Vor 60 Jahren, als an Haustelefone geschweige denn Handys nicht zu denken war, beschritten Kameraden aus Hecklingen aus der Not des Hochwassers heraus Neuland. Sie gründeten eine Nachrichtentruppe und waren damit Vorreiter im Land.

Hecklingen l Es war das Jahr 1954: Hochwasser! In Gänsefurth tritt die Bode über die Ufer und gefährdet den Hecklinger Ortsteil. Hilfe ist nötig. Die Feuerwehr ist zur Stelle. Das war die Geburtstunde der Nachrichtentruppe der Hecklinger Kameraden. Der Gründungstag der "Facheinheit für Information und Kommunikation", wie sie im Amtsdeutsch genannt wird, jährt sich 2014 zum 60. Mal. Für die Wehrleute aus Hecklingen Anlass genug, das Jubiläum mit einem Festakt zu würdigen. Kürzlich versammelten sich alle zusammen im Schulungsraum zum geselligen Abend.

Brandmeister Reinhard Krebs, Leiter der Spezialeinheit, begrüßte die Gäste und Alterskameraden. "Aus einer alle Jahre wiederkehrenden Hochwassersituation an der Bode kam der Stein des Anstoßes. Man versuchte, eine Nachrichtenverbindung entlang der Bode herzurichten, um den Einsatz der Kräfte und Mittel besser koordinieren zu können", begann er mit seinen Ausführungen.

Und weiter berichtete er, dass die Kameraden über die Zeit Technik, mit der sie besser kommunizieren konnten, nach und nach zusammen hatten. 1957 baute man dann einen einachsigen Schlauchhänger um, damit man nun das angesammelte Material zu den Einsatzorten transportieren konnte. Die Einsätze gingen jetzt über die Stadtgrenzen hinaus, zu Waldbränden nach Dolle, Brunkau oder in die Letzlinger Heide.

Es war an der Zeit, ein eigenes Fahrzeug einzurichten. An einen Kauf konnte man damals noch nicht denken. So kam es dazu, dass 1960 ein altes ausgemustertes Taxi-Auto Wanderer W22 aus Staßfurt in Eigenleistung durch die Kameraden zu ihrem ersten Funkfahrzeug umgebaut wurde. In den 1960er Jahren entwickelte sich die Truppe weiter. Es wurden dann Fahrzeuge vom Typ "Robur" angeschafft.

Durch Erfahrungen und Können wurden die Hecklinger in der früheren DDR zur "Nachrichtenreserve des Chefs der Volkspolizei des Bezirks Magdeburg" berufen. Ob es Einsätze wie Maul- und Klauenseuche oder Waldbrände waren - die Hecklinger waren immer gefragt, um die Beschallung und Kommunikation der Einsätze zu übernehmen. Im damaligen Bezirk Magdeburg wurden mehrere Feuerwehren mit Funk in ihren Kleinlöschfahrzeugen Barkas-1000 ausgerüstet. Die Ausbildung dieser Wehren übernahmen die Hecklinger ehrenvoll.

Auch nach der Wende hatte die Nachrichtentechnik weiterhin Bestand. Die alten Fahrzeuge kann man heute noch betrachten, im Feuerwehrmuseum Stendal.

Die Kameraden der Funktruppe leisten heute, zusätzlich zu ihren Feuerwehrdiensten, 24 Ausbildungsabende an der Funktechnik, um im Umgang mit der mittlerweile modernen digitalen Technik fit zu sein. Es stehen der Nachrichtentruppe heute zwei moderne Fahrzeuge zur Verfügung, mit denen die Funktruppe unterwegs im Einsatz ist: der Einsatzleitwagen 2 sowie ein Mehrzweckfahrzeug.

Einsätze wie das Elbe-Hochwasser Stendal/Buch 2002 oder 2010 das Hochwasser an der Schwarzen Elster sowie 2013 das Juni-Hochwasser im Salzlandkreis bestätigen die Wichtigkeit dieser freiwilligen Truppe aus Hecklingen. Im Anschluss bedankte sich Brandmeister Krebs auch bei den Arbeitgebern der Kameraden, die sie im Ernstfall für ihre verantwortungsvolle ehrenamtliche Tätigkeit freistellen.

 

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