In unserer neuen Serie aus Atzendorf "Das Museum kommt zu Ihnen", stellen wir heute den Kolonialwarenladen im Heimatmuseum vor. Hinter dem komplett eingerichteten Laden verbirgt sich die Geschichte tüchtiger Kaufmannsleute.

Atzendorf l Der Kolonialwarenladen erinnert heute noch an die Kaufmannsfamilie Gustav beziehungsweise Gerhard Schumann aus Kleinmühlingen. Mit der historischen Ladeneinrichtung halten die Mitglieder das Andenken an diese Geschäftsleute in Ehren.

Gegründet wurde das Geschäft 1850 vom Urgroßvater Christoph Friedrich Schumann und seiner Ehefrau Johanna. Mit Freunden hatten die Urgroßeltern von Gustav Schumann damals Lotterie gespielt und auch tatsächlich etwas gewonnen. Der Urgroßvater war Leinenweber und hatte schon zwei bestehende Läden. Mit dem Geld des Lotto-Gewinns beschloss er die Gründung des Kolonialwarengeschäftes.

Man fing klein an: Salz, Essig, Zucker, Mohnöl, einige Gewürze, schwarzer Sirup, Pfeifentabak, Schmierseife, Kernseife und Brennöl gehörten zum Sortiment.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, gab es ab diesem Zeitpunkt hier auch Lebensmittel. Es wurden Fleisch- und Seifenmarken eingeführt.

Nach dem Krieg traf die Inflation auch diesen kleinen Laden. Der Preis einer Zigarette klettere hier auf 100 Mark.

Nachdem Gustav Schumann in das elterliche Geschäft in den 1920er Jahren eingestiegen war, nahm er eine Sortimentserweiterung in Angriff. Es kamen auch Textilwaren hinzu.

1977 hat Gerhard Schumann das Geschäft von seinem Vater übernommen und führte es durch die Zeit der DDR, die Wende und die Wiedervereinigung.

Nach 150 Jahren hat die Familie Schumann dann das Geschäft geschlossen. Die Kinder hatten andere Berufe erlernt und Gerhard Schumann ging mit 63 Jahren in Rente.

Viele Besucher des Museums erinnern sich oft an die Kolonialwarenläden zurück. Waren sie doch in ähnlicher Form in allen Dörfern vorhanden - ob in Atzendorf bei Behrens oder in Glöthe bei Dammanns.

Wir haben den Laden aus Kleinmühlingen in die Atzendorfer Hopfendarre bringen können und mit Hilfe vieler Besucher auch mit einem ansehnlichen Warenbestand versehen. Der Kolonialwarenladen ist allemal einen Besuch im Museum wert.

In der nächsten Woche kommt das Heimatmuseum wieder zu Ihnen - ein Blick in den Briefkasten genügt!

Bis dahin!

Ihre Sabine Rotter und die Mitglieder des "Carsted Club"

   

Bilder