Mit einer außergewöhnlichen Gestaltungsidee nähert sich das seit mehreren Jahren laufende Glockenprojekt der Coch- stedter Stephanikirche dem Ende. Kinder werden sich auf der dritten und letzten Glocke, die neu gegossen wird, mit Zeichnungen für die Nachwelt verewigen. Ihre Bilder fließen in einen Fries ein, der den schweren Klangkörper umfasst.

Von Nora Menzel

Cochstedt l Die kleine Elisabeth ist hellauf begeistert. Freudestrahlend lacht die Sechsjährige in die Kamera und ruft immer wieder "Käsekuchen". Das wiederum bringt alle anderen, die drumherum vor dem eingerüsteten Turm der Stephanikirche stehen, ebenfalls zum Lachen. Anlass zur Freude gibt es für sie allemal.

Am Gotteshaus konnte in den zurückliegenden Jahren mit vielen Spenden und Fördermitteln allerhand erreicht werden. Gerade laufen Arbeiten am Dach. Dabei ist das Ende der Restaurierungsarbeiten in Sicht. Noch in diesem Jahr werden über Cochstedt wieder drei Glocken klingen. Ein historischer Klangkörper aus dem 17. Jahrhundert aus Bronze wurde wieder in Funktion genommen, zwei neue vervollständigen den ebenfalls sanierten Glockenstuhl. Eine Glocke ist bereits fertig. Die andere wird derzeit auf den Weg gebracht.

"Ich denke, dass solch eine Gestaltung mit dem Fries einmalig im Kirchenkreis ist."

Und dafür haben sich die Initiatoren vom Kirchspiel "Am Hakel" und alle anderen Unterstützer ein besonderes Gestaltungs-Schmankerl einfallen lassen. Hier kommt wieder die kleine Elisabeth ins Spiel. Zusammen mit weiteren 18 Kindern, die aus Schneidlingen, Groß Börnecke und Cochstedt kommen, war sie als kleine Glockendesignerin tätig. "Wir haben die Kinderferientage genutzt, um Bilder zu malen", berichtet Gemeindepädagogin Dorothea Kauf, dass die Kinder zunächst eigene Ideen für Motive entwickelten. Unter dem Motto "Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende", habe sich ein jeder Gedanken gemacht, was er denkt, wer Gott ist. Auf dem Bild, das der Martin hält, ist ein Baum zu sehen. Und auf der Zeichnung von Franziska neben ihm sind zwei Hände von zwei Personen zu sehen, die sich anfassen und die Verbundenheit zum Ausdruck bringen.

Wie aber kommen diese kleinen Bilder auf die Glocke? Architekt Martin Zsrocke erklärt, dass die Zeichnungen zunächst auf eine Größe gebracht wurden. Er zeigt eine fertige Ansicht (siehe kleines Bild). Zu sehen ist die Glocke mit einem Zierfries unten. Die Bilder der Kinder sind darin zu erkennen. "Der Fries wird zirka zehn Zentimeter hoch sein", sagt Zsrocke. Er erklärt auch den Umfang des Schmuckbandes, das die gesamte Glocke umfassen wird: "Zirka 3,60 Meter", rechnet er vor.

Und wann kann die fertige Rarität bestaunt werden? "Am 27. Juni ist der Gusstermin in Karlsruhe", sagt Zsrocke. Nicht nur er freut sich auf die Anlieferung der dritten und letzten Glocke. Auch viele Mitglieder vom Gemeindekirchenrat sind gespannt. "Ich denke, dass solch eine Gestaltung mit dem Fries einmalig im Kirchenkreis ist", meint der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats im Kirchspiel "Am Hakel" Jörg Biedermann.

Die Idee zur Gestaltung kam den Initiatoren übrigens beim Guss der zweiten Glocke, die schon da ist, in Karlsruhe. Dort wurde gerade eine andere Glocke hergestellt. Dort sahen die Cochstedter einen solchen Fries mit Kinderbildern zum ersten Mal, waren begeistert und beschlossen ihr Glockenprojekt mit eben einer solchen Gestaltung zu Ende zu bringen.

Patenschaften können Finanzierung abdecken

Der Fries wird alles in allem rund 1200 Euro kosten. Die Finanzierung wird derzeit organisiert. Sie soll aber über Spenden abgedeckt werden, so das Ziel. "Jeder, der möchte, kann für ein Bild quasi eine Patenschaft übernehmen", sagt Jörg Biedermann. Er erklärt weiter, dass all jene, die spenden, natürlich in einer zusammenfassenden Dokumentation des Glockenprojektes, die auch in der Kirche als Ausstellung zu sehen sein wird, benannt werden.

   

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