Kleinwächter, mit dem er sich jede Woche treffe, schon längst mitteilen können. Deshalb forderte der Bürgermeister den Beauftragten der Kommunalaufsicht auf, endlich "mit offenem Visier, sauber und klar" zu arbeiten und die Ungleichbehandlung Gierslebens gegenüber den anderen Mitgliedskommunen zu unterlassen.

Rückendeckung erhielt Rietsch an diesem Abend aus dem Gemeinderat. Bis jetzt, so merkte Beate Packhäuser an, habe sich durch den Einsatz von Kleinwächter überhaupt nichts geändert. Das sei noch genauso wie beim Verbandsgemeinde-Bürgermeister Steffen Globig, der mit seinen Aufgaben überfordert war und deshalb durch Kleinwächter unterstützt werden sollte.

Heidemarie Brähmer warf Kleinwächter vor, dass der Briefkasten mit der Aufschrift "Verbandsgemeinde", den er am Gemeindebüro in Giersleben angebracht hatte, über einen so großen Schlitz verfügte, dass man die darin befindliche Post jederzeit stehlen konnte. "Und das ist dort auch passiert", so die Gemeinderätin. Aus diesem Grund hatte Rietsch diesen Kasten entfernen lassen.