Welsleben hat sie - die Volksbank. Im übertragenen Sinn. Denn dahinter verbirgt sich kein Geldinstitut, sondern eine Bank, die vom Volk genutzt werden soll. So das Ansinnen der Besitzer.

Welsleben l Als Heike Tellge das Schild "Volksbank" sah, war ihr klar, wo es bestens hinpassen wird: über die Sitzgelegenheit vor ihrem Haus an der Krummen Straße in Welsleben. "Und das hat zwei gute Gründe", erklärt sie im Gespräch mit der Volksstimme. Zum einen soll die Bank nicht nur die Eigentümer, sondern gern auch Vorbeikommende zum Verweilen einladen - also eine Bank fürs Volk. Zum anderen sei da die Nähe zum einstigen Geldin-stitut, welches sich im benachbarten Haus Krumme Straße 35 befand. Dort wohnt jetzt Fred Wegeleben.

Die Idee seiner Nachbarin fand er gut, versah das Schild mit einem neuen Anstrich - goldene Buchstaben auf schwarzem Untergrund. Nicht nur das Schild weist auf die Bank-Nähe im doppelten Sinn hin. Fred Wegeleben hat auch noch ein Schild, welches den Schriftzug "Ländl. Spar Darlehnskasse Welsleben e.G.m.b.H." trägt.

Mit dem Thema hat sich auch die Geschichts-Arbeitsgruppe Welsleben schon befasst. Ausführliche Erläuterungen in Wort und Bild finden sich in "Welsleben gestern und heute", Heft 16 - 2/2013, wieder.

Darin steht: "Ende des 19. Jahrhunderts entstanden mit der Ausbreitung des Genossenschaftswesens die ersten ländlichen Spar- und Darlehnskassen e.G.m.b.H. mit dem Ziel, besonders kleineren und mittleren Landwirten die für die Förderung des Erwerbs und ihrer Wirtschaft notwendigen Kredite zur Verfügung zu stellen. Bald betrieben die Kreditgenossenschaften neben dem Geld- und Kreditgeschäft auch das Warengeschäft und wandten sich Kapitalmarkttransaktionen zu. Ab 1907 hatte auch Welsleben eine Ländliche Spar- und Darlehnskasse. Sie befand sich in der Krummen Straße 35 (jetzt Fred Wegeleben). Unsere Chronik berichtet darüber: Vorsitzender des Aufsichtsrates war Wilhelm Peters sen. und der Kassenrendant Wilhelm Diesing. Von Anfang der 1930er Jahre bis 1944 übernahm Willi Wunderling die Geschäftsführung.

Auf Grund eines Befehls vom 20. November 1945 wurden alle Spar- und Darlehnskassen in der Sowjetischen Besatzungszone umgestaltet. Ihre Aufgaben waren jetzt unter anderem die Unterstützung der Neubauern mit Krediten, die Beschaffung landwirtschaftlicher Bedarfsgüter und der Absatz der Produkte. In Welsleben löste man nach demokratischen Grundsätzen den bisherigen Vorstand und Aufsichtsrat auf. Eine ordentliche Generalversammlung bestätigte im April 1947 Hermann Mühlberg offiziell als Geschäftsführer. 1948 erfolgte dann die Umbenennung in Raiffeisenkasse GmbH; 1949 in `Landwirtschaftliche Dorfgenossenschaft GmbH Welsleben`. In der sowjetischen Besatzungszone gründete man die `Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe/Bäuerliche Handelsgenossenschaft` (VDGB/BHG). Alle ländlichen Genossenschaften wurden von ihr (nicht immer ganz freiwillig) übernommen. Diese entstand in Welsleben auf dem Grundstück der ehemaligen Zuckerfabrik, Schönebecker Straße 20. ..."

Übrigens: Die jetzige "Volksbank" vor Tellges Haus war ursprünglich als "Tratschbank" - so ist es eingeritzt - für die Frauen gedacht. Dazu gesellten sich auch gern die Männer.