Die jungen Burschen waren jedes Wochenende unterwegs. Mit selbstgebauten Verstärkern und mit Gummistiefeln im Autos zog es sie auf die Bühnen der großen Säle der Region. Damals war in der Musikszene richtig was los.

Staßfurt l Eine aufregende Zeit war das damals für die Musiker aus der Region. Verstärker oder Instrumente bastelten sie selbst: "Das wichtigste Instrument eines Musikern war der Lötkolben", heißt es. "Wir waren jedes Wochenende unterwegs, ob auf Tanzveranstaltungen oder privaten Feiern. Die Säle in Förderstedt oder Atzendorf waren immer voll, selbst auf dem kleinsten Dorf war etwas los", erzählt Karl-Heinz Stohge, der bei der Band "Pax" (1978 bis 1980) Rockmusik spielte. Wie er strahlt auch Ernst Ockert, der bei der Band "Zenit" (1978 bis 1989) war, wenn er von der alten Zeit spricht. "Wenn man 100 Kilometer fährt und dann der Schlagzeuger seine Stöcke zuhause liegen lassen hat - das sind Anekdoten, die man nicht vergisst", erzählt Ernst Ockert einen Schwank. Karl-Heinz Stohge saß mit seinen Bandkollegen auch mal in Gummistiefeln im Auto, unterwegs zum nächsten Konzert, weil Regenwasser durch das Dach des alten Wagens lief.

So war das Leben damals in der DDR: Die Musiker hatten nicht viel, aber sie machten etwas daraus. Neben der Arbeit fuhren sie volle Tourpläne ab, arbeiteten Kredite für die Band ab, bauten die Technik selbst zusammen. Und wenn sie die englischen Radio-Hits nicht verstanden, sangen sie sie trotzdem beim Konzert - nachdem sie sich die unverständlichen Worte in Lautschrift aufgeschrieben hatten.

Jetzt - nach vielen, vielen Jahren - wollen unzählige Musiker neben Karl-Heinz Stohge und Ernst Ockert ihre Erlebnisse aus den wilden Zeiten mit anderen teilen, mit einer Ausstellung im Staßfurter Museum. Nach einem Aufruf haben sich etliche ehemalige oder noch aktive Musiker angesprochen gefühlt und auf dem eigenen Dachboden nach Erinnerungsstücken gekramt. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit stehen sie nun kurz vor der Eröffnung ihrer Ausstellung.

"Schön, dass wir eine Gemeinschaft der Musiker in Staßfurt schaffen konnten", schwärmt Karl-Heinz Stohge. Insgesamt 32 Formationen - Duos, Trios, Bands, Orchester oder Combos - aus der Zeit 1950 bis 2000 beteiligen sich an der Ausstellung. Zum Beispiel: "Opus 69", "Magneten", "Säkular", "Fabrik", "Karpe-Trio" "Advokaten", "Vize" oder der Fanfarenzug Förderstedt.

Das Museum wird sich in einen Tempel der Musik verwandeln: Schallplatten mit Aufnahmen aus Staßfurt, eine Spielerlaubnis, alte Konzertplakate, eine Diskothekerliste, unzählige Instrumente, Info-Tafeln, Schweinwerfer, historische Fotos. Eine Bühne mit selbst gebasteltem Verstärker, Gitarre Co. darf angefasst werden. Jede Band hat eine eigene Mappe erstellt. Sogar persönliche Gegenstände der Band "Karat" stehen zur Schau.

Torsten Sielmon hatte die Idee zur Ausstellung, die bereits in ähnlicher Form in Bernburg und Schönebeck stattfand. Parallel dazu gibt es eine Webseite, www.damuk.de, die regionale Musikgeschichte archiviert.

Die Ausstellung "Ein Leben mit der Musik. Geschichten und Erinnerungen der Staßfurter Musiker" wird am Sonntag 9. März, 10.30 Uhr, mit den Musikern eröffnet. 14 Uhr spielen die "Roots" Hits von damals.

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