Mit 25 Besuchern fand das Wahlforum des Seniorenbeirats Staßfurt Montagabend relativ wenig Interesse. Die Spitzenkandidaten für den Stadtrat zeigten sich aber Macht und Bedürfnissen der älteren Wählerschaft bewusst.

Staßfurt l Gehörig aufpassen musste Moderator René Kiel, dass nur die Kandidaten im Präsidium Rede und Antwort standen. Denn im Publikum hatten nur wenige "Otto-Normalverbraucher" Platz genommen, mehrere Mitglieder des Stadtseniorenbeirats - und außerdem noch mehr weitere Bewerber, die sich offensichtlich nicht nur interessierten, sondern vor allem um den Einzug ins Stadtparlament kämpften.

Die Spitzenkandidaten, die der Einladung des Seniorenbeirats gefolgt waren - Peter Rotter (CDU/offene Liste), Corinthus Schobes (UBvS), Burkhard Nimmich (Einzelbewerber), Ralf-Peter Schmidt (Linke/oL), Michael Hausschild (SPD/oL), Günter Döbbel (FDP/oL) und Hartmut Wiest (UWG Salzland) - erweckten durchaus den Eindruck: Wir wissen, was die Senioren wollen. Schließlich gehören die über 65-Jährigen, für die bis 2025 ein Anteil von 33 Prozent an der Bevölkerung prognostiziert werde, erfahrungsgemäß zur aktivsten Wählerschaft, wie der Moderator erwähnte.

Und so bewegten sich die Statements in Sachen barrierefreie Stadt, bessere Busverbindungen für die Ortsteile der Förderstedter Region und Gesundheitsversorgung auf einer Linie. Auch an Steuererhöhungen möchte in der nächsten Legislaturperiode niemand denken.

"Woher würden Sie das Geld nehmen wollen, das das Leben schöner macht?"

"Woher würden Sie das Geld nehmen wollen, das das Leben schöner macht?", fragte René Kiel.

"Wir brauchen eine effektivere Wirtschaftsförderung, die zu neuen Gewerbesteuereinnahmen führt", erklärte Peter Rotter, "Und wir brauchen dafür Macher im Stadtrat und keine Verhinderer." Zudem müsse die Stadt altersbedingte Betriebsübergaben aktiver begleiten."

Corinthus Schobes ist für die Schaffung von Anreizen für neue Investoren. Er denkt da beispielsweise an eine Gewerbesteuerbefreiung in den ersten sieben Jahren. Und die Stadt müsse wirtschaftlicher arbeiten wie ein Unternehmen.

Mehr Beispiele für "urbanes Leben" wie das Fest Staßfurt in Flammen wünschte sich Burkhard Nimmich. Ralf-Peter Schmidt verteidigte die Auffassung, die Kommunalfinanzierung nach wie vor als "gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten" und damit den Protest gegen Bund und Land aufrechtzuerhalten. Zudem laufe die Stadt zurzeit jeder Förderung hinterher. Er sei für ein Leitbild. "Herr Kriesel (OB Zoks Vorgänger) hat mit seiner ,untergehenden Bergbaustadt` wenigstens noch Fördermittel rangeholt."

Die Wünsche des Seniorenrats würden indirekt finanzierbar, meinte Michael Hausschild, indem man einen "Strategieprozess mit allen Beteiligten" führe und entsprechende Fördermittel für die Bereiche Wohnen und Pflege einsetze.

Günter Döbbel würde ein Mittel zu mehr Einnahmen darin sehen, "nicht ständig Dinge kaputtzureden, wie beispielsweise die Drei-Felder-Turnhalle". Und Staßfurt bräuchte zusätzlich externe Wirtschaftsförderer, "die in Deutschland eine Lobby haben".

"Solche Dinge müssen doch einfach zu regeln sein."

Kiel schob die Frage für Hartmut Wiest nochmal nach, nachdem der schließlich auch im Tillysaal erschienen war. Für ihn sei die Erhöhung der Grundsteuer A (Landwirtschaft) eine Möglichkeit. Die Verbesserung des IT-Konzepts der Stadt würde nach Wiests Meinung Einsparungen im fünfstelligen Bereich bringen, und zudem könnten momentan noch zu viele kommunale Flächen kostenlos genutzt werden.

In der Bürgerfragerunde gab Hermann Saalbach zum Öffentlichen Personennahverkehr zu bedenken, dass sehr viele Busse mit nur einem Fahrgast unterwegs seien, während nach Brumby überhaupt kein Bus angeboten werde. "Solche Dinge müssen doch einfach zu regeln sein." Den Kandidaten gab er noch mit auf den Weg, im Stadtrat fraktionsübergreifend "um die Sache zu kämpfen".

Walter Strauß, wie Saalbach auch Mitglied im Stadtseniorenbeirat, regte an, nach Haldensleber Vorbild jungen Familien Bauland für einen Euro pro Quadratmeter anzubieten. Und er forderte die Stadt auf, bei der Bekämpfung des Kleingarten-Leerstands umzudenken. Für ihn gäbe es eine Lösung, wenn die Stadt für jeden beräumten Hektar Fläche 2000 Euro an den jeweiligen Verein zahlen würde.

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