Vor 14 Jahren sollten die Städte Hecklingen und Staßfurt durch einen vierten Bodeübergang verbunden werden. Im Rahmen der Volksstimme-Serie "Was ist geworden aus...?, hören wir uns um, was daraus geworden ist.

Staßfurt/Hecklingen l Das Projekt war im Jahr 2000 vom damaligen Landkreis Aschersleben-Staßfurt initiiert worden. Der sperrige Arbeitstitel lautete: ,Errichtung einer Verkehrsverbindung mit viertem Bodeübergang zwischen den Kreisstraßen 1303 (Löderburger Straße in Staßfurt) und 1306 (Hecklingen - Groß Börnecke) zur Anbindung der Gewerbestandorte Staßfurt/Nord und Hecklingen an das überregionale Straßennetz`.

Das Projekt ging auf eine Idee zurück, die von der Projektgruppe in der Stabsstelle Unternehmensförderung entwickelt worden war, die der damalige Landrat Thomas Leimbach (CDU) eingerichtet hatte. "Es gab insgesamt vier Trassenvarianten für die Querung der Bode", sagte der Leiter des Amtes für Regionalplanung des Salzlandkreises, Thilo Wechselberger, bei der letzten Berichterstattung der Volksstimme zu diesem Thema vor zwei Jahren.

Der Landkreis Aschersleben-Staßfurt hatte dafür im Jahr 2001 einen Antrag zur Förderung über die Landesinitiative "Regio" gestellt, um zunächst die Planungs- und Beratungsleistungen finanzieren zu können. "Dieser Antrag war jedoch nicht förderfähig", so Wechselberger. Das Vorhaben sei dann schließlich vom Landkreis nicht mehr weiter verfolgt worden. "Ausschlaggebend dafür waren insbesondere planerische Restriktionen", sagte der Ressortchef unter Hinweis auf das Landschaftsschutzgebiet "Bodeniederung", welches beim Trassenbau tangiert werden müsste sowie auf die höheren Aufwendungen beim Bauen im Hochwasserüberflutungsbereich der Bruchwiesen. Auch hatte eine Grobkostenschätzung damals erhebliche Baukosten zwischen 7,2 und 8,7 Millionen Euro, davon allein zirka 3,5 Millionen Euro für die Bodequerung, prophezeit. Deshalb sei damals lediglich ein Teilabschnitt im Bereich Technisat Staßfurt, der Bau der Nordstraße, über das Förderprogramm KommInvest als Gemeinschaftsmaßnahme von Landkreis Aschersleben-Staßfurt und der Stadt Staßfurt umgesetzt worden.

Der zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, Wolfgang Kaufmann, erinnert sich vor zwei Jahren noch genau daran, dass es zu diesem Vorhaben Mitte der 1990er Jahre eine Beratung im Tillysaal des Salzlandtheaters gegeben hatte. "Da hat man uns mitgeteilt, dass der Hauptverkehrsstrom künftig von Staßfurt-Nord in Richtung Real-Warenhaus verlaufen wird und dass die Bodebrücke in der Steinstraße dann die Hauptlast des Verkehrs aufnehmen muss. Daraus wurde dann geschlussfolgert, dass man zwischen Hecklingen und Staßfurt-Nord einen Bodeübergang schaffen muss. Dieser sollte sogar noch wichtiger sein als der dritte an der Salzrinne in Staßfurt", so Wolfgang Kaufmann im Rückblick.

Der Salzlandkreis beabsichtigt nicht, dieses Projekt wieder aufzugreifen, erklärte Wechselberger bereits im Jahr 2012.

"Der vierte Bodeübergang ist zur Anbindung des Hecklinger Gewerbegebietes an den Staßfurter Eckigen Ring sinnvoll. Allerdings ist dieses Projekt derzeit aus finanziellen und umweltrechtlichen Belangen nicht umsetzbar. Es wird derzeit auch nicht mehr verfolgt", sagte Staßfurts Oberbürgermeister René Zok (parteilos) gestern.

"Aufwand und Nutzen stehen bei diesem Vorhaben in keinem Verhältnis", hatte der Verkehrsplaner der Stadt Staßfurt, Günther Roddewig, schon damals mit Blick auf den zu erwartenden Einwohnerschwund und die rückläufigen Verkehrszahlen prophezeit.

Hecklingens Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche (CDU) stimmt seinem Staßfurter Amtskollegen zu. "Es wäre nicht schlecht, wenn wir die beiden Gewerbegebiete verbinden könnten. Dadurch könnten wir die Staßfurter Straße in Hecklingen entlasten", sagte er. Wie Zok sieht auch Kosche in der Finanzierung das Hauptproblem. "Die Stadt Hecklingen könnte das nicht finanzieren. Das wäre nur mit einem relativ hohen Fördermitteleinsatz möglich", sagte der Bürgermeister. Er konzentriert sich deshalb darauf, dass der seit Monaten gesperrte, nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassene Bodeübergang zwischen Gaensefurth und Staßfurt-Nord nach der notwendigen Reparatur eines Abschnittes auf der Hecklinger Seite wieder seiner Bestimmung übergeben werden kann. "Unser Ziel ist es, dass der dort verlaufende Europaradweg R1 Ende Juni dieses Jahres wieder freigegeben werden kann", sagte Kosche.

"Unsere Baustelle wird in der Woche nach Ostern, also um den 25. April fertig", sagte Oberbürgermeister Zok in der jüngsten Stadtratssitzung. Die neue Aluminiumbrücke, die dort in-stalliert wurde, sei fertig und auf der Hecklinger Seite mit einem festem Bauzaun gesichert.

Ein Feld der Flutbrücke als Höhenausgleich sei montiert. Es fehle nur noch der Belag. Die Ersatzpflanzungen seien abgeschlossen. Auf der Staßfurter Seite müssten noch Wegebauarbeiten erfolgen, Böschungsgeländer montiert und die restlichen Pfeiler der alten Rohrbrücke, die nicht mit dem Montagekran herausgezogen werden konnten, entfernt werden. Zudem sollen Teile der alten Brücke dort als Denkmal aufgestellt werden, sagte Oberbürgermeister Zok.

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