"Neues Einkaufszentrum an der Lehrter Straße geplant" (19. Januar 2011,) "Ohne OB keine Debatten um Markt, Bad und Petition" (16. April 2011), "Große Mehrheit der Stadträte will keinen neuen ,Schafstall`" (21. Mai 2011). Die Staßfurter Volksstimme hatte vor drei Jahren Anlass zu einigen Schlagzeilen zum Thema neues Kaufhaus.

Staßfurt l Mit dem Einzelhandelskonzept, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, könnte es durchaus wieder zum Thema werden. "Grundlage der Diskussionen damals war die Anfrage eines Investors. Unsere Verwaltung und ich waren der Meinung, dass das etwas sein könnte für die Stadt", erinnert sich Oberbürgermeister René Zok. Auch zahlreiche Lesermeinungen standen einem Kaufhaus positiv gegenüber. Der Stadtrat wollte damals nicht. "Irgendwie fehlte auch eine Grundlage, wie das Vorhaben einzuschätzen wäre", setzt Zok nun auf das Einzelhandelsgutachten als Folge der damaligen Entscheidung. Das Konzept wird gegenwärtig ausgewertet.

Wie Christian Schüler, Wirtschaftsförderer der Stadt erklärt, werde sich voraussichtlich im April eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Bau- und Wirtschaftsausschusses, der Verwaltung, des Gewerbevereins und der Industrie- und Handelskammer zusammensetzen, die sich vom beauftragten Gutachterbüro über den bis dahin erreichten Arbeitsstand informieren lassen wird. "Dort sollen dann die Arbeitsergebnisse aus der Bestandserfassung zum Einzelhandel in Staßfurt sowie zur telefonischen Haushaltsbefragung veröffentlicht und erste Empfehlungen zur weiteren Einzelhandelsentwicklung beraten werden", so Schüler.

"Wir wollen keinen weiteren Lebensmittelmarkt, aber alles andere, was die Innenstadt belebt, ist gern gesehen."

Unterdessen ist für den Gewerbeverein Staßfurt, der damals das Kaufhaus schon befürwortet hatte, eine derartige Neuansiedlung nach wie vor keine Frage. Vereinsvorsitzender Ronald Teßmer: "Wir wollen keinen weiteren Lebensmittelmarkt, aber alles andere, was die Innenstadt belebt, ist gern gesehen." Das letzte Einzelhandelskonzept der Stadt Staßfurt stamme aus dem Jahr 1998. "Das neue soll nun ermitteln - was brauchen wir, was dürfen wir? Das ist ganz wichtig, um die Innenstadt aufzuwerten", so der Vertreter der organisierten Gewerbetreibenden, der unterstreicht, dass die Stadt nicht nur Steinstraße heiße.

Die Fehler, alles nach außen zu verlagern, hätten viele Städte gemacht. Aber man müsse dem endlich entgegensteuern, was auch möglich sei. ",Handel und Wandel` gehören einfach in die Stadt, nicht an den Stadtrand", so Teßmer, "Ein Kaufhaus wäre immer ein Magnet." Staßfurt brauche zum Beispiel einen kleinen Elektronikfachmarkt, Spielzeug- und Schuhgeschäfte, Haushaltswaren, Textilien.

Ein Archiv in die Post würde jedenfalls kein Leben in die Stadt bringen, verweist der Vereinschef auf die entsprechende jüngste Diskussion in den Ausschüssen der Stadt.

Der neue Staßfurter Stadtrat sei auf jeden Fall gefragt, was Neuansiedlungen anbetrifft, kommt Roland Teßmer nicht umhin, den Finger wieder in die Wunde zu legen. "Bernburg bekommt eine Niederlassung nach der anderen - und hier ist Stillstand angesagt."