"Was ist geworden aus...?" Diese Frage greift die Staßfurter Volksstimme in einer neuen Serie auf. Es geht um Menschen, Projekte, Vorhaben, aber auch Wünsche, die die Bürger umtreiben. Heute berichten wir über einen lang gehegten Wunsch der Förderstedter: Ein Radweg auf der Landstraße zwischen Förderstedt und Staßfurt.

Förderstedt l Wenn man sich etwas nur lange genug wünscht und fest daran glaubt, wird es auch etwas. Das meinen einige Menschen. Wenn man aber den Radweg zwischen Förderstedt und Staßfurt betrachtet, geht der Optimismus langsam zur Neige. 2007 war ein erster Ruf nach dem Radweg zu vernehmen, damals vom Staßfurter Bürgermeister Martin Kriesel und vom Förderstedter Bürgermeister Bodo Messerschmidt. Es folgten immer wieder Diskussionen in der Kommunalpolitik, Proteste und Anrufe genervter Leser bei der Volksstimme, die berichteten, nur knapp dem Zusammenstoß mit dem Schwerlastverkehr entkommen zu sein. Am Fahrbahnrand der Landstraße 72 ist nämlich gar kein Platz. Autofahrer müssen gefährliche Überholmanöver riskieren, um an den Radfahrern vorbeizukommen.

Viele Radfahrer sind aber nicht zu sehen auf der Landesstraße. "Es ist lebensgefährlich, dort langzufahren", sagt Gerhard Schnock noch heute. Er und einige seiner Radfahrerfreunde aus Förderstedt hatten sich 2008 zusammengefunden, um für einen Radweg zu protestieren. "Angefangen hatte es damit, dass ich anfing zu recherchieren, welche Priorität der Radweg für das Land hat", sagt Schnock.

Seit damals und bis heute hat der Radweg die höchste Dringlichkeitsstufe. Peter Mennicke, Pressereferent des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt informiert: "Die Realisierung von Radwegen erfolgt auf der Grundlage des im Jahr 2010 beschlossenen Landesradverkehrsplans (LRVP) und der dort vorgenommenen Einstufungen für Radwege an Bundes- und Landesstraßen. Der straßenbegleitende Radweg entlang der L 72 zwischen Staßfurt und Förderstedt ist darin mit einer Länge von zirka 2,15 km in der höchsten Dringlichkeitskategorie (DK) I enthalten."

"Natürlich sind dort wenige Radfahrer. Es traut sich kaum jemand, dort lang zu fahren."

Gleichzeitig hatte das Ministerium bereits für 2010 eine Verkehrszählung dort angeordnet. Ergebnis: Es wurden "durchschnittlich 21 Radfahrer pro 24 Stunden auf der Landesstraße erfasst", so Mennicke. Der Förderstedter Gerhard Schnock kommentiert das so: "Natürlich sind dort wenige Radfahrer zu zählen. Es traut sich ja kaum jemand, dort lang zu fahren." Schon damals, bei der Protestaktion, brauchte es einiges an Mut, die Landstraße mit dem Fahrrad zu befahren. Wenn Lkw und schwere Fahrzeuge dort vorbeidonnern, rutscht dem ungeschützten Radfahrer das Herz in die Hose. Dennoch gibt es bis heute Menschen, die dort mit dem Fahrrad lang fahren müssen, zum Beispiel um auf Arbeit zu kommen.

Wenn das Ministerium die Dringlichekit des Radwegs beurteilt, so Mennicke, sei die "Fahrzeugbelastung" wichtig. Diese lag im Jahr 2010 bei rund 7200 Fahrzeugen täglich. Davon waren knapp 10 Prozent dem Schwerverkehr zuzuordnen."

"Jeder, der in Förderstedt gern Rad fährt, wünscht sich diesen Radweg."

"Und das wird immer schlimmer", erklärt Schnock. Immer mehr Lkw würden die Straße nutzen - diesen Eindruck hat er. "Jeder, der in Förderstedt gern Rad fährt, wünscht sich diesen Radweg. Auch heute noch", macht er deutlich.

Dennoch kann das Ministerium bis heute, sechs Jahre nach dem ersten Protest, keine guten Nachrichten verlauten lassen: In naher Zukunft gibt es keinen Radweg. "Aufgrund der Vielzahl der landesweit in der Dringlichkeitsstufe I enthaltenen Radwege, aber nicht zuletzt auch wegen der nur begrenzt zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel konnten an der L 72 bisher keine Planungen aufgenommen werden", so Mennicke. Er kann nicht einmal sagen, wann Planungen beginnen könnten, vom Baubeginn ganz zu schweigen. Als die Volksstimme Gerhard Schnock davon erzählt, greift er sich an den Kopf: "Das kann ich nicht glauben. Die spinnen ja." Er und seine Radfahrerfreunde können das einfach nicht verstehen.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Es gibt einen Feldweg zwischen Atzendorf und Staßfurt. Diesen könnten zumindest die Atzendorfer nutzen. "Aber der ist total marode. Der Untergrund ist unbefestigt. Auch hier wird nichts gemacht." Warum keiner wenigstens diesen Radweg pflegt, versteht der Förderstedter ebenfalls nicht. "Landwirte und das Unternehmen nutzen diesen Feldweg. Diese sollten ihn auch in Ordnung halten", so Schnock. Damit sei leider auch der Atzendorfer daran gehindert, heil und sicher nach Staßfurt zu radeln.

Ortsbürgermeister Peter Rotter sieht hier noch einen Aspekt: Förderstedt wurde nach Staßfurt eingemeindet. "Ich sehe es als notwendig an, auch eine politische Verbindung zu schaffen", sagt Rotter.

Kann sich Peter Rotter als Landtagsabgeordneter nicht beim Ministerium für den Radweg einsetzen? "Das tue ich", sagt der Ortsbürgermeister. Beim damaligen Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre und auch beim jetzigen Thomas Webel habe er das Problem mehrfach angesprochen. "Das geht bis zum Landesverwaltungsamt oder zur Haushaltsdiskussion im Landtag. Auch da mache ich immer wieder deutlich, wie wichtig der Radweg ist", so Rotter.

"Das Problem ist, dafür Mehrheiten und vor allem das nötige Geld zu finden."

Aber auch seine Bemühungen laufen ins Leere: "Das Problem ist, Mehrheiten dafür zu finden und vor allem das nötige Geld".

Es fehle einfach an Mitteln für den Radweg. Sehr viele Orte im Land kämpfen um einen neuen Radweg. Noch elf weitere Wege haben die "Dringlichkeitsstufe 1" im Landesradverkehrsplan.

 

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