Mit der Zukunft des Salzlandtheaters beschäftigte sich der Kulturausschuss des Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung. Daran nahmen auch Vorstandsmitglieder des Theaterfördervereins teil.

Staßfurt l Die Gäste stellten den Ausschuss-Mitgliedern mit Sandy Gärtner aus Magdeburg die Nachfolgerin des Ende des vergangenen Jahres entlassenen und mit einem Hausverbot belegten Theaterchefs Norbert Viertel vor. "Sie hat sich so gut eingearbeitet und so perfekt gemacht, so dass wir uns entschlossen haben, sie zum 1. April als künstlerische Leiterin einzustellen", sagte Vereinschefin Karin Marzahn. Sie lobte Gärtner in den höchsten Tönen als "hochkarätige Theaterfrau, die unser Theater in die Zukunft führen kann."

Gärtner selbst äußerte sich erfreut darüber, "die Chance bekommen zu haben, dieses wunderschöne Haus führen zu können." Ihr Ziel sei es, die Veranstaltungen gut über die Bühne zu bringen. Der von ihr erarbeitete neue Spielplan soll zum Salzlandfest im Juni in druckfertiger Form vorliegen. Als besondere Höhepunkte nannte sie eine Zirkusshow zum 75-jährigen Bestehen von Zirkus Probst und ein Operetten-Spezialprogramm der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie für Staßfurt.

Wie in den Vorjahren werde der Förderverein, der das Haus seit nunmehr acht Jahren betreibt, sich auch weiter für die Kinder- und Jugendarbeit engagieren, versicherte Marzahn. Am Tag der Ausschusssitzung zum Beispiel seien 170 Schüler aus dem gesamten Landkreis im Rahmen des Theaterforums da gewesen und hätten die Möglichkeit gehabt, auf der Bühne ihr Können unter Beweis zu stellen.

FDP-Fraktionschef Johann Hauser sagte: "Ich bedauere zutiefst diese öffentlichen Schuldzuweisungen. Sie sind für den ganzen Laden kontraproduktiv." Solche Kamikaze-Aktionen könnten nicht gut gehen. "Die Leute wollen kein Schmierentheater, sondern sich erholen", warnte Hauser.

Auf seine Frage, wie es jetzt weitergehen soll, sagte Marzahn, man werde beim Einkauf der Programme auf die Kosten achten müssen. Im vergangenen Jahr sei kein großes Defizit aufgelaufen. Und im ersten Quartal dieses Jahres sei ein ordentlicher Überschuss erzielt worden. Das sei nur möglich gewesen, weil Gärtner viele der noch von Viertel ausgehandelten Verträge für den Spielbetrieb nachverhandelt habe.

Der am 26. März von den Mitgliedern verabschiedete Wirtschaftsplan für das laufende Jahr sei sehr solide. "Wir planen mit einem Budget von 100 000 Euro", sagte die Vereinschefin. "Wir haben in diesem Jahr bei bisher keiner Veranstaltung ein Minus eingefahren", fügte Vorstandsmitglied Stephan Czuratis hinzu.

Marzahn versprach den Ausschussmitgliedern: "Sie können sich darauf verlassen. Es geht weiter. Wir sind bemüht, das Theater zu erhalten für Staßfurt und Umgebung."

Angelika Flügel (Die Linke) lobte den Enthusiasmus. Da könne man nur die Daumen drücken, um dem Theater eine Chance zu geben. Ihr Parteifreund, Ausschusschef Gerhard Wiest, hingegen verwies auf den Fördervertrag, den die Stadt vor Jahren mit dem Verein abgeschlossen hatte. Er sehe vor, dass es einen Theaterleiter gebe, der in Vollzeit beschäftigt werde. Ein Theaterleiter sei mehr als eine künstlerische Leiterin, wie sich Gärtner bezeichnet. Das gleiche gelte für den Hauselektriker. Bei der Größe des Hauses müsste es sogar eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik sein. "Die Stadt ist nicht in Verantwortung, wenn etwas schief geht", betonte Wiest.

"Dann können wir das Haus zumachen", entgegnete Marzahn dem Ausschusschef. "Wir haben uns Gedanken gemacht und wollen nicht mehr mehrere Großveranstaltungen im Jahr durchführen, sondern weniger", sagte die Vereinschefin und rief Wiest zu: " Sie können zum Finanzamt gehen und uns eine Kontrolle schicken. Wir sind sauber!" Die Aufgaben der Theaterchefin seien in ihrer Stellenbeschreibung klar geregelt, sagte Czuratis.

"Im Gegensatz zu Oberbürgermeister René Zok geht uns das schon was an", sagte Wiest. Das Stadtoberhaupt hatte im Vorfeld der Ausschusssitzung erklärt, dass er sich nicht in die Angelegenheiten des Vereins einmischen werde.

Diese Auffassung halte auch er für verkehrt, sagte Hauser. "Die Stadt muss ein Interesse am Erhalt des Hauses haben. Wir brauchen klare rechtliche Verhältnisse. Und ich will, dass die Sachen geordnet werden", so der Liberale und mit Blick zum Fachbereichsleiter Hans-Georg Köpper sagte Hauser: "Der Zoff muss ein Ende haben."

Letzterer erklärte, dass das Theater dem Oberbürgermeister sehr wichtig sei. Wenn sich ein Weg abzeichne, dass es nicht mehr gehen könnte, müsste man sich über den Weg unterhalten, deutete Köpper an. Auf Hausers Frage, ob der Vertrag so wie er ausgehandelt wurde, in Ordnung sei, sagte er: "Ja, sonst hätten wir ihn dem Oberbürgermeister nicht zur Unterschrift vorgelegt." "Wir haben nicht das Recht, dem Verein Vorschriften zu machen. Wir sollten ihm weiter Geld geben und ihm vertrauen", schlug Flügel vor.

"Der Verein ist auf einem guten Weg. Wir sollten ihm eine Chance geben und Sandy Gärtner das Vertrauen aussprechen, wenn es Zweifel geben sollte, nur für ein Jahr", forderte auch Heike Schaaf (CDU).

Der Vertrag mit Gärtner sei nur für ein Jahr abgeschlossen worden, teilte Marzahn mit.

Der ebenfalls anwesende ehemalige Theaterchef Norbert Viertel, der nicht die Möglichkeit bekam, sich in der Sitzung zu äußern, sagte der Volksstimme: "Die Aussagen von Vorstandmitgliedern vor dem Ausschuss machen es jetzt zwingend notwendig, dass die Einnahmen und Ausgaben des Vereins von unabhängiger Stelle tiefengeprüft werden. Ich erwarte von Fördermittelgebern und Sponsoren, dass sie ihrer Aufgabe nachkommen."