Wieder hat Eberhard Bethge für die Volksstimme kräftig in der Geschichte des Ortes Unseburg gekramt, der in diesem Jahr 1075 Jahre alt wird. Gefunden hat er alte Aufnahmen von der Tanzbude. Sie ist eine Art Schwester der kürzlich in der Volksstimme beschriebenen Ausflugsgaststätte im Gänsefurther Busch.

Unseburg l Die in der Volksstimme beschriebene Ausflugsgaststätte im Gänsefurter Busch (Stadt Hecklingen) hatte in Unseburg eine kleine Schwester.

Wenn es auch offiziell Tanzzelt hieß, war es doch für die Unseburger und für die Leute der Nachbardörfer "die Tanzbude". Die Tanzbude war eben nur eine aus Brettern zusammen gebaute Bude, ohne einen Mauerstein, auch nicht in der Verankerung. Die Tanzbude stand am Eingang zum "Großen Holz" in Unseburg und war nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder leichten Pferdegespannen wie einer Kutsche zu erreichen.

"Wann sie genau gebaut wurde ist mir nicht bekannt. Sie ist aber der Nachfolger der in den 1920er Jahren abgerissenen Landwehrbude, die auf der Wiese neben der Grabengassenbrücke gestanden hat", schreibt Eberhard Bethge, der sich ehrenamtlich auch in der Unseburger Heimatstube engagiert.

Sonntags und feiertags bei schönem Wetter gingen die Unseburger spazieren - mit dem Ziel Tanzbude. Am Tage war Ausschank von Brause und Bier, und manchmal war auch ein Eiswagen da. An den Wochenenden, bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, waren die allseits begehrten Tanzveranstaltungen dort.

Betreiber der Tanzbude war immer der Wirt, der den "Schwarzen Adler" in Unseburg bewirtschaftete. "In den letzten Kriegsjahren wurde die Tanzbude sogar zweckentfremdet und als Materialreservelager genutzt. Unter anderem wurden dort zum Beispiel Schweißelektroden gelagert", weiß Eberhard Bethge.

Nach dem Krieg erlebte die Bude nochmal einen kulturellen Aufschwung. Die Leute hatten alle nichts, und da wurde in der Not die Geselligkeit zum Vergnügen. Zu den abendlichen Tanzveranstaltungen kamen die Musiker mit dem Fahrrad von Egeln nach Unseburg. Elektrische Verstärkeranlagen gab es auch nicht, die Pauke haute auch so durch. Das Bier wurde vom Wirt mit dem Handwagen zum Holze gebracht. Und wenn jemand einmal das stille Örtchen aufsuchen musste? "Die Bude stand im Wald. Obwohl es keine sanitären Anlagen gab und die Biergläser nicht in Edelstahlspülbecken gereinigt wurden, haben die Besucher gemütliche und unvergessliche Stunden erlebt", schildert der Unseburger weiter.

In den 1960er Jahren ist die Bude dann abgerissen worden. "Heute würde man sagen: rückgebaut. Egal, weg ist weg. Und es gibt nur noch wenige, die sich an die Tanzbude erinnern können", erinnert Bethge an diesen Teil der Unseburger Geschichte.