Brumby l "Die Leute glauben langsam nicht mehr an die Ortsumgehung", sagt Hartmut Rüger, Chef der Bürgerinitiative Ortsumgehung Brumby. "Das liegt auch daran, dass wir sonst jedes Jahr eine große Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand gemacht haben, letztes Jahr ist diese ausgefallen."

Der Grund des Ausfalls war, dass es nicht wirklich etwas Neues gab. Denn die Planungen standen rund ein dreiviertel Jahr lang still. Eine Zuarbeit von einer Behörde an eine andere fehlte. Genauer sollte die Landesstraßenbaubehörde - der Bau der Ortsumgehung ist Sache des Landes Sachsen-Anhalt - Stellung nehmen zu den Einwendungen, die Bürger und öffentliche Stellen bereits zum Vorhaben abgegeben hatten.

Auch das Verkehrsministerium Sachsen-Anhalts bestätigte im Januar schon gegenüber der Volksstimme, dass ein dreiviertel Jahr auf diese Stellungnahme gewartet wurde und die Planungen im Prinzip auf Eis lagen.

"Fast ein Jahr, das ist viel zu spät und viel zu lange für so eine Stellungnahme", regt sich Hartmut Rüger auf. Die Bürgerinitiative wartete und wartete, hakte immer wieder bei verschiedenen Behörden des Landes nach und schrieb sogar an Verkehrsminister Thomas Webel. "Er antwortete im Januar und schrieb, dass die Planungen bald wieder aufgenommen werden und es dann mit Volldampf vorangeht", so Rüger. Das Schreiben erfreute die Bürgerinitiative. Gewartet hat sie dann trotzdem bis jetzt.

"Aber das Land ist wirklich dabei und der Bau der Ortsumgehung hat auch oberste Priorität, wurde mir zugesichert", erklärt Hartmut Rüger.

Allerdings ist es schwer, die Hoffnung nicht aufzugeben. So ist zum Beispiel Wolfgang Plümcke resigniert. "Ob ich das noch erlebe, dass die Ortsumgehung gebaut wird?", sagt er. Die Fassade seines Hauses hat dicke Risse, er hat tausende Euro für schalldichte Fenster ausgegeben. "Die Lebensqualität sinkt enorm, die Immobilien kauft keiner mehr. Wenn wir nicht mehr sind, droht der Verfall", sorgt sich der Brumbyer.

Aber auch wenn es die Anwohner kaum glauben werden: Die Planungen des Landes gehen tatsächlich wieder ein Stück voran: Das Verkehrsministerium teilt der Volksstimme mit, dass jene Stellungnahme, die so lange gebraucht hatte, jetzt tatsächlich da ist: "Die Bearbeitung dieser Stellungnahmen ist abgeschlossen", so die Mitarbeiterin Tatjana Kutscha. Und weiter: "Das Landesverwaltungsamt prüft die übergebenen Stellungnahmen und wird in deren Folge einen Erörterungstermin festlegen. Der Erörterungstermin ist allerdings derzeit noch nicht terminiert. Es besteht jedoch die Zielstellung, die Erörterung im zweiten Quartal 2014 durchzuführen."

Der Erörterungstermin, bei dem Bürger, Landwirte und Behörden, die Einwendungen gegen die Ortsumgehung hatten, zusammenkommen und zu einer Einigung kommen sollen, soll also bis spätestens Ende Juni stattfinden.

Danach kann Baurecht geschaffen werden. Dann will die Bürgerinitiative auch wieder eine große Informationsveranstaltung einberufen. "Da die Straße auch finanziert werden muss, wollen wir nicht nur Verkehrsminister Webel, sondern auch Finanzminister Bullerjahn einladen", erklärt Hartmut Rüger. Die Bürgerinitiative hat noch einen langen Weg vor sich, aber die Bürger sollen die Hoffnung nicht aufgeben. "Wir bleiben dran" - so lautet, wie immer, das Credo.

   

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