Peter Wolf aus Hecklingen ist mit Tea-Kwon-Do aufgewachsen. Sein Vater war in den 1960er Jahreneiner der ersten deutschen Großmeister, die die koreanische Kampfkunst im Land unterrichteten. Der Sohn lebt den Sport jetzt weiter. Die Findung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wird dabei groß geschrieben.

Hecklingen l 1978 konnte sich Peter Wolf aus Hecklingen mit gerade mal neun Jahren als Kind seinen ersten schwarzen Gürtel umbinden. "Ich war damals der jüngsten Dan-Träger der Welt", sagt er nicht ohne Stolz und erklärt, dass Dan die Bezeichnung für einen schwarzen Gürtel ist. Er kann sich sicher sein, dass das, was er sagt, seine Richtigkeit hat. Um das zu erklären, holt er weit aus und berichtet, wie er erstmals mit dem Sport in Berührung kam. Peter Wolf ist in den alten Bundesländern bei Dortmund aufgewachsen, lebt aber gemeinsam mit seiner Familie schon seit vielen Jahren in Hecklingen. Schon als kleiner Junge stand er 1975 im Trainingsraum der Schule für Tea-Kwon-Do, die sein Vater in den 1960er Jahren gegründet hatte. Damals hielt die koreanische Kampfkunst gerade Einzug in Deutschland. Acht Großmeister unterrichteten sie, einer davon war der Vater des Hecklingers.

Er wiederum hatte sein Wissen von einem General, der Tea-Kwon-Do, das aus Südkorea stammt, entwickelte und verbreitete. "Ich hatte als Junge das Glück, General Choi Hong Hi persönlich zu treffen und an seinen Kursen teilzunehmen", erzählt Peter Wolf, dass der General ihm auch eine Sondergenehmigung erteilte, die Prüfung zum besagten ersten Schwaren Gürtel, den sonst nur Erwachsene tragen, schon mit neun Jahren abzulegen. Denn üblich sei dies mit solch jungen Jahren eigentlich nicht gewesen. Mittlerweile besitzt Peter Wolf drei Schwarze Gürtel. Der Vierte soll auf den Weg gebracht werden. Vorbereitungen zur Prüfung laufen. Dann ist Peter Wolf ebenfalls Großmeister. Wird er darauf angesprochen, was Tea-Kwon-Do eigentlich genau ist, sprudelt es förmlich aus ihm heraus. Ganz viel Wissen, auch historische Daten und Fakten sowie korrekt ausgesprochene Fachbegriffe mit der entsprechenden Übersetzung sind über die Jahre in Fleisch und Blut übergegangen.

Tea-Kwon-Do heißt übersetzt "Fuß, Faust, Geist" und ist für Peter Wolf ein Lebensweg, der ganz viel mit Tradition und einer Lebenseinstellung zu tun hat. Werte und Normen gilt es zu vermitteln. Derjenige, der einem im Trainings- raum gegenüber steht, ist niemals der Gegner, sondern immer der Partner, erklärt er, dass im Tea-Kwon-Do Körper und Geist linear entwickelt werden. Die Einstellung spiele eine große Rolle. "Es findet immer eine Persönlichkeitsentwicklung statt", sagt Peter Wolf. Auf die unwissende Frage der Redakteurin, ob er - so richtig wie im Film - eine Holzplatte zerhauen könne, lächelt der Hecklinger. "Ja, klar", antwortet er und erklärt im gleichen Atemzug aber, dass jeder Schüler einen Eid schwören muss, dass er das Erlernte niemals außerhalb des Trainingsraumes anwenden darf. Werte und Normen wie Selbstdisziplin, Integrität, Respekt, Toleranz, Achtung vor allen Lebewesen - all das werde im Tea-Kwon-Do ganz groß geschrieben, kommt Peter Wolf, der jetzt wieder als Lehrer mit eigener Tea-Kwon-Do-Schule arbeitet und damit das Erbe seines Vaters antritt, aus dem Erzählen gar nicht mehr raus.

@066n TwitterCo.:Am 1. Juni gibt Peter Wolf eine kostenfreie Vorführung seines Könnens in der Hecklinger Turnhalle. Wer den dreifachen Schwarzgürtelträger erleben möchte, ist ab 14 Uhr herzlich willkommen.