Dass seit vier Jahren in Glöthe das Wasser in den Kellern steht, ist bekannt. Ebenso die verschiedenen Lösungsansätze, die seit vier Jahren im Gespräch sind. Konkret Abhilfe geschaffen wurde bisher nicht. Heute schauen wir, wie es um die Betroffenen und deren Häuser steht. Diese mussten jetzt die nächste Enttäuschung verkraften.

Glöthe l Joachim Mittag und seine Frau Heidemarie sind den Tränen nahe. Sie hatten eine Petition beim Landtag Sachsen-Anhalt eingereicht. Sie hatten Hoffnung, dass das Gremium Druck macht bei den Behörden und dass dann endlich etwas passiert.

Erst am 2. April waren die Landespolitiker zu einem ausführlichen Gespräch am Ruscheschacht in Glöthe. Vor knapp zwei Wochen kam dann das ernüchternde Schreiben vom Petitionsausschuss, datiert auf den 16. April 2014: "Im Nachgang des Ortstermins am 2. April hat sich der Ausschuss in seiner Sitzung am 3. April darauf verständigt, Ihre Petition zunächst zurückzustellen." In dem Brief steht auch, man werde sich weiter um eine Lösung des Problems bemühen.

Das heißt, die Petition von Joachim Mittag ist vorerst kein Thema mehr im Landtag. "Ich in bitter enttäuscht von Magdeburg", sagt Joachim Mittag. Die Petition war seine letzte Hoffnung. "Ich weiß wirklich nicht, was wir noch machen sollen", sagt er traurig und weicht mit dem Blick aus.

"Nur Schriftverkehr über Jahre. Wir waren schon oft beim Stadtrat und Ortschaftsrat, das brachte uns gar nichts. Uns hilft man einfach nicht", sagt Heidemarie Mittag. "Wenn sie wenigstens die Pumpe anstellen würden, das würde die Lage ja schon etwas entspannen", sagt sie.

Während Familie Mittag die Hoffnung erst jetzt aufgibt, sind Siegried und Günter Dammann schon lange resigniert. Als das Grundwasser vor vier Jahren stieg, "schwammen die Bierfässer in unserem Keller", sagt Siegried Dammann. Die Gaststätte im großem Saal mit einer Tradition von 130 Jahren musste sie schließen. Ihr Enkel, der im Nachbarhaus eine Kellerwohnung hat, musste ausziehen. Im Keller der alten Gaststätte steht das Wasser immer mindestens einen halben Meter hoch. "Es wird viel erzählt, aber vom Ortschaftsrat erwarten wir keine Hilfe. Die haben nämlich Angst, dass Förderstedt absäuft, wenn bei uns das Wasser weniger wird", sagt Günter Dammann.

Das hydrogeologische Gutachten, das die Stadt diesen Monat in Auftrag gibt, wird erst Ende des Jahres fertig sein. Ob eine Pumpe, die die Agrargenossenschaft Calbe finanzieren will, am Ruscheschacht zum Probelauf installiert wird kann, ist unklar. Der Besitzer des Schachts und der Betrieb sind über Kreuz.

Was jedoch klar ist: In Mittags Garten gedeiht das Schilf munter. Das Wasser zieht bis in den Flur. Der Riss am Haus wird länger. Bei Dammanns breitet sich der Schimmel aus. Die Diehlen müssen wieder erneuert werden. Die Wände im Erdgeschoss saugen sich mehr und mehr mit Wasser voll.

   

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