Es ist die Sensation des Jahres. Massenhaft kamen Eltern aus Neundorf und meldeten insgesamt 32 Kinder in allen Klassenstufen ab dem kommenden Schuljahr an der Grundschule Giersleben an. Damit ist diese so gut wie gerettet.

Neundorf/Giersleben l Nachdem die Schließung der Grundschule Neundorf feststand, hatten sich einige engagierte Eltern umgesehen. Zum Beispiel Gloria Bauer, die ihre Tochter Letizia und ihren Sohn Timmi nicht in die Staßfurter Uhland-Schule schicken will. "Ich bin selbst auf diese Schule gegangen. Für mich ist das eher eine Sekundarschule. Das Gebäude gefällt mir nicht und ich weiß, wie übervoll der Schulbus immer ist."

Eltern wie sie haben die Initiative ergriffen und sind auf die Idee mit der Grundschule "Wippertal" in Giersleben gekommen. Der Kontakt hierhin bestand schon länger über eine Lehrerin, die in Neundorf ab und zu aushalf. Die Eltern waren auf der Suche nach einer kleinen, harmonischen Dorfschule. "Es ist so ein schöne dörfliche Atmosphäre hier. Alles ist top", meint Katharina Schmid aus Neundorf, die ihren Sohn Dean am Sonnabend in Giersleben angemeldet hat.

Dirk Stelter aus Neundorf, der seinen Sohn Jonas auch am Sonnabend hier angemeldet hat, sagt: "Die Uhland-Schule und die Klassen dort sind zu groß." Auch Janette Drescher aus Neundorf hat Angst, dass die Umstellung auf eine große Klasse an der Uhland-Schule ihrem Sohn Marlon, der jetzt noch in eine kleine 1. Klasse in Neundorf geht, nicht gut tut.

"Bei einer Elternversammlung brachte dann jemand die Gierslebener Schule zur Sprache", erklärt Janette Drescher. Und kaum waren sie und die anderen Eltern am Sonnabend für ein paar Stunden in der Grundschule Giersleben, hatten sie auch schon unterschrieben.

Mit einem Ausnahmeantrag beantragen die Eltern für ganze 32 Kinder aus Neundorf die Einschulung in Giersleben ab dem nächsten Schuljahr. Hinzukommen zwei Schüler aus Plötzkau, zwei aus Güsten und vier aus Giersleben. Weitere zehn Eltern aus Neundorf haben den Antrag mit nach Hause genommen und könnten auch noch unterschreiben.

Für die Gierslebener Schule, die nach den Sommerferien wegen zu geringer Schülerzahlen schließen sollte, ist das "der Hammer des Jahres", freut sich der Gierslebener Ortsbürgermeister Peter Rietsch. Steffen Globig, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saale-Wipper - dazu gehört Giersleben -, ist überwältigt. "Ich danke allen, die das möglich gemacht haben. Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen." Schulleiterin Marina Groß freut sich über das Engagement der Neundorfer Eltern: "Man muss den Eltern die Freiheit bei dieser Entscheidung lassen."

Mit aktuellem Stand müssen alle Neundorfer Eltern der 32 Kinder eine Ausnahmegenehmigung beim Landesschulamt beantragen. Ob diese genehmigt wird, steht bei jedem einzelnen Antrag in den Sternen. Wenn allerdings die Stadt Staßfurt und die Verbandsgemeinde Saale-Wipper eine spezielle Vereinbarung schließen würden, fällt dies weg. Dann könnten Neundorfer Eltern ganz ohne Anträge zwischen der Grundschule Giersleben und der Uhland-Schule in Staßfurt wählen.

So eine Vereinbarung ist zwar aktuell zwischen den Verwaltungen im Gespräch, aber in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper möchte man die Entscheidung des Neundorfer Ortschaftsrats und des Staßfurter Stadtrats abwarten. "Ich bin gespannt, wie sie sich positionieren. Ich lade alle Vertreter aus Ortschaftsrat, Stadtrat und Bildungsausschuss nach Giersleben ein. Ich hoffe, wir können sie von unserer Schule begeistern", sagt Peter Rietsch. Auch Steffen Globig hofft auf eine positive Entscheidung des Staßfurter Stadtrats.

Ein Knackpunkt ist auch noch der Schülertransport. In diesem Ausnahmefall ist der Landkreis nicht verpflichtet, für Busse zu sorgen. Rietsch ist zur Zeit im Gespräch mit dem Landkreis, um eine Lösung dafür zu finden. Der Hort wäre für die Eltern frei wählbar.

   

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