Am 26. März begehen Schüler und Lehrer mit Vertretern der Stadt wieder eine Stolperstein-Verlegung. Dieses Mal für die Widerstandskämpfer Gustav Langstädtler und Richard Lohdau sowie das Euthanasieopfer Manfred Meyer. Heute stellen wir das Schicksal von Gustav Langstädtler vor. Schüler und Lehrer der Tierpark-Schule haben es recherchiert.

Staßfurt l Am 20. November 1902 erblickte der Arbeitersohn Gustav Langstädtler in Staßfurt das Licht der Welt. Er erlernte den Beruf eines Sattlers und wirkte aktiv in der Roten Sportbewegung mit. Schon als 18-Jähriger trat er in den gerade gegründeten Kommunistischen Jugendverband ein, war im Rotfrontkämpferbund organisiert und wurde - wie schon zuvor sein Vater und seine zwei Brüder - 1923 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

In diesem kämpferisch geprägten Umfeld reiften seine politischen Überzeugungen heran, er wurde ein standhafter Aktivist im Kampf gegen die Naziwillkür. Obwohl den Akten nichts Konkretes über den Kampf Gustav Langstädtlers in den 1920er und 1930er Jahren zu entnehmen ist, charakterisierten ihn einige Mitstreiter als unbeugsamen und furchtlosen Genossen.

Helene Wallstab, Ehefrau des prominenten Kommunisten Willi Wallstab, erkannte an, dass er "seine Gesinnung nie geändert hatte". Der Staßfurter KPD-Funktionär Willi Stein beschrieb ihn als "unermüdlichen Agitator für die Partei und den Sozialismus", der sich "nie mit den Nazis abgefunden" hatte.

So können wir davon ausgehen, dass sich Gustav Langstädtler an einer Vielzahl von lebensgefährlichen Aktionen beteiligte, die im kommunistischen Untergrund in Staßfurt stattfanden - wie zum Beispiel der Organisation heimlicher Versammlungen oder dem Drucken und Verteilen von Zeitungen, Aufrufen und Flugblättern.

Am 6. August 1932 heiratete Gustav Langstädtler seine Freundin Hilda, die schon deutlicher beschrieb, welche Schattenseiten das Leben eines Opponenten zur Zeit der Nazidiktatur hatte. Sie berichtete, dass ihr Mann seine Arbeit verlor und vielerlei politischen Schikanen ausgesetzt war: Er musste sich zweimal täglich bei der Polizei melden und Hausdurchsuchungen, kurze Verhaftungen und Misshandlungen gehörten zum Alltag der jungen Familie.

Nach diesen Schilderungen kann man sich vorstellen, welche unvorstellbare Belastung für einen politisch Andersdenkenden die schleichende Rechtsentwicklung in der Weimarer Republik, die Machtergreifung der Nationalsozialisten, das zähe Ringen um die Einheitsfront aller Hitlergegner unter den Bedingungen tiefster Illegalität darstellte. Mit welcher Wucht muss ihm der immer bedrohlicher werdende Naziterror wie die Ermordung Hermann Kastens, die Überfälle auf die Egelner oder Hecklinger KPD-Ortsgruppen durch die SA, die folgenden Schauprozesse mit der Verhängung von Todesurteilen zugesetzt haben?

Nach dem Kriegsausbruch am 1. September 1939 wurde die Jagd auf Widerstandskämpfer noch intensiver und durch Massenverhaftungen wurde versucht, viele Kontakte der im Untergrund wirkenden KPD in Magdeburg-Anhalt zu zerstören. Als sich Gustav Langstädtler am 27. September 1939 wieder einmal bei der Polizei vorstellen musste, ahnte er da, dass er nur noch ein halbes Jahr zu leben hatte?

Er wurde an diesem Tag unvermittelt in "Schutzhaft" genommen und mehrere Wochen im Magdeburger Untersuchungsgefängnis festgehalten. Doch auch unter diesen unmenschlichen Bedingungen konnte sein Kampfgeist nicht gebrochen werden. Isoliert von den Genossen und der Gesellschaft, kämpfte er offensichtlich auch im Kerker der Nazis weiter für seinen Traum von einer gerechten und lebenswerten Zukunft.

Laut seiner Frau wurde er "durch Verrat von Zellengenossen, mit denen er diskutierte, als unverbesserlich" eingestuft und am 5. März 1940 in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Anfang April wurde ihr die Sterbeurkunde ihres Mannes zugeschickt, die aus dem KZ Dachau stammte und auf den 22. März 1940, 12.45 Uhr datiert war. Ebenso jäh wie routiniert endete damit das Leben eines mutigen Widerstandskämpfers, der seine politischen Ideale über den persönlichen Anspruch auf ein glückliches, erfülltes Leben stellte.

* Regina Vahldieck ist Leiterin der Stolperstein-AG der Sekundarschule Am Tierpark. Zusammen mit dem Dr.-Frank-Gymnasium, der Kasten-Schule und der Stadt laden Schüler und Lehrer am 26. März zur Verlegung neuer Stolpersteine ein. Zeitplan: 15.15 Uhr: Richard Lohdau, An der Bode 1; 16 Uhr: Manfred Meyer, Concordiastraße 13; 16.45 Uhr: Gustav Langstädtler, Ackerstraße 41.