Das Thema Schülertransport könnte zum Problem werden. Während Neundorfer Eltern schon 28 Kinder an der Grundschule Giersleben angemeldet haben und sich sicher sind, dass mit dem Schulbus alles klappt, sind Kommunalpolitiker und Verwaltung ganz anderer Meinung.

Neundorf/Giersleben l In Neundorf ist die Grundschule Thema Nummer 1. 28 Kinder sind in der Gierslebener Grundschule - in der Nachbargemeinde Saale-Wipper - für das kommende Schuljahr angemeldet.

Nach Volksstimme-Informationen bangt daher der Neundorfer Hort um seine Existenz, wenn viele Neundorfer Kinder ab dem Sommer oder erst in einigen Jahren in den Gierslebener Hort wechseln würden. Das größte Fragezeichen steht aber über dem Schülertransport nach Giersleben.

Deshalb waren Anja Winkel, Daniela Kühne und Noreen Nagoreske aus Neundorf, die ihre Kinder schon in Giersleben angemeldet haben, am Mittwochabend im Bildungsausschuss der Stadt Staßfurt und wollten wissen, wie es nun weitergeht.

"Wieso haben wir uns alle nicht einmal getroffen? Wieso gibt es keine klaren Informationen?", fragte Daniela Kühne die Ausschussmitglieder. Im Bildungsausschuss sind aber keine Anfragen der Bürger möglich, daher bot Oberbürgermeister René Zok den Eltern an, sich mit ihm in Verbindung zu setzen und das Thema zu besprechen.

Vor allem zur Frage des Schülertransports herrscht Verwirrung: Zum einen werde in Neundorf erzählt, der Schülertransport nach Giersleben sei hundertprozentig abgesichert. "Die Schülerbeförderung wurde uns in Giersleben zum Tag der offenen Tür vom Bürgermeister Peter Rietsch zugesichert", sagt Daniela Kühne im Nachgang des Ausschusses zur Volksstimme. Auch die anderen Eltern bestätigen ein solches Versprechen.

Außerdem stand beim Tag der offenen Tür auch ein neuer Mercedes-Kleintransporter vor der Grundschule, mit dem für eine private Initiative zur Beförderung der Schüler geworben wurde. "Es gäbe noch zwei weitere Kleinbusse, wurde uns gesagt", erzählt Anja Winkel.

Bei der Ausschusssitzung aber betonten Mitarbeiter der Verwaltung: Der Schülertransport ist nicht abgesichert, habe der Landkreis mitgeteilt (der Landkreis ist für die Schülerbeförderung zuständig). Auch die Ratsmitglieder hatten Zweifel. Dass die Neundorfer Kinder am Schuljahresanfang dastehen und es eben keinen Schülertransport gibt und die Eltern nicht wissen, wie sie ihre Kinder nach Giersleben bringen sollen, ist die große Sorge einiger Mitglieder des Bildungsausschusses und auch des Sozialausschusses. Manchen Ratsmitgliedern war auch nicht wohl dabei, die Neundorfer Kinder in eine andere Gemeinde "abzugeben".

Verbandsgemeindebürgermeister von Saale-Wipper Steffen Globig berichtet der Volksstimme, was auf einer Pressekonferenz des Landkreises am Mittwoch zu dem Thema gesagt wurde: Falls eine Vereinbarung zwischen Verbandsgemeinde und Stadt Staßfurt getroffen wird, "sieht der Landkreis keine Verpflichtung dafür zu sorgen, dass der entsprechende Schülertransport vorhanden ist".

Das heißt, es muss nicht sichergestellt werden, dass eine direkte Busverbindung geschaffen wird. Eine solche Verbindung gibt es aktuell auch nicht. Mit dem Zug wären die Neundorfer Kinder zwar sehr schnell in Giersleben, allerdings auf dem Bahnhof, wo sie noch 17 Minuten laufen müssten. Und den Eltern werden auch nur die Kosten für die Strecke zwischen Neundorf und Uhland-Schule erstattet. Ob die Kreisverkehrsgesellschaft Salzland dann dennoch Busse einrichten wird, weil es nun täglich 28 weitere Fahrgäste gibt, liegt dann in ihrem wirtschaftlichen Ermessen.

Peter Rietsch, der den Eltern versprochen haben soll, dass mit dem Schülertransport alles klappt, sagt zur Volksstimme: "Ich habe nicht versprochen, dass der Schülertransport gesichert ist, aber ich habe versprochen, dass ich alles unternehmen werde, damit dieser abgesichert ist." Er setze derzeit alles daran, eine Lösung zu finden, und ist sich hundertprozentig sicher, dass das klappt.

Wegen des fraglichen Schülertransports entschieden sich die Ausschussmitglieder gegen den Vorschlag, mit der Verbandsgemeinde eine Vereinbarung abzuschließen und die Beschulung der Neundorfer in Giersleben zu ermöglichen. Dieser Beschluss hat nur empfehlenden Charakter, entscheiden muss der Stadtrat am 22. Mai. Im Moment ist unklar, ob die Stadträte dem Wunsch der Neundorfer Eltern nachkommen werden.

Was ist, wenn es mit dem Schülertransport nichts wird? "Dann haben wir echt ein Problem", sagt Daniela Kühne. "Aber für uns ist Giersleben die beste Lösung. An diesem Strohhalm müssen wir uns jetzt festhalten." Die Mütter betonen auch: "Wir haben nichts gegen die Uhland-Schule, wirklich nicht. Wir möchten eben eine kleine und ländliche Schule für unsere Kinder mit wenig Schülern. Eigentlich haben die Kinder entschieden. Sie sagten gleich, sie wollen nach Giersleben."