Taschendiebe haben auf Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln leichtes Spiel. Die Bundespolizei ist hier regelmäßig unterwegs und führt Aufklärungskampagnen durch. Die Volksstimme begleitete die Polizisten in Staßfurt und Güsten.

Staßfurt/Güsten l Um Reisende über die Gefahren am Bahnhof und im Zug zu informieren, machten sich Polizeioberkommisar Gerald Lutze vom Revierkommissariat Staßfurt und Polizeihauptmeister Ingo Kühl von der der Bundespolizeiinspektion Magdeburg auf den Weg. Mit von der Partie war auch Justin Kalberlah von der Christlichen Sekundarschule Großmühlingen, derzeit Praktikant im Revierkommissariat.

Ingo Kühl erklärt eine typische Masche von Dieben: Beim Einsteigen in den Zug bleibt ein Täter plötzlich in der Tür stehen, hält das Opfer auf und eine Komplize greift in die Tasche. Er gibt die Beute an einen weiteren Komplizen weiter, der schnell mit dem Diebesgut verschwindet.

"Die Statistik zeigt: Im Jahr 2012 gab es in Deutschland 117277 Taschendiebstähle, wobei ein Schaden in Höhe von 32,3 Millionen Euro entstand. Die Aufklärungsquote lag bei 5,3 Prozent, ist hier also extrem gering", so Polizeihauptmeister Ingo Kühl.

Zahlen zu Staßfurt und Güsten liegen nicht vor.

Noch ein wichtiges Thema für die Polizisten: Bürger versuchen immer wieder, Sicherheitssysteme wie Bahnschranken auszutricksen. In den vergangenen Monaten kam es im Bereich der Bundespolizeiinspektion Magdeburg wiederholt zu schweren Unfällen im Kreuzungsbereich zwischen Schiene und Straße, erklärte Ingo Kühl. Zum Beispiel jüngst in Quedlinburg, als eine Autofahrerin gegen geschlossene Schranken fuhr.

"Schon bei vier Unfällen an Bahnübergängen ist ein Toter zu beklagen."

Die Polizei führt hier in unregelmäßigen Abständen Kontrollen durch. Auch Ingo Kühl und Gerald Lutze nutzen den Tag, um in der Bernburger Straße und in der Thomas-Müntzer-Siedlung sowie am Bahnhof Güsten zu kontrollieren. "Schon bei vier Unfällen an Bahnübergängen ist ein Toter zu beklagen. Dabei werden 98 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen durch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung, aber nur zwei Prozent durch menschliches Versagen oder Versagen der Technik verursacht", sagt Ingo Kühl.

Im Zug zwischen Staßfurt und Güsten nutzte Kühl die Gelegenheit, mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen. Drei Güstener Damen kritisierten den erbärmlichen Zustand des Güstener Bahnhofs: Sie hätten sich nicht einmal zum Fahrkartenautomaten getraut, da dort blutverschmierte Taschentücher auf dem Boden lagen und da das Gerät selbst ziemlich verschmutzt aussah. Auch der Zustand der Unterführung schrecke so ab, dass die Damen ihn lieber nicht nutzen wollen, sagten sie.

Ingo Kühl musste betonen: Fußgänger sollten niemals den Weg über den Bahnsteig nehmen. Die Gefahr eines herannahenden Zuges ist einfach zu groß.

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